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Rock-Poet mit Herz fürs Öcher Platt

Thouet-Mundartpreis für Dieter Böse. 700 Gäste erleben im Krönungssaal des Rathauses einen emotionalen Abend.

Aachen. Er ist ein ganz Lieber und hat das Herz am rechten Fleck – und er liebt und lebt das Öcher Platt. Für diesen besonderen Einsatz für den Erhalt der Muttersprache wurde der Aachener Musiker Dieter Böse am Dreikönigstag mit dem Thouet-Mundartpreis 2018 ausgezeichnet. Traditionell am sechsten Tag des Jahres versammelt sich die Aachener Gesellschaft im Rathaus. Das Credo des Vereins, wonach die „Muttersprache es wert ist, erhalten, gepflegt, gefeiert und vor allem gesprochen zu werden“, wurde an diesem Abend einmal mehr beherzigt. Der Vorsitzende des Mundartpreises, Ägid Lennartz, freute sich trotz karnevalistischer Konkurrenz nur ein paar Luftmeter entfernt bei der Prinzenproklamation, über den besonders großen Zuspruch.

Natürlich stellte sich der neue Preisträger den rund 700 Gästen im voll besetzten Krönungssaal auch musikalisch vor. Und das besonders emotional, mit dem seiner Ehefrau Jeanette gewidmeten Lied „Du bes die Keäz e ming Lanteär“. Dabei herrschte pure Gänsehautatmosphäre und der ganze Saal stimmte mit ein. Um 21.10 Uhr war es dann soweit: Nach der großartigen offiziellen „Loevhoddelejj“ von Oliver Lutter erhielt Dieter Böse die Urkunde aus den Händen von Ägid Lennartz und Oberbürgermeister Marcel Philipp.

„Böse besonders lieber Mensch“

Als persönlicher Freund, Weggefährte und Schlagzeuger in seiner Band fand Oliver Lutter sehr persönliche Worte, um Böses Schaffen für den Erhalt der Muttersprache zu skizzieren. „Er hält überhaupt nicht, was sein Name verspricht – eher das Gegenteil. Er ist ein besonders lieber Mensch, ein zuvorkommender, hilfsbereiter und liebenswerter Zeitgenosse, dessen große Leidenschaft die Musik ist“, betonte Lutter.

„Er findet eine Sprache, die
die Herzen berührt und
unsere Heimat ist.“

Oliver Lutter,
Freund und Weggefährte

1951 wurde Dieter Böse im Marianneninstitut geboren, ein absolut „echter Öcher“ also. Aufgewachsen bei den Großeltern in Kohlscheid entdeckte er in jungen Jahren die Liebe zur Musik. „Angefangen hat er damit, in der Küche auf den Töpfen Schlagzeug zu spielen, später entdeckte er seine Leidenschaft für die Beatles und die Stones. Mit Anfang 20 begann er Gitarre zu spielen, gründete 1983 die erste Böse Band, die damals noch Hochdeutsch sang. Er verehrt Aerosmith und Udo Lindenberg und widmet sich seit Anfang der 90er Jahre Texten auf Öcher Platt“, erzählte Lutter über seinen Freund. Böse machte eine Ausbildung bei der Bundespost und war bis zuletzt in Haaren als „Postbüll“ beliebt.

„Er ist ein Rock-Poet mit Herz und unermüdlichem Einsatz für den Erhalt der Muttersprache. Er findet eine Sprache, die die Herzen berührt und unsere Heimat ist. Er widmet sich in seinen Texten sensiblen Themen, dem Leben und der Liebe. Alles entsteht in seinem Tonstudio im Keller. Er ist begeisterter Radfahrer, engagiert sich sozial und politisch.“ Bereits vor 23 Jahren wurde Dieter Böse von Mattschö Stevens für das Thouet-Rahmenprogramm verpflichtet. Damals hatte er mit seinen rockigen Klängen den Krönungssaal wahrlich aufgemischt. Stevens hatte den Zeitgeist erkannt. Und da Böse sogar eine Europahymne auf Platt verfasst habe, sei er vielleicht sogar mal ein Aspirant auf den Karlspreis, stellte Lutter augenzwinkernd fest.

Sichtlich gerührt und überglücklich nahm Dieter Böse die Ehrung entgegen. Er stellte fest: Wenn nur ein kleiner Teil der rund 200 Aachener Bands und Musiker das Platt pflegen würde, könnte die Öcher Szene eine wahre Verjüngungskur erleben. Am Ende erntete Böse stehende Ovationen. Mit seinen „Visionen für Oche“ dankte er musikalisch.

Großer Dank galt auch dem langjährigen Thouet-Moderator Manfred Savelsberg. In diesem Jahr sprang Leo Bardenheuer ein, der großartig und mit viel Witz durch ein schwungvolles Programm führte, das die Vielfalt der Heimatsprache aufzeigte.

Paul Hahn, Kurt Joussen, Markus Krings boten einen kleinen Platt-Kurs dar, erklärten etwa die Hintergründe des Paraplü und wer dieser Lennet Kann ist. Udo S. (Schroll) stellte mit gleich drei Liedern unter Beweis, dass die Mundart-Musik-Szene in Aachen mehr als lebendig ist. Mit „Hätsät“, „Os Modderesproech” und „Schwazz än Jeäl” pries er musikalisch die Schönheit der Heimatstadt. Dr. Manfred Birmans, Vorsitzender des Vereins Öcher Platt, amüsierte das Publikum mit seinem Vortrag von Hein Engelhardts Text „Vöörniehm ejße“.

Im von der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche gestalteten Block war das „Schabau-Lied“ von Paul Drießen ein besonderer Höhepunkt. Elfriede Schultz erklärte anhand von Hein Engelhardts Text „Sue fiert me en Oche“ typische Öcher Gewohnheiten. Gemeinsam zu singen, steht hoch im Kurs an diesem Abend: Mit eigens an jedem Platz ausgelegten Liedzetteln ausgestattet, sangen alle Mundartfreunde das Lied vom „Feschpüddelche än Tüürelüürelißje“.

Öcher Hot Dogs zum Wein

Wer nach dem offiziellen Teil nicht zu den Karnevalsfreunden ins Eurogress wechselte, erlebte einen stimmungsreichen Ausklang bei einem Glas Wein und Öcher Hot Dogs. Thomas Muckel, in diesem Jahr noch als Till Eulenspiegel im Hofstaat des Prinzen Mike I. unterwegs, übernimmt die Moderation ab dem nächsten Jahr, wenn der Thouet-Preis erneut am 6. Januar verliehen wird und „tout Oche“ dabei ist.

08.01.2018 / Aachener Nachrichten - Stadt / Seite 23 / Lokales