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Ist die Eifel mit Gewerbeflächen langfristig gut bedient?

Immobilienunternehmer sieht vorerst keinen Bedarf, weiteres Grünland zu beanspruchen. Zunächst Bestandsobjekte nutzen.

Roetgen. Wie steht es um die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen in Roetgen? Einmal heißt es, dass sich ohne ein neues Gewerbegebiet die 8000-Einwohner-Kommune wirtschaftlich nicht mehr weiter entwickeln kann, andererseits ist zu hören, dass innerorts ausreichend Flächen vorhanden sind, um den Bedarf zu decken.

Diese Frage erneut ins Rollen brachte kürzlich ein Unternehmer aus Roetgen, dessen Lagerkapazitäten regelrecht bis unters Dach ausgereizt sind und dessen Bemühungen, in Roetgen mehr Platz für sein aufstrebendes kleines Unternehmen zu finden, bislang vergeblich waren.

Auch die Gemeindeverwaltung hatte in diesem Zusammenhang bestätigt, dass es in der Tat für Unternehmen mehr als eng wird, wenn sie Gewerbeflächen in Roetgen suchen.

Dieser Auffassung widerspricht allerdings jetzt Stefan Schepers, geschäftsführender Gesellschafter der bonafide Immobilien GmbH Monschau, der behauptet: „Entgegen den Angaben aus der Gemeindeverwaltung in Roetgen gibt es in Roetgen ausreichend Gewerbeflächen.“ Schepers macht Werbung in eigener Sache: „Wir haben für jeden Gewerbetreibenden etwas.“ Die Erschließung von bisher genutzten Grundstücken zur Gewinnung von Gewerbeland sei nur in Ausnahmefällen erforderlich. Alleine sein Unternehmen verfüge derzeit über sofort vermietbare Flächen in Hallen und Gewerberäumen von insgesamt über 5000 Quadratmeter Fläche. Dabei variierten die möglichen Betriebsgrößen von 70 bis zu 2500 Quadratmeter. Hinzu kämen zahlreiche sofort verfügbare Flächen in Lammersdorf und Rollesbroich von zusammen weiteren 20 000 Quadratmetern. So gut wie alle Nachfragen nach Gewerbeflächen könnten somit auch problemlos bedient werden. Bei allen Flächen handele es sich um Bestandsflächen, deren (Um-) Nutzung „die weitere Zersiedelung der Landschaft und die Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen unnötig macht“.

Dass die Gemeindeverwaltung Roetgen zu einer anderen Auffassung kommt, ist für Schepers gut nachvollziehbar, liefen beim Bauamt ausschließlich Anfragen zum Erwerb von Neuland ein. Neue Gewerbeflächen seien in der Tat knapp. Es gebe aber zahlreiche Bestandsobjekte in Roetgen und auch in den Nachbarkommunen, die leer stehen würden. Dies könne man als Immobilienunternehmen vor Ort sehr gut beurteilen. Schepers: „Solange Bestandsobjekte in gute Qualität vorhanden sind, macht es keinen Sinn, neue Gewerbegebiete in Roetgen zu erschließen, es sei denn, man will öffentliches Geld verschwenden.“

Nicht nur der Landesentwicklungsplan NRW, sondern vor allem auch das Baugesetzbuch zwinge die Kommunen zunächst einmal dazu, Bestandsflächen sinnvoll zu nutzen und dabei auch mit benachbarten Kommunen zusammenzuarbeiten, bevor man Grünland beanspruche. Stefan Schepers: „Die Kommunen sind dabei verpflichtet, über ihren Tellerrand, sprich die Gemeindegrenze, hinauszuschauen, Gewerbesteuereinkünfte hin oder her.“

„Kein Mangel in Roetgen“

Betrachte man alle vorhandenen Gewerbeflächen in den drei Eifelkommunen Monschau, Simmerath und Roetgen zusammen, „so dürfte die Erschließung von neuen Gewerbeflächen im Grünlandbereich in den nächsten zehn Jahren unnötig sein“, ist Schepers überzeugt, dessen Unternehmen seit rund 40 Jahren in der Immobilienbranche tätig ist. „Tatsächlich“ sei es so, dass es derzeit auch in Roetgen „keinen Mangel an Gewerbeflächen gibt“. Ausgenommen seien hiervon Betriebe mit einem erhöhten Platzbedarf von über 4000 Quadratmetern. Für diese, allerdings recht selten benötigten Betriebsgrößen, räumt Schepers ein, stehe tatsächlich zurzeit keine Fläche zur Verfügung. (P. St.)

„Die Kommunen sind verpflichtet, über ihren Tellerrand, sprich die Gemeindegrenze, hinauszuschauen.“

Stefan Schepers,
Immobilien-Kaufmann

10.06.2015 / Eifeler Zeitung / Seite 13 / Lokaltitel Eifel