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Auf die E-Scooter folgen die E-Roller

Eine Denkfabrik des Digital Hub forciert den Start des E-Roller-Sharings. Im Sommer könnte es losgehen.

Aachen In Köln sind sie schon unterwegs, in Düsseldorf ebenso. Und auch in Aachen soll man sie demnächst ruckzuck per App ausleihen können, um auf elektrisch betriebenen Reifen durch die Stadt zu düsen ... Die Rede ist nicht etwa von E-Scootern. Die Reifen, die Sven Pietsch und seine Kollegin Hannah Ossenberg von Innoloft auf Aachens Straßen bringen wollen, sind ein gutes Stück größer. Die zwei Projektmanager sind zurzeit dabei, ein „free floating E-Roller-Sharing“ zu etablieren. Das Prinzip gleicht dem Verleih der Tretroller, wie sie Voi und Tier in Aachen anbieten: Per App sollen die Aachener E-Motorroller ausleihen, von A nach B fahren und das Zweirad dann an beliebiger Stelle wieder abstellen. Gezahlt wird nur für den Zeitraum, in dem man das Fahrzeug nutzt. Keine monatliche Grundgebühr, keine zusätzliche Versicherung.

Schon jetzt gibt es in Aachen ein breites Angebot an Verleihfahrzeugen. Neben den E-Scootern von Voi und Tier warten Velocity mit E-Bikes und Cambio Carsharing mit Autos (elektrisch betrieben und mit Verbrennungsmotor) auf. Sven Pietsch, Innoloft-Geschäftsführer und Leiter der Digital-Hub-Denkfabrik Thinktank Smart City, sieht dennoch Bedarf für einen weiteren Baustein im Mobilitätsmix: „Morgens und nachmittags staut es sich vor allem auf den Ringen. Wir müssen deshalb die Anzahl der Autos reduzieren.“ Und das gehe auf längeren Strecken mit dem Moped besser als mit dem Tretroller. In Konkurrenz zu Velocity wolle man die E-Roller indes nicht sehen. Man verstehe sich als Ergänzung.

Einzigartige Finanzierung

Damit dieser zusätzliche Baustein nach Möglichkeit schon im Sommer zum Einsatz kommt, hoffen Pietsch und Ossenberg noch auf etwas Unterstützung. Denn während Innoloft in anderen Städten vergleichbare E-Roller-Verleihsysteme bereits aufgebaut hat, geht man in Aachen laut Pietsch einen deutschlandweit einzigartigen Weg. Nicht nur ein einzelner Anbieter, wie zum Beispiel in Oberhausen der Energieversorger, soll den kompletten Fuhrpark stellen. Stattdessen setzen die Projektleiter auf das sogenannte BusinessCrowdfunding.

Heißt: Aachener Unternehmen finanzieren einen halben, einen ganzen oder gleich mehrere Roller. Im Gegenzug wird nicht nur das firmeneigene Logo auf dem Roller abgebildet. Potenzielle Gewinne fließen nach Abzug der Betriebskosten der Aachener Investorengemeinschaft zu. Die beteiligten Unternehmen könnten dann selbst entscheiden, ob sie den Gewinn ausgezahlt bekommen möchten, neue Roller davon kaufen oder in nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte investieren wollen, erläutert Pietsch. So oder so: „Das Geld fließt nach Aachen zurück.“

Für die Finanzierung von 20 E-Rollern habe man bereits Zusagen von namhaften Aachener Unternehmen erhalten, sagt Pietsch. Ab einer Flotte von 36 Fahrzeugen könne man das Sharing starten. Langfristig sollen es etwa 150 werden.

Zwei unterschiedliche Helme

Fahren kann diese jeder mit einem gültigen Führerschein der Klasse M oder B. Das werde bei der Anmeldung auch digital geprüft, betont Pietsch. Im Gegensatz zu den Leih-E-Scootern und den Leih-
E-Bikes seien die elektrisch betriebenen Roller darauf ausgerichtet, dass man auch zu zweit mit ihnen fahren kann. „In jedem Helmfach gibt es zwei Helme in unterschiedlichen Größen“, sagt Ossenberg. So sollte zumindest einer passen. Denn Helmpflicht besteht bei den E-Rollern – ebenfalls im Gegensatz zu den E-Scootern – auf jeden Fall.

Auch die Stadt Aachen unterstützt das Vorhaben, zumindest ideell. „Es ist unser Ziel, den Verkehr in unserer Stadt langfristig nachhaltig und umweltfreundlich zu gestalten. Daher begrüßen wir die Initiative des Digital Hub zum Aufbau des E-Roller-Sharings ausdrücklich“, teilt Oberbürgermeister Marcel Philipp mit.

Info

Eine Reichweite von
rund 120 Kilometern

Die E-Roller des geplanten Verleih-Systems haben laut Sven
Pietsch, Geschäftsführer von Innoloft, eine Reichweite von etwa 120 Kilometern und verfügen über jeweils zwei Batterien. Diese sollen etwa alle drei Tage vor Ort ausgetauscht werden. Die maximale Geschwindigkeit, die mit den Rollern erreicht werden kann, liegt bei 45 Kilometern pro Stunde. Das Mindestalter für die Nutzung beträgt 18 Jahre. Eine Minute Fahrtzeit soll nach offiziellen Angaben voraussichtlich etwa 23 Cent kosten.

05.02.2020 / Aachener Zeitung - Stadt / Seite 15 / AACHEN