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Spuren der Kriege in der Region

Buch von Alexander Barth : Faszinierende Entdeckungen im Dreiländereck

Aachen. Als am 17. August 1943 in Lontzen ein amerikanischer B17-Bomber abstürzte, starben sechs Soldaten. Ein kleines Mahnmal erinnert seit 2006 daran. Fedor Hanrutenko und Mitro Dobrowolski waren russische Zwangsarbeiter – zwei von Tausenden. Schlichte Steine auf dem Aachener Westfriedhof tragen ihre Namen.

Den Aachener Buchautor Alexander Barth, im Hauptberuf Redakteur unserer Zeitung, haben diese Spuren am Wegesrand nicht ruhen lassen. Es war ihm zu wenig, zu unwürdig, zu vergessen. „Unorte“ hat er sein neues Buch genannt, einen außergewöhnlichen Reiseführer zu 50 Spuren des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Dreiländereck zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht. „Über den Titel haben wir heiß diskutiert, aber das Wort, das man im Duden nicht findet, trifft den Inhalt genau“, meint Guido Bertemes, Geschäftsführer im Grenz-Echo-Verlag bei der Buchpräsentation gestern in Aachen.

Auf 128 Seiten inklusive Karte führt Barth, der zusammen mit der Designerin Jenny Roder auch für Fotos gesorgt hat, den Leser kreuz und quer durch ein Gebiet, das zwar überschaubar ist, bei dem allerdings die Dichte der noch vorhandenen Kriegsspuren erschüttert. „Hürtgenwald und Ardennen sind Regionen, die in den USA weit bekannter sind als in Deutschland“, berichtet Barth von seinen Recherchen. Neben liebevoll gepflegten privaten Gedenkstätten – etwa dem „Remember-Museum“ des Ehepaars Marcel und Mathilde Schmetz in Thimister-Clermont oder dem monströsen 69 Tonnen schweren deutschen Panzer vor dem Museum „Dezember 44“ in La Gleize-Stoumont – sind es häufig unscheinbare Dinge, die den Autor fasziniert haben. „Manchmal findet man sogar winzige Gedenktafeln auf Knöchelhöhe an einer Brücke“, erzählt Barth. Was ihn besonders beeindruckte, waren unerwartete Entdeckungen – Luftschutzgitter in Aachens Innenstadt, die bedrückende Atmosphäre der Bunker oder der „Einmannbunker für Eisenbahner“ am Grünen Weg in Aachen: 15 Zentimeter Beton gegen Bombensplitter. „Wenn bei Einzelschicksalen das Grauen der Kriege plötzlich ganz nah rückt, ist das für mich besonders anrührend“, sagt Barth.

Alexander Barth: Unorte. 128 Seiten, Grenz-Echo Verlag, 15 Euro.

16.03.2017 / Aachener Nachrichten - Stadt / Seite 9 / Region und NRW