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Christian Lindner drückt im Regen aufs Tempo

In nicht einmal 25 Minuten handelt der FDP-Bundesvorsitzende die liberalen Wahlkampfthemen Bürokratieabbau, Digitalisierung der Bildungspolitik, Stau, innere Sicherheit und Polizei ab. 400 Menschen hören ihm auf dem Markt zu.

Aachen. Das letzte Mal, als Christian Lindner auf dem Aachener Markt war, war wesentlich mehr los als gestern. Denn als Gast der Prinzengarde der Stadt Aachen erlebte der FDP-Bundesvorsitzende am 27. Februar den Aachener Rosenmontagszug mit, den sich bekanntlich Hunderttausende anschauen. Beim Landtagswahlkampf der Aachener FDP waren es am frühen Dienstagabend nicht ganz so viele.

Doch zufrieden können die Liberalen trotzdem sein. Immerhin rund 400 Menschen hatte der 38-jährige Hoffnungsträger der FDP für die Landtagswahl am 14. Mai angelockt – darunter auffallend viele junge Leute.

So sieht dann also der Schulz-Effekt aus, den der Aachener Landtagskandidat Peter Blum schon vor Wochen bei der FDP ausgemacht hatte. „Viele denken wieder darüber nach, ob und warum es sinnvoll ist, sich in der Politik zu engagieren“ – aber eben nicht automatisch in der SPD, hatte der 66-Jährige festgestellt. Und die Rede, die Lindner jüngst an der RWTH gehalten habe, sei eingeschlagen wie eine Bombe. Seither, schlussfolgerte Blum, hätten sich viele junge Menschen dafür entschieden, zur FDP zu gehen.

Doch die mussten sich auf dem Markt erstmal gedulden, denn Christian Lindner ließ auf sich warten. Erst knapp 45 Minuten, die die Liberalen mit Auftritten des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Düsseldorfer Landtag, Joachim Stamp, sowie einer Vorstellungsrunde der vier Aachener Landtagskandidaten für Stadt und Städteregion, Peter Blum, Claudia Cormann, Werner Pfeil und Anke Göbbels, überbrückten, nach Beginn erreichte der 38-Jährige den Markt. Und prompt verdüsterte sich der Öcher Himmel. Hatte zuvor sogar noch die Sonne geschienen, regnete es jetzt in Strömen.

„Wir können das Wetter leider nicht ändern“, begann Lindner seine Rede, „aber die Politik“. Gerne würde er mit seinen Zuhörern gemeinsam nass werden, sagte er mit Blick nach oben, „aber die Bühne ist hier leider überdacht.“

Dennoch nahm Lindner Rücksicht auf die typisch Aachener Rahmenbedingungen und legte ein gehöriges Redetempo an den Tag. In nicht einmal 25 Minuten arbeitete er die liberalen Wahlkampfthemen Bürokratieabbau, Digitalisierung der Bildungspolitik, Stau, Innere Sicherheit und Polizei ab, um schließlich mit einem Kompliment an das tapfer ausharrende Publikum zu enden: „Sie haben in diesem kalten und unangenehmen Regen ausreichende Steherqualitäten bewiesen, um in die FDP aufgenommen zu werden.“

Sprach’s und verabschiedete sich: „Kommen Sie gut nach Hause und wärmen Sie sich auf!“

03.05.2017 / Aachener Nachrichten - Stadt / Seite 19 / Lokales