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Einzige schuldenfreie Kommune im Kreis

Millionen-Investitionen in Schulen, Kitas, Feuerwehr und neue Wohngebiete prägen die zu Ende gehende Wahlperiode

Niederzier Es ist ein Attribut, mit dem sich in ganz NRW nur noch ganz wenige Kommunen schmücken dürfen, im Kreis Düren keine andere: schuldenfrei. Bereits 2008 hat die Gemeinde Niederzier ihre letzten Kredite zurückgezahlt und seitdem trotz der schwankenden und zuletzt nur noch spärlich fließenden Gewerbesteuer aus dem Tagebau Hambach keine neuen mehr aufgenommen. Im Gegenteil: Mit Rücklagen von mehr als 57 Millionen Euro ist die Gemeinde nicht nur auf eine etwaige Gewerbesteuerrückforderung, sondern auch auf den Strukturwandel bestens vorbereitet, ohne dass in den vergangenen fünf Jahren ein drastischer Sparkurs hätte eingeschlagen werden müssen. Die Gemeinde hat unter der Ägide des scheidenden Bürgermeisters Hermann Heuser (SPD) vielmehr Millionen investiert, in die Schulen und Kindergärten, in neue Flüchtlingsunterkünfte, vor allem aber in neue Baugebiete. Highlight in den vergangenen Jahren war sicherlich die Entwicklung des Weiherhof-Quartiers mit 39 Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäusern, einem kleinen Park, Skateranlage und Mini-Fußballfeld, das die Neue Mitte zwischen Niederzier und Oberzier ergänzt und in diesen Wochen mit dem Bau der neuen Feuerwache für die Löschgruppen Niederzier und Oberzier sowie dem Bau weiterer Mehrfamilienhäuser abgerundet wird. Allein in diese Quartiersentwicklung flossen rund zehn Millionen Euro.

Aber auch in den übrigen Orten sind weitgehend einvernehmlich neue Wohngebiete entstanden, so dass es kaum überrascht, dass die Gemeinde Niederzier allen Unkenrufen der Vergangenheit zum Trotz weiter wächst. Ende 2019 lebten 14.599 Menschen in den sieben Orten, gut 500 mehr als noch im Jahr 2011. Nur in Huchem-Stammeln (Zehnthof-Quartier) gab es jüngst Differenzen.

Neben der guten Infrastruktur dürften auch die zuletzt nur moderat gestiegenen Steuersätze zur Attraktivität der Gemeinde beitragen, die sich im kreisweiten Vergleich vor allem bei der Grundsteuer B, die alle Haus- und Grundstücksbesitzer bezahlen müssen, im unteren Drittel bewegen. Zuletzt bewarben sich immer häufiger auch Familien aus dem Raum Köln um ein Baugrundstück.

Und auch auf den Strukturwandel ist die Gemeinde vorbereitet, zumindest hat sie mit der Beteiligung am Brainergy-Park auf der Merscher Höhe in Kooperation mit Jülich und Titz den Grundstein für neue Arbeitsplätze geschaffen. Die entstehen in den kommenden Monaten auch im Gewerbegebiet Rurbenden. Nach jahrelangem Kampf mit dem Grundstückseigentümer konnte die letzte große Freifläche vermarktet und mit der Firma AMG Haustechnik ein Investor gefunden werden, der am Ortsrand von Huchem-Stammeln 300 Arbeitsplätze entstehen lässt. Heuser sprach zuletzt von der „größten Ansiedlung eines Unternehmens im Kreis Düren seit Jahrzehnten“. Gleichzeitig laufen die Planungen für den neuen Flächennutzungsplan auf Hochtouren, weitere interkommunale Gewerbegebiete sind geplant.

In erneuerbare Energien investiert

Auch in puncto Klimawandel/erneuerbare Energien ist die Gemeinde Niederzier Vorreiter. In der Alt-Gemarkung Lich-Steinstraß hat sie sich 2017 mit 1,5 Millionen Euro an einem Windrad beteiligt, auf der ehemaligen Trasse der A4 bei Ellen in Kooperation mit RWE eine Solarautobahn errichtet. Solarmodule liefern dort seit Mitte 2017 etwa 700 000 Kilowattstunden Strom jährlich, genug für 210 Haushalte.

Zahlen & Fakten

Bislang absolute Mehrheit für die SPD

Die Kommunalwahl im Mai 2014 lieferte folgendes Ergebnis: SPD 53,92 Prozent/14 Sitze, CDU 34,44/9, Grüne 6,24/2 und FDP 2,24/0, Einzelbewerber Richard Vendt gewann seinen Wahlbezirk. Wahlbeteiligung lag: 57,4 Prozent.

Bei der Bürgermeisterwahl im November 2013 setzte sich Hermann Heuser (SPD) mit 81,15 Prozent gegen Peter Frohn (CDU) 19,85 Prozent durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,04 Prozent.

Wahlberechtigt am 13. September sind in der Gemeinde Niederzier 11.982 Wähler.

29.08.2020 / Dürener Zeitung / Seite 17 / LOKALES