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Liebe für die Eigenarten des Heimatdorfes

Im Birgdener Ortskern erinnern 32 Fotos an Hauswänden daran, was an der jeweiligen Stelle einmal gestanden hat

Gangelt-Birgden Gehofft hatten die Mitglieder des Geschichtskreises Birgden schon auf einen Erfolg ihrer neusten Aktion. Dass es so gut gelaufen ist, dass die Resonanz durchweg positiv ausfällt und dass plötzlich immer mehr Leute mitmachen wollen, zeigt, dass es heute wichtiger denn je ist, die Historie eines Ortes wach zu halten, sie für die Nachwelt zu konservieren. Für den Vorsitzenden des Geschichtskreises Wolfgang Heinrichs ist dieser Erfolg wieder ein Indiz dafür, wie wichtig die Arbeit der Chronisten ist.

Zu den Bildern an den Hauswänden, die vor Ort nur mit kurzen Erläuterungen versehen sind, gibt es eine Broschüre, die die Reproduktionen und umfangreiche Erläuterungen enthält. Der Fotograf Walter Scheufen und der Birgdener Geschichtskenner Paul Vallen waren hier federführend. Man findet in dem Heft auch einen detaillierten und farbigen Lageplan der Bilder

Damit ist diese Aktion aber noch nicht zu Ende. Man denkt darüber nach, fach- und sachkundige Führungen anzubieten. Ein erster Test ist mit Vereinsmitgliedern noch vor Weihnachten vorgesehen. „Klassentreffen oder die beliebten verkaufsoffenen Sonntage würden hier doch wunderbar passen“, meint Walter Scheufen, der auch eine Powerpoint-Präsentation erstellt hat. „Das wäre dann etwas für die Vereine, die mehr über die Historie erfahren möchten“, schlägt Paul Vallen vor. Er hat auch die beiden Hochwasser miterlebt, die den Großen Pley 1940 und 1947 heimgesucht haben. Die beiden Fotos dazu hängen an einem der Heinrichs-Häuser am Pley.

Die Broschüre der historischen Ortsansichten ist schon das dritte Werk des Geschichtskreises. In der ersten Veröffentlichung beschäftigte man sich mit den Kapellen und Wegkreuzen, eine weitere war Handel, Handwerk und Gewerbe gewidmet. „Jetzt haben wir aber erst einmal ein kleines Jubiläum zu feiern“, freut sich Wolfgang Heinrichs über das zehnjährige Bestehen der Gruppe.

„Zweck des Vereins ist es, insbesondere die Geschichte Birgdens in all seinen Facetten zu erforschen und zu dokumentieren, diese zu bewahren, fortzuschreiben und möglichst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Aus der Satzung des Birgdener Geschichtskreises

Die Gründungsidee von Hans-Josef Jöken, Anneliese Roßkamp und Richard Kehmer war 2008 aus der Sorge geboren, dass historische Daten, Fakten, Geschichten und Bilder für spätere Generationen verloren gehen könnten. So lautet Paragraph zwei der Satzung: „Zweck des Vereins ist es, insbesondere die Geschichte Birgdens in all seinen Facetten zu erforschen und zu dokumentieren, diese zu bewahren, fortzuschreiben und möglichst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierdurch soll Verständnis und Liebe für die Eigenart unseres Heimatdorfes geweckt und gefördert werden ...“.

Der erste Vorstand setzte sich zusammen aus Wolfgang Heinrichs, Richard Kehmer, Anneliese Roßkamp und Brigitte Kehmer. Der frühe Tod einiger Mitglieder traf die Gruppe hart. Marlies Krückel, Hedi Schieffer und Günter Jansen rückten in den Vorstand nach.

Im großen Birgdener Vereinsgefüge etabliert, kann der junge Verein in der Zeit seines Bestehens auf viele erfolgreiche Veranstaltungen und Aktionen verweisen. Fahrten zum ehemaligen Internierungslager Vught, das heute ein Nationalmuseum ist, zur Burg Vogelsang und zum Jugendstil-Wasserkraftwerk in Heimbach, zum Charlemagne in Aachen, eine Stadtführung in Sittard, Ausstelllungen zu Themen wie „Kriegstote aus Birgden von Napoleon bis zum 2. Weltkrieg“, „Schule in Birgden“, „Wegekreuze und Kapellen“ und „Birgden in alten Ansichten im Vergleich zu heute“ sind nur einige Beispiele. Mundartnachmittage unter dem Motto „Platt am Pley“ sowie eine vielbeachtete Ausstellung von Birgdener Hobbykünstlern gehörten ebenso zum Programm wie eine Veranstaltung zum Thema „Auswanderer aus Birgden nach Amerika im auslaufenden 19. Jahrhundert“ oder ein Besuch der Ausgrabungen einer „Römer-Villa“ am Niggelsmaar zwischen Birgden und Pütt. Verschiedene Wegekreuze in Birgden wurden durch den Verein oder einzelne Vereinsmitglieder restauriert, repariert oder angestrichen. Das Pils-Kreuz wurde mit Unterstützung Birgdener Unternehmer in Vereinsregie komplett neugestaltet, das Schaps-Kreuz gemeinsam mit den Schützen wieder aufgebaut und das Ehrenmal auf dem Friedhof von einem Vereinsmitglied mit seiner Ehefrau gereinigt und lesbar gemacht.

„Bei all dem haben wir immer wieder großzügige Unterstützung der Bevölkerung, der Geschäftsleute, der Banken und überregionalen Unternehmen erfahren. Ohne deren Hilfe wäre unsere Arbeit nicht möglich“, fasst Wolfgang Heinrichs sehr zufrieden zusammen. An weiteren Fotos sind sie trotzdem interessiert.

26.11.2018 / Geilenkirchener Zeitung / Seite 23 / LOKALES