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Von der Burg zum Schloss zum Kloster

Buchvorstellung zum Klosterjubiläum. Dr. Alexander Holz beleuchtet die Geschichte von Haus Overbach.

Barmen „Overbach hatte eine bewegte Geschichte, von der Burg zum Schloss zum Kloster“. Schicksale und Charaktere, die diese Entwicklung prägten, hat Dr. Alexander Holz in seinem Buch „Vom Schloss zum Kloster – Die Geschichte des Hauses Overbach in den Jahren von 1789 bis 1918“ festgehalten.

Anlass der Buchvorstellung im St. Franz Sales-Hof waren die Hundertjahresfeierlichkeiten zum Klosterjubiläum Overbach. Marco Maria Emunds, Vorsitzender der Fachschaft Geschichte, stellte Holz als „Bärmer und Overbacher vor“, der in Germanistik promoviert hat. Zum Jubiläum hatte sich die Fachschaft überlegt, auch die Geschichte aus vorklösterlicher Zeit könnte für die Barmener Bevölkerung und die der Nachbarorte interessant sein.

„Im 18. Jahrhundert hatte Overbach noch ein ganz anderes Aussehen. Es handelt sich, wie Sie erkennen können, um eine typisch rheinische Wasserburg“, startete Holz seinen bebilderten Vortrag. Diesen Charakter verlor Overbach im Februar 1792, als Baron Reiner von Overschie die Burg kaufte und sie für seine Frau Theodora Wilhelmina van Hochsteden-Niederzier umbaute. Die Wehranlagen wurden abgetragen, die Gräben zugeschüttet, das zweigeschossige Herrenhaus mit Freitreppe, Mansardendach und Wappen im Giebel errichtet. Wasserläufe, romantische Brücken, von denen eine erhalten ist, prägten die barocke Parkanlage, die an Versailles erinnert.

Zur Wirtschaftsanlage zählten Treibhäuser und Obstgärten.

Die Arbeiten wurden durch französische Revolutionstruppen unterbrochen, die im Dezember 1792 in Barmen einrückten. Plünderungen prägten den Kriegsverlauf, hinzu kam die anti-aristokratische Ideologie der Revolution, verbunden mit Privilegienverlust und Kontributionen.

In Kellenberg etwa wurden Fenster und Interieur zerstört, der Pächter fiel unter 40 Prozent seiner Einnahmen zurück. Die einst so frankophilen Overschies entwickelten eine Abneigung gegen alles Französische.

In der sogenannten „Chaoszeit“ verlor Overschie seinen Adelstitel und musste sich sozial und wirtschaftlich neu aufstellen. Obwohl er von seiner Pacht leben musste, gelang das dank seiner hervorragenden Pächter „dennoch gut“. Overschie hatte keine Chance, seine anti-napoleonische Gesinnung zu demonstrieren. Ihm fehlte der Sohn, der an den Befreiungskriegen hätte teilnehmen können.

1804 wurden seine Neffen zu Erben eingesetzt. 1807 erblickte Tochter Joanna Franzisca das Tageslicht, im Barmener Land beliebt als „Jeanette“. Sie war bildschön, charakterstark, abergläubisch, liebte Blumen, Literatur und Malerei, aber „den falschen Mann“, nämlich den belgischen Unternehmer Theophil von Hompesch-Rurig. Der Tod Reiners von Overschie öffnet 1823 die Tür für diese Ehe.

Die große Hochzeitsfeier mit Jeanette im Schwanenkleid mit Orangenblütenkranz hat sich in den Barmener Geschichten erhalten. Sie galt als volksnah, hatte eine Affinität zu ärmeren Menschen, besonders Frauen. Sie wollte eine weibliche Arbeitsschule gründen und spendete der Barmener Arbeitsverwaltung 1844 dafür insgesamt 650 Taler, „damals eine gigantische Summe“.

Das Problem war, seit der Säkularisierung 1795 war nicht mehr der Pfarrer, sondern Bürgermeister Peters Kopf der Armenverwaltung. Er benötigte das Geld für sein Schulprojekt, die Gemeindekasse war aufgrund seines übertriebenen Straßenbauprojektes leer.

Zur gleichen Zeit brach ein Weiderechtsstreit zwischen den Gemeinden Barmen und Merzenhausen aus. Theophil bezog Position gegen Merzenhausen. Er wurde als „Wohltäter der kleinen Leute“ gefeiert wie kein Aristokrat zuvor. Im Grunde wollte er Barmener Gemeindegebiet kaufen, er instrumentalisierte die Gemeinde für seine politische Karriere. Unter vielem anderen bewarb er den Bau eines Nicaragua-Kanals und verlor später sein Vermögen bei dem Versuch der Gründung einer belgischen Kolonie in Guatemala. Er starb im Schuldgefängnis.

Wisbecques, der Hauptwohnsitz der Overschies, musste versteigert werden. Jeanettes „ungeliebte, nasse, kalte Burg“ Overbach wurde als solcher ausgebaut.

1859 verstarb Jeanette mit nur 51 Jahren an gebrochenem Herzen auf Overbach und wurde in der Familiengruft auf dem Barmener Friedhof beigesetzt. Ihre Erbin wurde Maria Luise von Hompesch, geboren 1828. Sie heiratete den „sehr preußischen streitbaren Geist“, den Freiherrrn Major Ludolf von Wenge-Wulfen. Sie jedoch war eine große Wohltäterin der Gemeinde und verwirklichte 1861 den Traum Jeanettes von der weiblichen Arbeitsschule unter der Trägerschaft der „Armen Dienstmägde Christi“. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Das Erbe trat Graf Paul von Wolff-Metternich an, der aber „kein Interesse“ hegte. Er verkaufte Äcker und Wiesen an die Landwirte, den Herrensitz an Hoensbroech. Graf Lothar von und zu Hoensbroech hatte „ebenfalls keine tieferen Pläne mit Overbach“ und ließ den Park abholzen. Der Verkauf an die Salesianer erfolgte am 16. November 1918, nämlich an Peter Franz Xaver Bogenberger zur Gründung einer Missionsanstalt. Hier schließt sich der Kreis: Die französische Besatzung „suchte Overbach mit besonderer Rücksichtslosigkeit und Gewalt heim“. (ptj)

Im Buchhandel

Haus Overbach: „Vom Schloss zur Kirche“

Das Buch „Vom Schloss zum Kloster – Die Geschichte des Hauses Overbach in den Jahren von 1789 bis 1918“ ist bei Fischer in Jülich erhältlich wie auch der neue Titel von Dr. Alexander Holz „Aufbruch in die Moderne – Die Geschichte der rheinischen Bürgermeisterei Barmen zwischen Revolution und Tradition (1789-1848)“.

23.10.2018 / Jülicher Nachrichten / Seite 14 / LOKALES