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Von der Dungstätte zur Dorfhalle

Symbol der Gemeinschaft: Vor 25 Jahren packte ganz Kelz beim Umbau des Gebäudes mit an. Interesse sinkt.

Kelz Ausgerechnet eine ehemalige Dungstätte eines landwirtschaftlichen Betriebs ist inzwischen ein Paradebeispiel für ehrenamtlichen Einsatz und dörflichen Zusammenhalt in Kelz. Daraus entstand vor 25 Jahren die heutige Dorfhalle, für die zahlreiche Bewohner die Ärmel hochkrempelten und mit anpackten. Inzwischen ist die Feierstätte des Ortes etwas in die Jahre gekommen und muss an manchen Stellen saniert werden. Dabei sollen das Jubiläum und die Dorfkirmes finanziell helfen.

Der damalige Bürgermeister von Vettweiß und auch in zahlreichen Kelzer Ortsvereinen aktive Josef Kranz erinnert sich noch gut an die Arbeiten, die die Dorfgemeinschaft zusammenschweißte: „Der Wunsch der Menschen nach einem zentralen Veranstaltungsort war groß.“ Dies führte schließlich zu der Initiative, die Dungstätte des Wirtzhofes umzubauen. Der Eigentümer konnte sich damals schnell mit der Idee anfreunden, zumal die Vereine nur ein temporäres Nutzungsrecht wünschten. Bis heute wird die Halle im ganzen Jahr als Garage und Stellplatz genutzt, lediglich bei Festen wird sie leer geräumt.

Innerhalb von wenigen Monaten und über 5000 Arbeitsstunden von etwa 80 Helfern war der Bau fertig. In dieser Zeit wurde der Boden in Beton gegossen. „Die Menschen sind mit Schubkarren in die Halle gefahren, der Betonmischer stand auf dem Innenhof“, schildert der heutige Ortsvorsteher Günter Jäger. Von der Dungstätte und dem Boxenstall blieb letztlich nur die Außenmauer stehen. Auch der Dachstuhl musste erneuert werden. Eine Studie der RWTH Aachen, die ebenfalls einen Umbau der Dungstätte vorschlug, half den Vereinen, die Arbeiten auch finanziell zu schaffen. Die Platten für den Holzboden wurden symbolisch an Bürger verkauft – für 100 D-Mark konnte man eine erwerben.

Von der Euphorie dieses Baus ist ein Vierteljahrhundert kaum noch etwas zu spüren. Das Interesse der Menschen hat sogar so weit nachgelassen, dass manches Dorffest gefährdet ist. Es bedarf schließlich immer noch fleißiger Helfer, das Gebäude für Feiern herzurichten. Der Holzboden muss stets neu verlegt und anschließend wieder abgebaut werden. Eigentlich ist der Spielverein Ausrichter der Herbstkirmes, zum Jubiläum der Dorfhalle sitzen jedoch alle Ortsvereine mit im Boot. Sie richten sich in einem eindringlichen Appell an die Menschen: „Wenn Ihnen etwas am dörflichen Leben in Kelz gelegen ist, sollten Sie das den Aktivposten im Dorf durch Ihre Anwesenheit an den Festtagen auch zeigen“, teilt Josef Kranz in einem Rundschreiben der Vereine mit. Am Besuch der Bürger entscheide sich, wie es mit der Kirmes in den kommenden Jahren weitergehe.

„Ein solches Projekt ließe sich heute wahrscheinlich nicht mehr umsetzen.“

Josef Kranz, ehemaliger Vettweißer Bürgermeister

In diesem Jahr soll das traditionelle Fest einen weiteren Zweck erfüllen: Der Erlös der Kirmes soll für die Sanierung der Festhalle genutzt werden. „Boden, Dachstuhl und Elektrik müssen zum Teil erneuert werden“, sagt der Spielvereins-Vorsitzende Thomas Vlatten. Die Vereine hoffen auch auf Spenden, um die Halle aufzufrischen.

Dass wie vor 25 Jahren wieder viele Dorfbewohner mit anpacken, um die Arbeiten zu erledigen, wagt von den Verantwortlichen hingegen niemand zu hoffen: „Ein solches Projekt ließe sich heute wahrscheinlich nicht mehr umsetzen“, meint Kranz. Als Gründe nennt er nicht nur die Vielzahl von Angeboten, sondern auch die Veränderungen der Arbeitswelt. „Wir haben vor 25 Jahren das Glück gehabt, auf eine große Zahl Rentner setzen zu können“, sagt er. Günter Jäger ergänzt: „Es dürfte heute auch schwer werden, ehrenamtlich helfende Handwerker zu finden – diese Berufe findet man im Ort kaum noch.“

Ein grundsätzliches Interesse am Vereinsleben will man den Menschen nicht absprechen. Einige Veranstaltungen wie der Karneval locken immer noch viele Menschen in die Dorfhalle. „Andere Feste tun sich schwerer – diesen Trend kann man allerdings auch in anderen Orten verfolgen“, berichtet Kranz. Zunächst hofft man auf ein gut besuchtes Jubiläum. Am 20. und 22. September soll an den Umbau der Halle erinnert werden, der ein Symbol einer funktionierenden Dorfgemeinschaft ist.

Das Festwochenende

Große Tanzparty und Jahrmarkt-Spiele

Die Kirmes in Kelz steht am 20. und 22. September ganz im Zeichen der der Dorfhalle und erinnert an die Umbaumaßnahmen vor 25 Jahren. Die Tanzparty am Freitag, 20. September, eröffnet den Festreigen. Es spielt die Band Double UU.

Der Sonntag, 22. September, beginnt mit der Gefallenenehrung am Ehrenmal um 10.15 Uhr. Die weiteren Programmpunkte: 10.30 Uhr Heilige Messe in St. Michael, 11.15 UIhr Frühstück (nach Anmeldung), 13.30 Uhr „7-Schröm“-Turnier, 14 Uhr Jahrmarkt-Spiele für Kinder, 17 Uhr Dämmerschoppen und Ausklang.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen in der Dorfhalle ist frei.

11.09.2019 / Dürener Zeitung / Seite 17 / LOKALES