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DAS THEMA: DER TAG DER INTEGRATION

Ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz

Der Tag der Integration feiert zehnten Geburtstag und viele Besucher feiern mit. Die Saalwette mit 130 Geburtstagskindern glückt am Nachmittag.

Aachen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, dass Menschen aus 160 Nationen in Aachen leben. Zum zehnten Mal gab der Tag der Integration am Sonntag einen lebendigen Einblick in die Vielfalt der Kulturen in der Stadt. Die Gemeinschaftsveranstaltung von Aachenern für Aachener wird von Stadt und Bistum getragen und mit rund 200 Institutionen und Vereinen im Eurogress auf die Beine gestellt.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Ulla Schmidt, machte bei der Eröffnung auf der Bühne im Europasaal deutlich, wie wichtig das Thema Integration gerade in gesellschaftlich und politisch nicht einfachen Zeiten ist: „Gemeinsam setzen die Aachener mit dem Tag der Integration ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz – und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“. Auch Bürgermeister Norbert Plum lobte die Willkommenskultur in Aachen und würdigte das ehrenamtliche Engagement in der Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen. Der strahlenden Integrationsbeauftragten Heidemarie Ernst sah man an, dass der Tag für sie der schönste im ganzen Jahr sein muss.

Klangvolles „Happy Birthday“

Passend zum zehnten Geburtstag stimmte Sängerin Rebecca Flecken „Happy Birthday“ an. Nach der Verleihung des Integrationspreises war die multireligiöse Friedensfeier vom Dialog der Religionen ein weiterer, stimmungsvoller Höhepunkt. Musik, Gesang, folkloristische Tänze und Mitmachangebote ließen keine Sekunde Langeweile aufkommen.

Nicht nur auf den vielen Bühnen, sondern auch auf dem Teller spiegelte sich die lebendige Vielfalt wider. Kulinarik aus aller Welt lockte ins Obergeschoss. Bei der Aktion „Falten für den Frieden“ bastelten viele Kinder und Jugendliche mit Begeisterung Kraniche aus Papier als Symbol des friedlichen Miteinanders. „Alles hat super geklappt mit Aufbau und Vorbereitung. Die Gäste strömen. Sie erleben ein wunderbar vielseitiges Programm. Erfreulich viele Leute finden unaufhörlich den Weg ins Eurogress. Trotz Gluthitze im Freien. Ob sie alle wussten, dass es auch noch so herrlich klimatisiert ist im Kongresszentrum?“, zog Koordinator Thomas Hohenschue zur Halbzeit ein zufriedenes Zwischenfazit. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke lobte die Veranstaltung als Treffpunkt der vielen für die Integration Engagierten. „Friedliches Miteinander der Religionen und der Kulturen ist möglich, wenn man es will und sich anstrengt. Keiner hat das Recht den anderen wegen seines Glaubens oder seiner Kultur schlecht zu machen“, betonte Henke.

Zirkus zum Mitmachen

Angefangen hatte der Tag der Integration vor genau zehn Jahren im Geschwister-Scholl-Gymnasium. Im Jahr 2009 war das Bischöfliche Pius-Gymnasium der Gastgeber und seit 2011 hat man mit dem Eurogress ein perfektes Ambiente gefunden. Traditionell schlug der Zirkus Amany draußen sein Zelt auf und lud außerhalb der Vorstellungen zum Mitmachen ein. Eine Hüpfburg, Schminken und Ikebana rundete das Angebot für Familien ab. Auf einem Sofa konnten sich die jüngsten Besucher mit „Karl dem Kleinen“ und dem AKV-Maskottchen Barki fotografieren lassen. Im Brüsselsaal stand der Sport im Fokus. Der Förderpreis Integration durch Sport und vom Stadtsportbund organisierte Darbietungen von zeitgenössischem Tanz bis hin zu Kung Fu zogen auch hier viele Zuschauer an. Überall wurde es eng, wurden neue Kontakte geknüpft oder alte Bekannte getroffen.

Zum großen Finale forderte Mitorganisator Gerd Mertens den Verein Hand in Hand heraus. Er wettete, dass dieser es nicht schaffe, 100 Kinder, die im Jahr 2016 zehn Jahre alt geworden sind oder werden, auf die Bühne zu bringen. Der Verein als Hauptunterstützer des Tages der Integration gab sich alle Mühe – und gewann die Wette souverän. 130 Mädchen und Jungen strömten ins Eurogress und Gerd Mertens will als Wetteinsatz für einige ausgeloste Familien nun kochen. Thomas Hohenschue blickte am Ende in viele strahlende Gesichter, bei Besuchern wie bei Mitstreitern. Sein Resümee: „Die Mühen haben sich zum zehnten Mal gelohnt.“

Jede Menge Preisträger vom Stricktreff bis zum Tennisverein

Die Stadt Aachen und der Integrationsrat der Stadt Aachen verleihen den Aachener Integrationspreis an:

1. „Stricken gegen die Kälte“ und das „Erzählcafé“ aus der „Save me Kampagne“ von Amnesty International: Das Projekt „Stricken gegen die Kälte“ hat sich aus der Not der Flüchtlingsfrauen entwickelt, nichts für die Angehörigen in der Heimat tun zu können. Nun wird bei Treffen für Flüchtlinge gestrickt. Und weil man sich besser beim Stricken unterhalten kann, wünschten sich die Flüchtlingsfrauen, dass vor dem Strick-und Erzählcafé noch eine Stunde zusammen Deutsch gelernt wird.

2. „ Kunst mit Flüchtlingen“: Künstlerin Vera Sous arbeitet mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Entstanden sind ein Boot, die Fahnen in der Vorhalle des Doms und zuletzt das Projekt: „Ahoi 3“, die Küche der Kulturen im Ludwig Forum.

3. Internetplattform „Jutes Tun“, Projektleitung Robert Meyer, Tobias Burgholz, David Muschiol und Lotte Meyer. Hier können Sachspenden und Hilfsangebote angefragt werden und bereitwillige Helfer erfahren, wo ihre Sachspenden und Hilfe gebraucht werden.

4. „Schreibwerkstatt“ der Werkstatt der Kulturen. Seit 2012 treffen sich ausländische Frauen aus verschiedenen Kulturen. Dabei ist in zwei Jahren das Buch „Die fassungslose Brille“ entstanden. Die Geschichten in diesem Buch zeigen, wie viele Gesichter und Geschichten Integration hat.

Außerdem wurde am Tag der Integration der Förderpreis für Integrationsarbeit im Sport verliehen.

1. Preis: Deutsches Rotes Kreuz – Kreisverband Städteregion Aachen. 1500 Euro für das Projekt „Junge Migranten – Leben für Fitness und Gesundheit“. Dieses Gesundheitspräventionsprojekt hat das Ziel, Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund durch kostenlose Angebote für Sport und einen gesunden Lebensstil zu begeistern sowie im Stadtteil zu integrieren.

2. Preis: Offener Kinder- und Jugendtreff Space Walheim. 1000 Euro für das Projekt „Miteinander statt nebeneinander und Füreinander statt Gegeneinander“. Das Space ist ein beliebter Treffpunkt und bietet Kindern und Jugendlichen Projekte und Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung. Nach der Unterbringung von Flüchtlingen in der benachbarten Schule konnte das Space wertvolle Integrationsarbeit leisten.

3. Preis: Aix-la-Sports – Schwimmausbildung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 500 Euro für einen Schwimmtreff, den der Verein Aix-la-Sports für die Jugendlichen, die ihre Schwimmausbildung abgeschlossen haben und sich dennoch alleine zu unsicher fühlen, in die Schwimmhalle oder das Freibad zu gehen, eingerichtet hat.

4. Preis: Tennisverein Aachen-Vaalserquartier – spezielles Angebot für Flüchtlinge. 250 Euro für den Verein, der sich für jugendliche Flüchtlinge engagiert und sein Angebot nun auf Erwachsene ausgedehnt hat. Aktuell nutzen acht Jugendliche aus Syrien sowie acht Erwachsene aus Afghanistan und Irak die Chance, Tennis zu lernen. Alle Flüchtlinge haben den vollen Mitgliedsstatus und können beitragsfrei Tennis spielen.

„Erfreulich viele Leute finden unaufhörlich den Weg ins Eurogress. Trotz Gluthitze im Freien.“

Thomas Hohenschue, Koordinator

29.08.2016 / Aachener Nachrichten - Stadtausgabe / Seite 25 / Lokales