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Streik an der B56n: Bessere Radroute gefordert

Rob Maris macht seit gestern mit Schildern auf die verschlechterte Radinfrastruktur aufmerksam. Aktion geht bis Montag.

Düren Wo jetzt der Feldweg zwischen Düren und Girbelsrath auf beiden Seiten der B56n an Leitplanken endet, wünscht sich Rob Maris freie Fahrt für Radfahrer. Um auf die durchtrennte Radroute aufmerksam zu machen und sich für eine Lösung einzusetzen, ist der 58-Jährige gestern in den Streik getreten. Bis einschließlich Montag wird er nun täglich von 13 bis 16.30 Uhr an der Girbelsrather Straße hinter der Leitplanke Stellung beziehen und die Autofahrer auf der neuen Bundesstraße mit Schildern auf die Situation aufmerksam machen.

„Die B56n bedeutet eine Verschlechterung für den Radverkehr“, kritisiert Maris und findet das besonders vor dem Hintergrund verwerflich, dass der Bund bereits 2012 einen Radverkehrsanteil von 15 Prozent als Ziel für 2020 gesetzt hatte. „Davon sind wir noch weit entfernt.“

Während der Kreuzauer gestern mit seinem Schild an der Leitplanke im Nieselregen stand, bekam er Besuch vom Girbelsrather Jakob Berger. Der Pensionär fährt häufig und gern Rad, jeden Dienstag ist er mit sieben oder acht Freunden auf dem Rad unterwegs – aber nicht mehr über die Girbelsrather Straße, wie er erzürnt berichtet. Dabei sei diese Radroute für die Girbelsrather eine besonders wichtige gewesen. Jakob Berger ist deshalb extra vorbeigekommen, um Rob Maris seine Unterstützung zuzusagen. Warum die Radroute bei der Planung der B56n nicht mit bedacht wurde, ist ihm schleierhaft. „Das wäre doch in einem Aufwasch erledigt gewesen“, sagt er. Stattdessen nun weite und gefährliche Umwege in Kauf zu nehmen, stört ihn und seine Freunde sehr. „Wie sagt man so schön: Dat is ’n Hantier“, beschwert er sich. Dass sich Rob Maris nun vor Ort engagiert, findet er gut, sagt aber auch ehrlich: „Hoffnung haben wir nicht.“

Auch Maris selbst schätzt die Wahrscheinlichkeit, mit seinem Streik eine Verbesserung an der Girbelsrather Straße zu erreichen, als gering ein. Das ist aber auch nicht sein einziges Ziel. Mindestens genau so wichtig ist ihm, für die Verbesserung der Radinfrastruktur zu sensibilisieren. Er hofft, dass die Belange der Radfahrer bei zukünftigen Straßenbauprojekten oder solchen, die gerade im Planfeststellungsverfahren sind, besser bedacht werden.

Maris ist dieses Mal als Einzelkämpfer unterwegs, wird aber von der Initiative „Pro Rad“, in der er sich engagiert, ausdrücklich unterstützt. Tanja Malchow schreibt im Namen der Bürgerinitiative: „Wir würden uns freuen, wenn die Aufmerksamkeit, die Herr Maris mit dieser Aktion erhält, dazu führt, dass die Verantwortlichen nun endlich die Bereitschaft zeigen, mit ihm und uns gemeinsam befriedigende Lösungen für den Radverkehr zu suchen – und damit die Nachteile, die für Radfahrer durch den Bau der B56n entstanden sind, zumindest zu einem Teil zu beseitigen.“ An das zuständige NRW-Verkehrsministerium hat „Pro Rad“ schon im vergangenen Juli einen Brief geschrieben. Bisher gab es darauf aber keinerlei Reaktion. (asc)

10.01.2020 / Dürener Nachrichten / Seite 15 / LOKALES