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Pfarrer Stinkes tauft die B 56n „Geduldsfaden“

Südlicher Abschnitt der Ostumgehung offiziell eröffnet. 4,4 Kilometer langer Abschnitt kostet 13 Millionen Euro.

Düren „Gelbkappen“ nannte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) zwei Bürger in der Menge. Er meinte es aber kein bisschen despektierlich, sondern sprach ihnen Dank aus. Auf ihrer hellen Kopfbedeckung stand in schwarzen Lettern „B 56 n“ – denn der südliche Teilabschnitt wurde gestern an der Kreuzung zur Kölner Landstraße mit Dutzenden Teilnehmern offiziell eröffnet. „Schön, dass Sie auch heute wieder Flagge zeigen für dieses Projekt“, sagte Wüst. Die Bürgerinitiative hatte sich jahrelang für den Bau der Ortsumgehung zur Entlastung der Stadt eingesetzt. Der Verkehr auf der Ostumgehung aus Richtung Stockheimer Landstraße rollte zwar nicht in Mengen vorbei, aber er rollte. Ein wichtiges Zeichen, gerade für die emissionsgeplagte und von einem eventuellen Dieselfahrverbot bedrohte Stadt Düren. Die wichtigste Baumaßnahme seit Jahrzehnten in Düren soll diese Gefahr abwenden. Der freigegebene südliche Abschnitt mit 4,4 Kilometern Länge hat gut 13 Millionen Euro gekostet. Die gesamte B 56 n ist 6,6 Kilometer lang und wird in Summe rund
33 Millionen Euro kosten. Der zweite große Abschnitt von der Kreuzung Kölner Landstraße im Bogen Richtung Arnoldsweilerweg/B 56 alt soll bis spätestens 2021 fertiggestellt sein. Welchen Effekt die Ortsumgehung, die bereits in den 1980er Jahren insbesondere die Kommunalpolitik beschäftigt hatte, haben soll, zeigen folgende Zahlen: Die Verkehrsbelastung auf der innerstädtischen B 56 respektive Euskirchener und Schoellerstraße liegt für 2020 laut einer Prognose bei rund 30 000 Fahrzeugen – täglich. Der Anteil des Schwerlastverkehrs betrage davon rund zehn Prozent. Mit der neuen Straße soll der Pkw-Verkehr um die Hälfte sinken, der Lkw-Verkehr aus der Stadt ferngehalten werden. „Für die Bürger ist das auch eine Möglichkeit, sich wieder ein Stück Heimat in der Stadt zurückzuholen, wenn der Verkehr weniger wird“, betonte NRW-Verkehrsminister Wüst.

Wie es sich für eine offizielle Eröffnung einer neuen Straße gehört, sprach Ernst-Joachim Stinkes Gottes Segen aus. Im Vorfeld sagte der Pfarrer von St. Lukas, dass er der Straße auch gerne einen Namen geben würde – auch wenn es erst ein Abschnitt ist. „Den Teil, der jetzt eröffnet wird, würde ich gerne ,Geduldsfaden‘ taufen. Damit spreche ich wohl vielen aus der Seele“, betonte Stinkes in seiner gewohnt lockeren Art. „Die Sehnsucht nach dieser Straße war groß.“ Zum Ausgleich der Fläche, die für die Straßen in Anspruch genommen worden ist, sind sechs Hektar Ackerbrachen und Schonstreifen sowie 4,3 Hektar Extensivgrünland angelegt. Dort sollen sich die heimischen Tierarten ansiedeln. (cro)

Die Vorgeschichte

Planungen beginnen Ende der 1980er Jahre

Für die Ortsumgehung Düren hatten die Planungen Ende der 1980er Jahre begonnen. 2006 leitete die Bezirksregierung Köln das Planfeststellungsverfahren ein. Der Planfeststellungsbeschluss erfolgte im September 2010 – und wurde von einem Grundstücksbesitzer beklagt. Die Klage wurde im November 2013 zurückgenommen, seitdem bestand Baurecht. Wegen archäologischer Arbeiten im Bereich der Kreuzung zur Binsfelder Straße 2017 hat sich der Bau um gut ein Jahr verzögert.

27.07.2018 / Dürener Nachrichten / Seite 13 / Lokales Düren