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Musikunterricht mit Stradivari

Eine spannende Begegnung: Der weltbekannte Violinist Augustin Hadelich zu Gast bei den Schülern des Heilig-Geist-Gymnasiums in Broich. Er verrät dabei: „Lust aufs Üben habe ich ganz selten.“

Würselen. Am Abend zuvor spielte der weltbekannte Violinist Augustin Hadelich mit dem Symphonieorchester Aachen noch ein umjubeltes Konzert im Theater Aachen. Am Morgen danach sitzt der 32-Jährige ganz entspannt in der Schülerrunde der Q1 am Heilig-Geist-Gymnasium (HGG) in Broich. „Sein“ Instrument, das eigentlich eine seit sechs Jahren geliehene Stradivari aus dem Jahr 1723 ist, hält er dabei ein wenig wie ein Kind im Arm, und zupft hier und da beinahe ungeduldig an den Saiten.

Viele persönliche Seiten lässt er hingegen im Gespräch mit den Schülern durchblitzen. Sie haben ihn am Abend zuvor bei seinem Auftritt erleben dürfen, und dürfen nun dank des von Lars Vogt initiierten Musikvermittlungsprojekts „Rhapsody in School“ ganz nah dran sein am Musiker. „Lust aufs Üben habe ich ganz selten“, gab der offen zu, ohne jedoch zu verschweigen, dass ohne Übung auch das beste Talent weniger wert sei. Und Paganini, den sogenannten „Teufelsgeiger“, den andere nur eher als lästige Etüden sähen, den liebt er, genauso wie das Lösen kniffliger Aufgaben. „Eigentlich ist Geige spielen von der technischen Seite her nichts anderes, als ganz viele kleine Probleme zu lösen“, gab er zu. Dabei müsse man nur so vorgehen, dass große Aufgaben in viele kleinere Aufgaben unterteilt würden. Damit alleine ist es beim Konzert aber nicht getan, das weiß der mittlerweile in New York lebende Künstler nur zu gut. Denn selbst den besten Solisten passiere es einmal, dass sie irgendwann mal hängen bleiben, einen Takt aussetzen. Darum sei lernen, trotz der vielleicht weniger großen Lust zum Üben, unabdingbar, gab er den Schülern mit auf den Weg. Vergleiche, wie er ganze Stücke auswendig lernt, um sie dann in seiner von der internationalen Fachpresse gelobten „Schönheit“ im Spiel wiederzugeben, mit Leben zu füllen und zu interpretieren, fand er bei Gedichten.

„Das erste Gedicht auswendig zu lernen, ist ziemlich schwierig“, so Hadelich, „aber wenn man eine Gewohnheit daraus macht, das auswendig zu lernen, dann geht es gut“. Obwohl, das gab der 32-Jährige zu, ihm das Erlernen neuer Stücke mittlerweile mehr abverlange als noch vor zehn oder 20 Jahren. Sollte es einmal nicht gehen, kann er ja immer noch seinen geliebten Denksport oder das Spiel „Starcraft“ zum Ausgleich heranziehen, wenn denn bei gut 100 Konzerten pro Jahr noch genug Zeit bleibt.

Was bei den Schülern hängenblieb, war vor allem der sympathische Umgang mit dem Klassikstar, der sich unprätentiös, zugänglich und trotz seiner Begabung und seines Status von einer sehr persönlichen Seite zeigte. So war selbst ein gemeinsames Abschlussfoto mit Augustin Hadelich kein Problem, und das dürfte sicherlich bei manchem Schüler des HGG, wo es ja eine eigene Streicherklasse gibt, einen Ehrenplatz bekommen. (mabie)

11.05.2016 / Aachener Zeitung - Nordausgabe / Seite 20 / Lokales