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Jülicher Nachwuchs-Designerinnen

Bei einem Projekt am Mädchengymnasium geht es darum, gestalten zu lernen. Beispielsweise ein vielfältiges Europa.

Jülich. Ein bezauberndes Mädchengesicht mit Haaren in allen Regenbogenfarben und bunten Lettern, die eine einfache Wahrheit verlautbaren, zieren eine außergewöhnliche Postkarte. „Nur Farbe bringt Vielfalt in die graue Welt“ lautet die Unterschrift und ist damit bezeichnend für ein künstlerisches Projekt des Mädchengymnasiums Jülich (MGJ). Eine visuelle Interpretation des Europamottos „in varietate concordia – In Vielfalt geeint“ ist auf einer zertifizierten Europaschule und an einem „Ort der Vielfalt“, als welche die Herzogstadt 2009 ausgezeichnet wurde, fast schon eine Selbstverständlichkeit. Fast, denn die verschiedenen Ideen und ihre Umsetzung entstanden in einer freiwilligen außerunterrichtlichen Arbeitsgemeinschaft, die im Rahmen der vielen individuellen Förderangebote entwickelt wurde.

In Vielfalt geeint

Zu der Entstehungsgeschichte einer neuen Design-AG erzählt Schulleiterin Christiane Clemens: „Mit dem Jülicher „Fjell Design“- Büro arbeiten wir schon lange zusammen, so bleibt man im gegenseitigen Gespräch. In diesem Zusammenhang fiel uns auf, dass der Bereich Design im Kunstunterricht noch nicht explizit vermittelt wird, es ist aber gerade für Mädchen ein sehr reizvolles Feld“. Reizvoll war es auch für das Designerinnen-Duo Sunita Gupta und Pia von Ameln, die „Fjell Design“ sind, sich der neuen künstlerisch-pädagogischen Aufgabe zu stellen. Mit einem passend ausgearbeiteten Konzept, „Europa - In Vielfalt geeint“, erhielt das Projekt von Sunita Gupta und Pia von Ameln eine finanzielle Förderung aus dem NRW-Landesprogramm „Kultur und Schule“. Auch der wichtigste Aspekt dieses Vorhabens, das entsprechende Interesse der Schülerinnen am grafischen Design und dem Leitthema selbst zu wecken, wurde mit einer großen Teilnehmeranzahl erreicht. Als Ziel des Projektes wurde eine intellektuelle und gestalterische Auseinandersetzung mit dem Alleinstellungsmerkmal der Schule bestimmt. Die Idee einer Einheit in der Vielfalt soll für die Wahrung der nationalen und religiösen Fülle bei gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes und der humanen Werte stehen. Die kreative bildnerische Gestaltung mit dem Anspruch, diese Idee für andere sichtbar darzustellen, war eine von den Schülerinnen gern angenommene Herausforderung.

Fülle und Vielfalt an Ideen

„Der harte Kern mit 13 Teilnehmerinnen, die seit September 2017 in der Design-AG am Projekt arbeiten, überraschte uns mit der Fülle und Vielfalt der Umsetzungsideen“, berichten die Designerinnen. „Wir wurden damit regelrecht erschlagen, zudem offenbarten sich oft wahre künstlerische Talente und nicht selten wurden wir mit einem positiven Drang zum Perfektionismus konfrontiert“, erzählt Pia von Ameln. Beeindruckend fanden die Design-Künstlerinnen auch die Teamfähigkeit und die Kinderstube der Mädchen, wobei sie diese charmant als Mitverdienst „der guten Schule“ bezeichneten.

Bei der Vernissage am 29. Juni im Werkraum des Mädchengymnasiums Jülich werden ab 19 Uhr die kreativen Arbeiten öffentlich präsentiert. Bunte Plakate und Postkarten, die mit analogen und digitalen Techniken die tollsten Motive zum Motto darstellen, bilden zusammen mit themenbezogenen Objekten einen „Erfahrungs-Raum“. Dieser soll dem allgemeinen Wunsch nach stetig erweitert werden. Aufgezeigt wird zudem der Entstehungsprozess dieser Ergebnisse. Es wurden bislang zwei Projektpunkte realisiert. In der Kategorie „Sammelsurium“ wurden mit Hilfe eines Brainstormings die Ideen gesammelt und mit Unterstützung von grafischen Design-Programmen am Rechner umgesetzt. Aus der Projektphase „Schubladen-Denken“ resultierten die dreidimensionalen Raumobjekte. Mit dem ausstehenden Projektpunkt „Frauenbilder in Europa“ könnte, unter Voraussetzung einer weiteren Unterstützung des Landes NRW, dieses zu einem Mädchengymnasium äußerst passende Thema ebenso realisiert werden.

„Die bisherigen Ergebnisse stellen die Idee einer Bereicherung durch die Vielfalt deutlich dar. Sie wird auch für die Grundschüler greifbar“ sagt Christiane Clemens bezogen auf die Initiative, alle Schulen der Region zur Besichtigung einzuladen. „Wir müssen auch die Jüngsten abholen, sie für die Demokratie und ein vereintes Europa gewinnen“, erläutert sie. Die Schulleiterin sieht das Projekt als eine „wichtige Chance und ein tolles Angebot, in dem die Schülerinnen der Mittelstufe die Kinder der Primarstufe an die Hand nehmen können“.

Ausstellung vom 29. Juni bis zum 12. Juli

Die Ausstellung „Europa - In Vielfalt geeint“ wird im Werkraum des Mädchengymnasiums Jülich vom 29. Juni bis zum 12. Juli präsentiert. Um eine telefonische Voranmeldung der Besichtigungstermine wird ab dem 30. Juni unter ☏ 02461/9 78 30 gebeten.

13.06.2018 / Jülicher Zeitung / Seite 17 / Lokales