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Nun ziehen auch die Toten weg

Der Keyenberger Friedhof wird ab Montag vom alten in den neuen Ort umgesiedelt. Das dauert mehrere Jahre.

Erkelenz-Keyenberg Der Friedhof ist der Ort, der als letzte Ruhestätte bezeichnet wird. In Keyenberg hat das nicht funktioniert. Im alten Ort ziehen die Lebenden schon seit vielen Monaten um, die Verstorbenen folgen ihnen nun. Am Montag beginnt die Umbettung des Friedhofs nach Keyenberg (neu).

Passieren wird das in Etappen, immer dann, wenn es draußen kühl ist. Die erste ab kommender Woche dauert zwei Wochen, dann werden rund 130 Gräber umgebettet, sagt Stefan Heinrichs, Leiter des

Baubetriebs- und Grünflächenamts

der Stadt Erkelenz. 30 davon seien aus Kuckum (alt), 100 aus Keyenberg (alt). Die zweite Etappe ist für das nächste Frühjahr geplant. Bis Ende 2022, sagt Heinrichs, sollen alle Gräber im alten Ort verschwunden sein, und die Verstorbenen sollen auf anderen Friedhöfen wieder beigesetzt worden sein.

„In Keyenberg geht alles schneller vonstatten.“

Stefan Heinrichs, Leiter des Baubetriebs- und Grünflächenamts der Stadt Erkelenz

Das muss nicht unbedingt in Keyenberg (neu) sein. Es gibt Quoten und die Erfahrungswerte aus den zwei vorangegangenen Umbettungen in Immerath und Borschemich, die Heinrichs miterlebt hat, und damit kalkuliert er. Es gibt ungefähr 800 Verstorbene auf den alten Friedhöfen in Keyenberg und Kuckum. Zwei Drittel der Einwohner, die ihre Angehörigen dort beerdigt haben, rechnet er, ziehen an den neuen Standort um. Manche werden ihre Angehörigen im Gemeinschaftsgrab beisetzen lassen. Rund 450 Gräber sollen auf dem neuen Friedhof entstehen. Man habe versucht, aus der Erfahrung heraus realistisch zu kalkulieren, vor allem, um große Freiflächen zwischen den Gräbern zu vermeiden.

RWE zahlt Umbettungen

Auch auf andere Friedhöfe im Erkelenzer Stadtgebiet darf umgebettet werden – RWE zahlt, „sofern sich die Umfänge von alter und neuer Grabstätte entsprechen“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Eine Umbettung, die auf Wunsch der Angehörigen veranlasst wird und nicht in Zusammenhang mit dem Braunkohleabbau steht, koste im Durchschnitt zwischen 3000 und 4000 Euro, sagt Heinrichs. Bei den Umbettungen wegen der Braunkohle sei der Stil natürlich größer und die Kosten entsprechend nicht ganz vergleichbar.

Heute, am Freitag, wird der Friedhof eingesegnet. Ganz fertig ist er noch nicht: Die Mauer an der Vorderseite entsteht gerade, der Zaun, der sich rund um das Friedhofsgelände an die Mauer anschließt, steht hingegen schon. Am westlichen Seiteneingang soll das alte Tor vom Keyenberger Friedhof stehen. Eigentlich sollte pünktlich zum ersten Umbettungs-Zyklus alles fertig sein, aber, sagt Heinrichs, das werde wohl noch ein paar Wochen dauern. Ein bisschen länger wird es voraussichtlich noch mit der geplanten Aussegnungshalle dauern, die auf den neuen Friedhof kommen soll: Die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, anvisiert habe man das kommende Jahr.

Für die Zeit, in der die Umbettungen stattfinden, ist der Friedhof für die Allgemeinheit gesperrt. Angehörige – oder wie Heinrichs sagt, „Nutzungsberechtigte der Gräber“ – dürfen bei den Arbeiten dabei sein. „Aber wir raten davon ab“, sagt Hildegard Fischer, die bei der Stadt Erkelenz für die Unterhaltung der Friedhöfe zuständig ist. Man könne vorher nie sagen, welcher Anblick die Angehörigen erwartet. Es seien aber auch nur einzelne Leute, die dabei sein wollten.

Dabei sein müssen hingegen ein Bestatter, ein RWE-Mitarbeiter und ein städtischer Mitarbeiter. Eine Firma kümmert sich im Auftrag von RWE um die Umbettungen. Bis auf Sarghöhe wird die Erde abgebaggert, danach wird von Hand weitergearbeitet. Heinrichs spricht von „großer Sorgfalt“ und darüber, dass in der Vergangenheit noch nie ein Angehöriger schlechte Erfahrungen gemacht habe. Auf dem neuen Friedhof werden die Gebeine noch am gleichen Tag neu bestattet. Die Grabsteine werden aber erst gesäubert und eingelagert – die Fläche auf dem neuen Friedhof müsse sich erst setzen, sagt Fischer. Je nach Wetter sollen sie ab Februar wieder aufgestellt werden.

Für die nächste Etappe der Umbettung im Frühjahr seien schon Anträge gestellt, sagt Heinrichs. Noch hätten sich aber nicht alle Einwohner gemeldet. „Die Leute, die noch im alten Ort bleiben wollen, haben wenig Interesse daran, die Gräber umzusiedeln“, sagt Heinrichs. RWE habe aber vertraglich ein Recht, die Flächen zu übernehmen. Den Fall, dass sich Anwohner bis zum Schluss nicht gemeldet hätten, habe es aber im Erkelenzer Raum noch nicht gegeben, sagt Heinrichs.

Noch bis zum Ende des Jahres 2020 wird es den Friedhof in Keyenberg (alt) geben, bis dahin kann dort also noch beerdigt werden. Ein Jahr, sagt Heinrichs, müsse zwischen Beerdigung und Umbettung liegen – das passt mit dem Ziel zusammen, dass die komplette Umbettung 2022 abgeschlossen sein soll. Ab Januar 2020 kann auf dem neuen Friedhof offiziell bestattet werden. Im neuen Keyenberg wohnen, Stand September, bereits 119 Menschen. Sollte jemand sterben, bevor auf dem neuen Friedhof offiziell beerdigt werden kann, werde man versuchen, eine Lösung zu finden. Der ganze Prozess der Umbettung unterscheide sich etwas von denen in Immerath und Borschemich, sagt Heinrichs: „In Keyenberg geht alles schneller vonstatten.“

08.11.2019 / Heinsberger Zeitung / Seite 15 / HEINSBERG ERKELENZ