Lesen. Suchen. Sammeln

JUBEL BEIM COMEBACK DER BÖRDEBAHN

Nach 36 Jahren Unterbrechung sind die Kreisstädte Düren und Euskirchen wieder werktags auf der Schiene verbunden

Düren Die beiden Kreisstädte Düren und Euskirchen sind nach 36 Jahren seit gestern auf der Schiene wieder täglich miteinander verbunden. Das Comeback der Bördebahn erreicht zu Beginn noch nicht gleich die optimalen Werte, denn im sogenannten Vorlaufbetrieb ist werktags zwischen 6 und 20 Uhr bei einer Unterbrechnung am Morgen ein Zwei-Stunden-Takt gewährleistet. Dazu sind sechs Zugpaare der Rurtalbahn im Einsatz. Die rund 30 Kilometer Distanz werden in etwa 50 Minuten zurückgelegt. Aber in den nächsten zwei Jahren ist die Verbindung alle 60 Minuten das erklärte Ziel – und eine Fahrzeit von 35 Minuten.

Das sagten sowohl der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) als auch sein Euskirchener Kollege Günter Rosenke (parteilos) bei der Eröffnungsfahrt, die im neuen Bahnhof Binsfeld einen Zwischenstopp einlegte.

Die letzte Personenfahrt auf der historischen Strecke, die vor 155 Jahren in Betrieb genommen wurden, erfolgte am 27. Mai 1983. Die damals unwirtschaftlichen Verbindungen wurden abgewickelt und vielfach überbaut. Im Bereich der Bördebahn war das zum Glück nicht so, deswegen hatte bürgerschaftliches Engagement vergleichsweise schnell Erfolg, wie Wolfgang Spelthahn am Montag klarstellte. Ohne Bürger, die vehement und beharrlich darauf bestanden, die Strecke zu reaktivieren, wäre es wohl nicht dazu gekommen. Seit 2002 wurde die Idee diskutiert und einige Jahre später mit Güterverkehr in einem ersten Schritt umgesetzt. Seit der Landesgartenschau in Zülpich 2014 fahren an Wochenenden und Feiertagen wieder Personenzüge zwischen Düren und Euskirchen. Um eine regelmäßige Taktung werktags zu erreichen, waren allerdings hohe Investitionen notwendig, deren Großteil die Nahverkehr Rheinland (NVR) GmbH übernommen hat.

Diese Arbeiten sind ausgesprochen schnell realisiert worden. 6,5 Kilometer Gleiskörper mussten ertüchtigt, acht Straßenkreuzungen gesichert und die Bahnhöfe in Binsfeld, Rommelsheim und Jakobwüllesheim erneuert werden. Das ist nach dem Spatenstich in Bubenheim am 15. Juli in gut fünf Monaten bis zum Fahrplanwechsel samt Eröffnungsfahrt am 16. Dezember gelungen.

„Das ist ein Meilenstein und ein wichtiger Zwischenschritt.“

Landrat Wolfgang Spelthahn

„Das passt gut in die Landschaft – Klimaschutz ist das Thema“, sagte der Euskirchener Landrat Günter Rosenke am Montag in Binsfeld und spielte auch auf den Klimagipfel in Madrid an, dessen Ergebnisse aber viele nicht zufriedenstelle – „und wir tun was“. An der kleinen Feierstunde beteiligten sich alle Bürgermeister der Bördebahn-Anrainer-Kommunen und zahlreiche Landtagsabgeordnete, die das Projekt in Düsseldorf immer wieder ins Bewusstsein gerufen hatten.

Wolfgang Spelthahn (Düren) sprach von einem Meilenstein und einem wichtigen Zwischenschritt, der nun erreicht sei. „Wir brauchen dringend mehr Takt auf dieser Strecke“, sagte der Dürener Landrat. Die Mobilität müsse die Menschen vor ihrer Haustür abholen, um möglichst vielen den Umstieg so leicht wie möglich zu machen. Er nannte die bayerische Landeshauptstadt als Musterbeispiel, die über einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs vor den Olympischen Spielen 1972 auch eine wirtschaftliche Entwicklung entlang der Strecken ausgelöst habe, die bis heute anhalte. „Das soll auch hier passieren“, sagte Spelthahn mit Blick auf die Bördebahn, die für die Menschen im Südosten des Kreises Düren und der Rureifel eine wichtige Verbesserung der Infrastruktur darstelle.

Herbert Häner, Geschäftsführer der Rurtalbahn, verwies darauf, dass ein Stundentakt zwischen Düren und Euskirchen erst möglich sei, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind. Der Bahnsteig in Vettweiß wird im nächsten Jahr erneuert, in Euskirchen-Elsig ein neuer Haltepunkt errichtet. Weitere Haltestellen sind geplant (siehe Infokasten).

Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf etwa 15,5 Millionen Euro. „Wir fördern den Ausbau der Bördebahn mit insgesamt knapp zehn Millionen Euro“, erklärte NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober – und überreichte Häner gleich einen neuen Zuwendungsbescheid für weitere Arbeiten auf der neuen, alten Strecke.

Der Vorlaufbetrieb

Derzeit neun Haltestellen auf der 30-km-Strecke

Der erste Zug der Rurtalbahn setzt sich werktags um 6.20 Uhr in Richtung Euskirchen in Bewegung, der letzte um 18.20 Uhr. Die Strecke führt von Düren über Binsfeld, Rommelsheim, Jakobwüllesheim und Vettweiß nach Zülpich, Nemmenich, Elsig und Euskirchen.


Weitere Haltestellen sind in Distelrath (Düren), Zülpich-Ülpenich, Zülpich-Dürscheven und Euskirchen-West geplant.

17.12.2019 / Dürener Zeitung / Seite 13 / DÜREN