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700 Schüler und ein Engel der Kulturen

Skulptur als Symbol für interkulturelle Begegnung. Kunstprojekt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus am 10. Juli in Geilenkirchen.

Geilenkirchen. 700 bis 800 Schüler begleiten den Engel der Kulturen, wenn er am Dienstag, 10. Juli, durch Geilenkirchen rollt. Die Stahlbildhauer Carmen Dietrich und Gregor Merten haben dieses Kunstprojekt erdacht, ausgearbeitet und schon in über 120 Städten umgesetzt. Der Engel der Kulturen ist eine radförmige Skulptur. Sie ist Symbol für die interkulturelle Begegnung und richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fundamentalismus.

Dass der Engel der Kulturen ein Engel ist, hatten die beiden Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten zunächst überhaupt nicht bemerkt. Sie hatten einen Ring aus Stahl mit innenliegendem Halbmond, Stern und Kreuz geschaffen. Erst Betrachtern ihres Kunstwerkes war aufgefallen, dass die sich im Innern des Kreises ergebene Hohlform einen Engel mit aufgeschlagenen Flügeln darstellt. Wer es weiß, sieht es natürlich gleich. So auch die Projektteilnehmer der Geilenkirchener Schulen, die die beiden Künstler zur Vorbereitung der Kunstaktion im Berufskolleg Wirtschaft in Geilenkirchen trafen.

Dauerhaft am Rathausvorplatz

Carmen Dietrich und Gregor Merten hatten in ihrem Kleintransporter die Original-Skulptur zum „Testrollen“ schon mal aus Burscheid mit nach Geilenkirchen gebracht. Eine Bodenintarsie in Form dieser Skulptur wird auf dem Rathausvorplatz in Geilenkirchen eingelassen und dauerhaft an diese Kunstaktion und die damit verbundene Idee des interkulturellen und interreligiösen Dialogs erinnern.

An diesem Kunstprojekt werden sich Schulen des Geilenkirchener Stadtgebietes beteiligen, wie das Organisationsteam um Heike Poth, Projektkoordinatorin am Berufskolleg Wirtschaft, und Daniel Bani-Shoraka vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Heinsberg, das die Aktion unterstützt, erklärte.

Vorgesehen ist, dass Schüler des Berufskollegs Wirtschaft, des Berufskollegs Ernährung, Sozialwesen, Technik, des Gymnasiums St. Ursula, der Städtischen Realschule, der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, der Katholischen Grundschule und der Gemeinschaftsgrundschule am Kunstprojekt Engel der Kulturen teilnehmen.

Der Start soll um 9.30 Uhr an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule erfolgen. An dieser Station, wie auch an den beiden folgenden, werden temporäre Bodenskulpturen errichtet werden. Dazu wird die Skulptur Engel der Kulturen auf den Boden gelegt und mit Quarzsand aufgefüllt. Dann wird sie mit Hilfe von Schwerlastmagneten wieder aufgerichtet und von den Schülern zur nächsten Station gerollt. Um zur nächsten Station zu gelangen, werden teilweise die Straßen gesperrt werden müssen. Die zweite Station liegt am Schulgelände der beiden Geilenkirchener Berufskollegs.

An jeder Station sollen sich, so die Planung, weitere Schüler der jeweiligen Schulstandorte anschließen. Als dritte Zwischenstation auf dem Weg zum Rathaus soll dann die Katholische Grundschule in der Brucknerstraße angesteuert werden, wo auch die Kinder der Gemeinschaftgrundschule dazu stoßen sollen. Die Schüler des St.- Ursula-Gymnasiums und der Städtischen Realschule werden dann am Rathaus gegen 12 Uhr erwartet, wo die Bodenintarsie des Engels der Kulturen ins Pflaster eingelassen wird. Die Arbeiten, auch die Schweißarbeiten, sollen von möglichst vielen Beteiligten geleistet werden, um sie in das Projekt einzubinden. Die Form des Kunstwerks mit Halbmond, Stern und Kreuz in einem Ring wird für die Bodenintarsie aus einer Eisenplatte geschnitten.

Stiftung gegründet

Die dabei entstehende zweite Form, die des Engels, sammeln die beiden Künstler und fügen sie der stetig wachsenden Engel-der-Kulturen-Säule hinzu. Diese Säule soll ihren endgültigen Platz in der Jerusalemer Altstadt finden.

Zum Abschluss der Kunstaktion werden Schüler ihre Umsetzung des Engels der Kulturen in Form von eigenen Kunstwerken in der Kirche St. Marien zeigen und auch den Besuchern erläutern. Auch Vertreter der hiesigen Religionsgemeinschaften sollen zu dieser Kunstaktion eingeladen werden.

Carmen Dietrich und Gregor Merten betreiben ihr Kunstprojekt Engel der Kulturen seit zehn Jahren. 2016 haben sie eine Engel-der-Kulturen-Stiftung ins Leben gerufen. Zweck der Stiftung ist die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens sowie die Förderung damit einhergehenden bürgerschaftlichen Engagements.

08.05.2018 / Geilenkirchener Zeitung / Seite 19 / Lokales