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Die Welt des Protestlieds

Konzert im Kulturhaus. Alte Lieder und Geschichte.

Selfkant-Höngen. „Unser Vortrag nimmt nun seinen Lauf, guten Abend, Vorhang auf.“ Mit dieser gesungenen Begrüßung hieß Sänger Christoph Esser das Publikum im Kulturhaus Selfkant willkommen. Knapp 80 Besucher wollten sich den Liederabend mit dem Titel „Protest, Protest“ nicht entgehen lassen. Zusammen mit Christoph Esser musizierten Susanna Jochims und Michael Kowalski, die sich schon seit Jahren sehr gut kennen. Alle Musiker kommen aus dem tiefen Westen des Kreises Heinsberg und waren schon oft beim Kulturverein in Höngen zu Gast.

Da verwundert es nicht, dass Vorsitzender Gottfried Engender und Organisatorin Dorotha Blohm vom Kulturverein Selfkant sofort Feuer und Flamme für die Idee eines Liederabends waren. „Sie bekommen heute einen wunderbaren Abriss über die Geschichte des Protestlieds geboten. Dazu zählt die musikalische Kritik an den Missständen während der Industrialisierung, der Widerstand gegen die Willkürherrschaften Europas oder auch der aktuelle gesellschaftliche Diskurs“, versprach Engender den Zuhörern. Neben eher unbekannten Liedern wie „O Baron“ oder „Der Revoluzzer“ begeisterten die Musiker auch mit bekannten Songs, die die Zuhörer nicht auf Anhieb dem Genre des Protestlieds zugeschrieben hätten. So sei das Lied „Go down Moses“ in das Genre des Spirituals einzuordnen, dass sich im 19. Jahrhundert in Amerika entwickelt habe. „Die Sklaven vom afrikanischen Kontinent bedienten sich biblischer Motive und Geschichten, um ihre Situation, ihre Gefühle, ihre Sehnsüchte, aber auch ihre Traurigkeit auszudrücken“, erklärte Esser.

So hatte er zu jedem Lied eine Geschichte zu erzählen, egal ob es „Imagine“ von John Lennon oder „Blowin in the Wind“ von Bob Dylan war. „Übrigens ein Name, der mit dem Begriff Protestlied unbedingt verbunden ist“, wie Esser fand. Es war eine historische Zeitreise, auf die die Zuhörer in der ehemaligen Schule in Höngen gingen und die alle faszinierte. Die ganz besondere Mixtur aus alten Liedern und ihre Einbettung in die Geschichte war das Erfolgsrezept für diese Veranstaltung.

03.04.2018 / Heinsberger Zeitung / Seite 30 / Lokales Selfkant