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Die Faszination verlassener Orte

„Lost Places“ heißt die Ausstellung von Sebastian Schwarz im Atelierhaus

Aachen. Die Schönheit des Verfalls einfangen: Das war die Absicht des Künstlers Sebastian Schwarz, als er sich 2010 mit einer neuen Spiegelreflexkamera auf die Suche nach „aus der Zeit gefallenen“ Orten machte. „Eigentlich haben verlassene Gebäude ja immer etwas Trauriges“, sagt er, setzt sie aber selbst so in Szene, dass sie wie einladende Gemälde wirken. Ein rotes Sofa in einem verlassenen Raum, durch eine halb geöffnete Tür dringt Licht, ein verlassenes Schwimmbad, eine Villa am See, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hat: Jede Fotografie lässt die Ruinen in einem unerwarteten Licht erstrahlen.

Das Fotografieren von „Lost Places“ ist laut Sebastian Schwarz eine Bewegung, in der er endlich das zum Ausdruck bringen kann, was er schon als Kind gefühlt hat. Denn verlassene Orte haben ihn seit jeher fasziniert. Heute reist er durch halb Europa, um sie aufzuspüren.

Wo genau aber seine Fotos entstanden sind, verrät er nicht. Das gehöre zum Verhaltenskodex der Fotografen, die auf der Suche nach verlassenen Orten sind, sagt er. „Nichts mitnehmen außer dem Foto und nichts hinterlassen außer den eigenen Fußspuren“: Auch daran hält sich Sebastian Schwarz. Er fotografiert das, was er vorfindet, manchmal aus verschiedenen Perspektiven, bis er das richtige Foto im Kasten hat. Im Nachhinein bearbeitet er es vor allem im Hinblick auf das Licht am Computer.

Im Rahmen des Kulturfestivals „across the borders“ werden seine Arbeiten jetzt in einer Ausstellung im Atelierhaus im Depot – selbst über Jahre ein „Lost Place“ – an der Talstraße in Aachen gezeigt. Geschäftsführerin Nadya Bascha ist begeistert. Die Fotos passen ihrer Meinung nach ganz wunderbar in das Konzept des Atelierhauses, das sich als „platform euregio“ versteht. Susanne Güntner vom städtischen Kulturbetrieb hat den Fotografen schon vor drei Jahren entdeckt und freut sich nun, dass seine Bilder in dieser Ausstellung zu sehen sind. Die Auswahl der Bilder war aber offensichtlich so schwierig, dass viele zusätzlich projiziert werden.

Der 1991 in Stolberg geborene Künstler wird auch künftig bei seinem Thema bleiben. Er studierte Kommunikationsdesign an der FH Aachen und arbeitet heute als Grafikdesigner in einer Aachener Werbeagentur. Bei seiner Suche nach geeigneten Motiven für seine Bilder ist er nie allein. „Das wäre zu gefährlich“, sagt er, „denn da kann immer mal ein Balken morsch sein und unter einem zusammenbrechen.“ Seine Ausbeute an Motiven aber kann sich wahrlich sehen lassen. (mas)

Vernissage am kommenden Sonntag

Die Ausstellung „Lost Places – Sebastian Schwarz“ kann vom 16. Juli bis 13. August im Atelierhaus, Talstraße 2, besichtigt werden (dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 15 Uhr). Der Eintritt ist frei.

Die Vernissage findet am Sonntag, 16. Juli, um 12 Uhr statt. Geplant ist unter anderem ein Künstlergespräch mit Sebastian Schwarz.

13.07.2017 / Eifeler Zeitung / Seite 17 / Lokales