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Denkanstöße zum Strukturwandel

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel legt Zwölf-Punkte-Papier mit Fokus auf den Kreis Düren vor

Kreis Düren In der Diskussion um die Bewältigung des Strukturwandels im Zuge des Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung fordert der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel (CDU) eine stärkere Fokussierung auf den Kreis Düren. Längst nicht alle Kommunen in der Region seien in gleicher Form vom Kohleausstieg betroffen, betont der Dürener in einem zwölf Punkte umfassenden Positionspapier, das „Denkanstöße für ein regionales Strukturentwicklungskonzept und eine lebhafte Diskussion“ geben soll. Die Regionen sollten nach dem Grad ihrer Betroffenheit vom Kohleausstieg eingeteilt werden, fordert Rachel und sieht „seinen“ Kreis Düren dabei weit vorne, schließlich lägen alle drei Tagebau im oder unmittelbar am Kreisgebiet. „Die Dürener Region hat über Jahrzehnte einen großen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung geleistet“, betont er, die Menschen entlang der Rur hätten dabei große Belastungen ertragen. Rachel greift bereits bekannte Überlegungen auf, bringt aber auch neue Ideen in die Debatte ein.

Eigene Stärken betonen

„Wir haben Potenziale im Kreis Düren, die andere nicht haben.“

Thomas Rachel (CDU),
MdB und Staatssekretär

„Der Kreis Düren muss sich in Partnerschaft mit den anderen Regionen aufstellen, aber die eigenen Stärken in den Vordergrund stellen“, betont der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. „Denn wir haben Potenziale, die andere so nicht haben.“

Aus Sicht von Thomas Rachel könnte die nachhaltige Produktion von Biomasse und deren Nutzung als regenerative Kohlenstoffquelle in Verbindung mit der Wasserstofferzeugung aus Wasser und „grünem“ Überschussstrom ein Motor für den Strukturwandel in der Region werden. Rachel hat die Vision vom Kreis Düren als einer Demonstrationsregion zur Herstellung biobasierter Wertstoffe wie Chemikalien, Kunststoffen, synthetischen Kraftstoffen, Pharmazeutika und Nahrungsergänzungsmitteln. „Wir haben das Know-how dafür“, ist er mit Blick auf das Forschungszentrum Jülich überzeugt.

Auch sollte die Region versuchen, Standort einer Machbarkeitsstudie für die Umrüstung eines Kraftwerks in ein thermisches Speicherkraftwerk zu werden. „Bei diesem wird über den Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom Salz geschmolzen, um Energie in Form von Wärme zu speichern“, erklärt der Forschungsstaatssekretär. Wärme, die bei Bedarf wieder in Strom zurückverwandelt werden soll.

Schließlich fordert Rachel, dass die Initiative „Agriculture 5.0“ als Zukunftsoption für die Region geprüft werden soll. Der Kreis Düren sei schließlich wie das gesamte Rheinische Revier von der Landwirtschaft geprägt. Gemeint sind moderne, automatisierte Bewirtschaftungsmodelle in der Landwirtschaft unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz.

In seinem Zwölf-Punkte-Plan begrüßt Rachel ausdrücklich die Bemühungen der Stadt Jülich und der Gemeinden Niederzier und Titz, auf der Merscher Höhe den „Brainergy Park“ als Innovationsstandort für Erneuerbare Energie zu etablieren. „Durch das Alleinstellungsmerkmal der intelligenten Vernetzung von Fachhochschule Aachen, dem Forschungszentrum Jülich und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit der Wirtschaft werden neue Wertschöpfungsketten im Bereich erneuerbarer Energien aufgebaut, welche die Zukunftsfähigkeit der Region sichern“, ist Rachel überzeugt. Er fordert daher eine „angemessene Förderung des Vorhabens durch Bund und Land“.

Rachel spricht sich auch für das Projekt „Campus Aldenhoven“ aus, die Chance, am Rande des Auto-Test-Zentrums weitere branchennahe Firmen anzusiedeln. Dazu soll der ehemalige Kraftwerksstandort Siersdorf im Landesentwicklungsplan in Gewerbe- und Industriefläche umgewandelt werden. Und er sieht große Chancen, die in der Kohleverstromung wegfallenden Arbeitsplätze auch in einem Industriedrehkreuz „Weisweiler/Inden/Stolberg“ am Kraftwerk Weisweiler kompensieren zu können – auch in Verbindung mit dem „Campus Aldenhoven“ und dem „Brainergy-Park“. Der Ausbau der Bahnstrecke Aachen-Düren, die vollständige Reaktivierung der Bördebahn Düren-Zülpich-Euskirchen-Bonn und der Lückenschluss Linnich-Baal seien dabei wichtige Verkehrsprojekte, um den Kreis Düren besser an umliegende Regionen anzuschließen. Rachel fordert den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für E-Mobilität im Kreis Düren, begrüßt die Initiative von Landrat Wolfgang Spelthahn, den ÖPNV im Kreis auf Wasserstoffantrieb umzurüsten und damit Pilotlandkreis in NRW zu werden. Und er regt eine naturnahe touristische Nutzung der Sophienhöhe an, um die touristische Attraktivität des Kreises weiter zu steigern.

Dass dies alles nicht von heute auf morgen zu bewältigen wäre, ist Rachel bewusst. „Aber wir müssen frühzeitig unsere Potenziale nutzen, um uns als innovative Region aufzustellen.“

07.08.2018 / Dürener Zeitung / Seite 13 / Lokales Düren