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Stickoxid-Messwerte deutlich verbessert

Von April bis Juni unter gesetzlicher Grenze. Verkehrszählung gibt Aufschluss. 42.200 nutzen „City-Ticket XL“ in Düren.

Düren Während das Oberverwaltungsgericht Münster am Donnerstag die Bezirksregierung Köln zur Überarbeitung des Luftreinhalteplans in der Domstadt und strikteren Maßnahmen (auch Diesel-Fahrverboten) verurteilt hat, zeichnet sich in Düren eine leichte Entspannung beim Thema Luftverschmutzung ab. Der Stickstoffdioxidwert ist an der Euskirchener Straße aktuell wieder unter den gesetzlichen Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft gefallen, nachdem die Werte im ersten Quartal trotz Lkw-Durchfahrtsverbots deutlich über der Messlatte gelegen hatten.

Mit einem Durchschnittswert von 38,6 Mikrogramm wurde der Grenzwert von April bis Juni nicht nur eingehalten, bei der aktuellsten Auswertung (23. Mai bis 4. Juli) ergab die Messung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) sogar nur noch einen Wert von 35 Mikrogramm. Setzt sich der positive Trend fort, wäre ein auch in Düren aufgrund einer Klage der Deutschen Umwelthilfe drohendes Dieselfahrverbot vom Tisch. Aber der Wert ist mit Vorsicht zu genießen, wie auch das zuständige Amt für Tiefbau und Grünflächen der Stadt Düren einräumt. Zwar könnte der Rückgang der Stickstoffdioxid-Belastung auf die seit Ende April geltende Einspurigkeit auf der Euskirchener Straße und die veränderte Ampelschaltung an der Kreuzung Oststraße, die stadteinwärts weniger Fahrzeuge Richtung Friedrich-Ebert-Platz passieren lässt, zurückzuführen sein. Darüber hinaus war aufgrund der Sperrung der B56 zwischen Düren und Soller vom 11. Juni bis 10. August auch weniger Verkehr auf der Euskirchener Straße unterwegs.

Wirklich Aufschluss geben kann daher nur der am Ende des Jahres feststehende Mittelwert, auf den sich in der Regel auch die Gerichte stützen. Der lag 2018 an der Euskirchener Straße noch bei 54 Mikrogramm. Um für die noch nicht terminierte Verhandlung über den Luftreinhalteplan Düren vor dem OVG Münster belastbare Zahlen für die aktuelle und künftige Belastung am Hotspot Euskirchener Straße zu erhalten, hat die Stadt eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben.

Derweil entwickelt sich eine andere Maßnahme der Luftreinhaltung und klimaschonenden Verkehrswende zu einem Erfolgsmodell: das auf Betreiben der „Ampel“-Koalition eingeführte „City-Ticket XL“, das seit 1. Januar Bus- und Bahnfahrten im gesamten Stadtgebiet für 1,50 statt 2,80 Euro ermöglicht. Binnen zwei Jahren – von Mai 2017 bis Mai 2019 – hat sich die Zahl der verkauften Tickets verdoppelt: von monatlich 21.200 auf knapp 42.200, wobei seit 1. Januar auch die monatlich rund 8500 Tarifwechsler der ehemaligen Kurzstrecke berücksichtigt werden müssen. Nichtsdestotrotz hat die neuerliche Absenkung des City-Ticket-XL-Tarifs zum 1. Januar (von 1,90 auf 1,50) noch einmal zusätzliche Fahrgäste in die Busse gelockt. Das Tiefbauamt spricht von einem monatlichen Plus von rund 2500.

Den klimafreundlichen Effekt aber gibt es nicht zum Nulltarif. Die Stadt muss zum Ausgleich für den günstigen Fahrpreis im laufenden Jahr voraussichtlich 420.000 Euro an den Aachener Verkehrsverbund (AVV) überweisen. Der aktuelle Vertrag hat eine Laufzeit bis Ende 2019 und muss bis spätestens Ende Oktober verlängert werden.

13.09.2019 / Dürener Nachrichten / Seite 13 / DÜREN