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Bedarf an Fachräumen größer als geplant

Gesamtschule Kohlscheid: Irritationen um Ausbau des Altbaus. Politik nimmt Verwaltung in Pflicht und fordert Gesamtkonzept.

Herzogenrath Richtfest wird am Freitag in Kohlscheid gefeiert. Der Rohbau für die Erweiterung der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule ist fertig, und da er sowohl zeit- als auch kostenmäßig eine „Punktlandung“ darstellt, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda es ausdrückt, darf darauf sicherlich auch mit Recht freudig angestoßen werden.

Doch das Gesamtprojekt „Gesamtschule II an einem Standort“ ist mit dem Neubau an der Casinostraße, der Räume für die Klassen, die Abteilungsleitung, die Schulsozialarbeit und dazu ein großes Lehrerarbeitszimmer umfasst, längst nicht über die Bühne gebracht. Denn weiterer Bestandteil sind der Um- und Ausbau des Altbaus, im wesentlichen mit der Einrichtung adäquater moderner Fachräume.

Ungünstige Raumzuschnitte

Zwei Gutachten waren im Vorfeld zum Ergebnis gekommen, dass sich der dafür benötigte Raumbedarf flächenmäßig durchaus abbilden lasse. Bei genauem Hinschauen indes stellt sich die Raumaufteilung offenbar als nicht so einfach dar. So legt es die Verwaltung denn auch in der jüngsten Sitzungsvorlage dem Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur zur Kenntnisnahme dar. Und liefert ein Beispiel: Der Kunstraum im Bestand etwa weise eine Größe von 90 Quadratmeter auf, für die benötigten Fachunterrichtsräume seien indes nur 70 Quadratmeter vorgesehen – macht 20 Quadratmeter, die an anderer Stelle fehlen. Oder wie die Verwaltung es formuliert: „ein Raumdefizit, obwohl die Quadratmeter an sich vorhanden wären“.

„Die Schule muss das bekommen, was sie benötigt.“

Renate Gülpen, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion

Überdies hat die Schule nun noch einmal verdeutlicht, zusätzlichen Bedarf an Differenzierungsräumen und einem Fachraum zu haben. „Was wir in der Vergangenheit bereits mehrfach in verschiedenen Gremien kommuniziert haben“, wie Gesamtschuldirektorin Barbara Onkels im Gespräch mit unserer Zeitung in Erinnerung ruft. Womit sie durchaus auch Vorwürfen entgegentritt, die Schule habe die Pläne doch abgesegnet. Onkels will keinen falschen Zungenschlag aufkommen lassen und verweist auf beste Kooperation in Sachen Erweiterungsbau, „mit dem wir hochzufrieden sind. Hier wurden wir immer in die Planung mit einbezogen. Wir freuen uns auf das Richtfest!“

Doch in Sachen ergänzender Raumbedarf im Altbau habe es letztlich an Verantwortlichen im Rathaus gefehlt, und auch das Finanzbudget sei stets ein Knackpunkt. Der Erste Beigeordnete und Kämmerer ist längere Zeit erkrankt gewesen (Anm. d. Red.).

Mehrere Konzeptionen habe es in der Zwischenzeit gegeben, auch mit wechselnden Architekten. Ein ursprünglicher Plan etwa habe eine neue größere Mensa vorgesehen gehabt. An Stelle der bisherigen hätten dann Naturwissenschaftsräume entstehen sollen. Jetzt indes solle die Mensa an Ort und Stelle in Richtung Technikräume hin erweitert werden. Onkels: „Es gab immer neue Denkanstöße, aber letztlich nie ein Gesamtkonzept.“

Ein solches vermisst auch Renate Gülpen, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „Wir hätten ein Gesamtkonzept schon gerne im jüngsten Fachausschuss vorliegen gehabt“, schildert sie unserer Zeitung und stellt zudem fest: „Ich habe den Eindruck, dass die Schule nicht ausreichend mitgenommen wurde und ihre berechtigten Forderungen nun nicht abgebildet sieht.“ Mit Blick auf den angemeldeten Raumbedarf betont sie: „Die Schule muss das bekommen, was sie benötigt.“ Gegebenenfalls müsse dann eben etwas drangebaut werden.

Schließlich habe die Stadt eine zweite Gesamtschule haben wollen, nun müsse auch konsequent gehandelt werden, damit das erklärte Ziel, nämlich das Abitur in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), auch verifiziert werden kann. Und dazu gebe es gemäß Schulgesetz und Prüfungsordnung klar definierte Voraussetzungen, etwa bestimmte Sammlungen für den Physik- und Chemieunterricht in der Sekundarstufe II und Räumlichkeiten für die entsprechenden Vorbereitungen. Für Gülpen folgt daraus: „Solange die Fachräume im zweiten Standort an der Pestalozzistraße noch nötig seien, solange müssen sie auch zur Verfügung gestellt werden.“

Um endlich allseits für Klarheit zu sorgen, hat die CDU im Fachausschuss beantragt, die Verwaltung zu beauftragen, „spätestens bis zur nächsten Sitzung“ ein bedarfsgerechtes Raumkonzept aufzuzeigen und dabei auch die Umsetzungsmöglichkeiten und die Kosten darzulegen. Ein Begehren, dem sich der Rest des Ausschusses einstimmig angeschlossen hat. Gülpen: „Die Verwaltung weiß jetzt, dass sie an dieser Stelle zu arbeiten hat.“ Denn die Schule mache „enorm gute Arbeit“, und die Aufgabe der Stadt sei es, sie dabei zu unterstützen. Eine Oberstufe müsse gut laufen, mit einem breit gefächerten Angebot, richtet Gülpen den Blick auf die Reputation einer Schule: „Sonst kommen keine neuen Fünftklässler mehr dazu.“ Diese Konsequenz habe der Ausschuss nun bei der Verwaltung eingefordert.

Christoph Pontzen (FDP) sieht alle Akteure in der Pflicht: „Wir sind jetzt als Schulträger in der Verantwortung, sehr schnell eine Lösung zu finden.“ Auf Zeit drängt auch Dr. Bernd Fasel (Grüne), der mit einem Gesamtkonzept nicht bis zur nächsten BSK-Sitzung im Mai warten möchte und eine Sondersitzung im Vorfeld fordert: „Wir müssen uns jetzt alle an einen Tisch setzen und die Kuh vom Eis ziehen.“ Wichtiger noch sei, die Kommunikation zwischen Schule und Stadt, „die offenbar noch nicht so funktioniert habe“, zu intensivieren.

Aufstockungsmöglichkeit geprüft

Immer eng mit der Schulleitung zusammengearbeitet zu haben, konstatiert indes der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, „erst einmal irritiert“ gewesen zu sein, dass die ergänzenden Raumforderungen im Raum stehen. Was den Neubau angehe, habe alles ja auch reibungslos funktioniert. Die Zuschnitte im Altbau seien jetzt der Punkt, über den man diskutieren müsse, verdeutlicht auch er und zählt auf: Was Eingangssituation und Aufzug angehe, befinde man sich im Zeitplan, „den Umzug der Werkklassen kriegen wir auch hin“. Doch im Bereich Mensa stehe noch nicht fest, wohin die Reise gehe. Man müsse jetzt schauen, wie die räumliche Mehrplanung in der Kubatur umsetzbar sei. Auf Machbares hin befragt, beschränkt sich Migenda noch auf die Aussage, dass Aufstockungsmöglichkeiten vom Technischen Dezernat geprüft worden und in Leichtbauweise in Teilbereichen auch möglich seien.

Schulleiterin Onkels legt abschließend Wert darauf, auch weiterhin ein gutes Einvernehmen mit der Verwaltung haben zu wollen: „Ich will nicht nachkarten, sondern den Blick nach vorne richten. Im Sinne einer guten Lösung und eines guten Schulstandorts.“ Letztlich gelte ihr Einsatz der Stadt: „Mein Team und ich wollen gute Arbeit leisten, und das ist, denke ich, auch gelungen.“ So sei sie denn zuversichtlich, dass es auch in Sachen Schulausbau „ein gutes Ergebnis geben wird“.

23.01.2020 / Aachener Zeitung - Nordkreis / Seite 17 / LOKALES