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„Arbeitnehmer müssen nicht unbedingt im Büro sein“

Expertin Judith Klups informiert morgen in Aachen über Möglichkeiten, Arbeit flexibler zu gestalten. Besonders Eltern kann das helfen.

Aachen. Globalisierung, Digitalisierung und Flexibilisierung sollen alles einfacher machen. Auf die Geschäftsrealität kleiner und mittelständischer Unternehmen werden sie aber selten heruntergebrochen. „Es wird nie wirklich gesagt, was konkret angepackt werden muss“, sagt Judith Klups, Partnerin der Zukunftsagentin GmbH. Bei einem Business-Frühstück mit Impulsvortrag informiert sie über das Thema „Parents@work – Echte Flexibilisierung dank Digitalisierung?“ Dabei soll die Frage erörtert werden, wie Unternehmen die Beschäftigungsfähigkeit von Eltern erhöhen können und was Digitalisierung dazu beitragen kann. Das Frühstück ist am Donnerstag, 14. September, von 9.30 bis 12 Uhr bei Dean & David in Aachen, Friedrich Wilhelm Platz 12. Die Veranstaltung, organisiert von Region Aachen, ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten unter info@regionaachen.de.

Klups hat sich selbstständig gemacht, als sie ihren Job mit ihren Kindern nicht mehr vereinbaren konnte. Jetzt berät sie mit ihrem Mann Unternehmen darin, wie echte Vereinbarkeit von Lebensumständen und Beruf zu schaffen ist. Im Gespräch mit Naima Wolfsperger erklärt Klups, warum sie in Firmen auch lang etablierte Arbeitsprozesse und -aufteilungen genau unter die Lupe nimmt.

Frau Klups, warum sollte man zu der Veranstaltung Parents@work kommen?

Judith Klups: Eltern haben es im Büro nach wie vor schwierig. Genau in diesem Bereich kann Digitalisierung helfen. Die Möglichkeiten, die die neuen Arbeitsmethoden bieten, sind weitaus vielfältiger als nur das System anzupassen, also beispielsweise die Computer zu aktualisieren. Vielmehr muss Arbeit neu gedacht werden.

Das klingt ziemlich drastisch. Was meinen Sie damit?

Klups: Natürlich kann man einfach nur neue Rechner ins Büro stellen. Aber dank der Digitalisierung muss Arbeit nicht mehr unbedingt ein Ort sein. Sie kann zu flexiblen Zeiten stattfinden und dort, wo ich bin. Arbeitnehmer müssen nicht unbedingt im Büro sein. Wenn man bereit ist, ein bisschen weiter zu denken, kann man Digitalisierungsprozesse so optimal für sein Unternehmen umsetzen, dass man nicht nur die Mitarbeiter glücklich macht, sondern gleichzeitig sogar die Produktivität steigern kann.

Das klingt so einfach, und auch ein bisschen abgedroschen: glückliche Mitarbeiter, höhere Produktivität.

Klups: Die Produktivitätsfrage ist in dem Fall nicht nur von der Zufriedenheit abhängig, sondern auch von der Trennung von flexiblen und rigiden Aufgaben. Die Planung wird verfeinert und somit werden die Prozesse optimiert. Dafür muss man als Unternehmer aber bereit sein, die Strukturen im Unternehmen zu prüfen.

Wie kann flexible Arbeit aussehen?

Klups: Bereiche, die nicht zeit- und ortsgebunden sind, könnten in einem Stundenkontingent projektbezogen abgearbeitet werden. Das verlangt natürlich einen Vertrauensvorschuss des Arbeitgebers.

Wer ist morgen
die Referentin?

Judith Klups ist Partnerin bei der Zukunftsagenten GmbH in Bergisch Gladbach. Die Diplom-Psychologin und dreifache Mutter arbeitet im Bereich Human Resources. Die strategische Organisationsentwicklung, Change Management Prozesse, Visions- und Leitbildprozesse und das Aufsetzen zukunftsgerichteter HR-Prozesse kennzeichnen ihre Expertise – immer unter dem Blickwinkel der sich fundamental ändernden Arbeitswelt.

13.09.2017 / Aachener Nachrichten - Stadt / Seite 7 / Wirtschaft