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„Ja wat denn nu?“ – Baugebiet Mariental kommt!

Rat stimmt für überarbeitetes Konzept. Auf Mehrfamilienhaus wird verzichtet. Zwei Bäume für Fledermäuse bleiben.

Übach-Palenberg Schon der Bauausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Übach-Palenberg hatten grünes Licht gegeben für das Plankonzept zum Bebauungsplan „Mariental“. Nun stimmte auch der Rat dem überarbeiteten Konzept für das naturnahe Baugebiet am Grenzweg in Marienberg mit großer Mehrheit zu. Lediglich die drei Grünen im Rat und ein CDU-Mann stimmten dagegen. Vier Ratsmitglieder enthielten sich. Die SPD-Fraktion mit Alf-Ingo Pickartz stimmte für die Bebauung dieses Filetstücks, das 1600 Bürger lieber nicht bebaut gesehen hätten.

Wo die 1600 Bürger waren, die ihre Unterschrift einer Bürgerinitiative gegeben hatten, die das Mariental als Teil der Natur erhalten will, lässt sich schwer sagen. Lediglich ein paar Zuschauer hatten sich zur Ratssitzung eingefunden.

Gespräch mit Investor

Schwer zu sagen ist auch, was die Sozialdemokraten nun eigentlich wollen. Alf-Ingo Pickartz hatte für seine Fraktion im Bauausschuss gefordert, auf Geschossbau im Baugebiet Mariental zu verzichten. Doch war diese Forderung eingebunden gewesen in ein Konzept, mit dem die SPD das Mariental zu einem Vorzeigeprojekt auch in ökologischer Hinsicht gestalten wollte. Vernetzung des Grüngürtels von der Heidelandschaft bis ins Wurmtal, ein ortsnaher Ausgleich für die der Natur entnommenen Flächen und, wenn man genau hingehört hatte, gab es wohl auch noch Diskussionsbedarf bei der Größe der Häuser.

Was die Verwaltung mitgenommen hatte von den im Bauausschuss vorgetragenen Wunschvorstellungen der SPD-Fraktion, war aber lediglich der Verzicht auf den Geschossbau. In einer Ecke des Baugebietes nahe des Grenzwegs hatte der Investor ein Mehrfamilienhaus geplant. Eine Planung, die auch der Verwaltung, die eine Mischung der Bebauung bevorzugte, zugesagt hatte. Doch auf Wunsch der SPD hatte die Verwaltung erneut Gespräche mit dem Investor geführt. Dieser hatte Bereitschaft signalisiert, gegebenenfalls auch zwei Einfamilienhäuser anstelle eines Mehrfamilienhauses auf dem betreffenden Grundstück zu errichten, wie die Verwaltung nun im Rat erklärte.

Gerhard Gudduschat, CDU-Fraktionsvorsitzender, meinte, seine Fraktion neige dazu, der neuen Variante ohne Mehrfamilienhaus die Stimme zu geben. Rainer Rißmayer stellte für die Grünen kurz und bündig klar, man sei nicht gegen neue Baugebiete in der Stadt, aber bitte nicht an dieser Stelle.

Alf-Ingo Pickartz hatte es schwer. Was war zu tun? Die Verwaltung hatte zwar dem Wunsch seiner Fraktion, auf Geschossbau zu verzichten, entsprochen, doch war es ihm wohl nicht gelungen, die eigentliche Intention seiner Fraktion deutlich zu kommunizieren, nämlich ein Baugebiet zu schaffen, wie es Übach-Palenberg auch in ökologischer Hinsicht noch nicht hat.

Mit den Worten „Ja wat denn nu?“ forderte Gudduschat für die CDU eine klare Aussage der SPD ein, als Pickartz wortreich rumeierte, ohne zu erklären, wie seine Fraktion denn nun abstimmen würde.

Zum einen meinte Pickartz, der neue Entwurf lasse immer noch sehr zu wünschen übrig. Es gelte, so Pickartz, den Unmut der Anwohner sowie die Interessen des Umweltschutzes und der Stadtentwicklung zu berücksichtigen. Es sei aber ein gewaltiger Eingriff in die Natur, daher müsse sich das Baugebiet harmonisch und ökologisch verträglich in das bestehende Landschaftsbild einordnen.

37 Hauseinheiten

Was die SPD bewog, bei allen Bedenken und offenen Wünschen dem Baugebiet Mariental ihre Ja-Stimme zu geben, ist schwer nachvollziehbar. Pickartz sprach von einem Kompromiss und verwies erneut auf Grüngürtel und Ausgleichsflächen. Doch wo, wenn nicht im Plankonzept zum Bebauungsplan, sollen diese Forderungen Berücksichtigung finden? Schwer nachzuvollziehen ist ebenfalls, dass ausgerechnet die Sozialdemokraten ein Mehrfamilienhaus im schön gelegenen Baugebiet Mariental verhindern. 37 Hauseinheiten sind derzeit dort vorgesehen.

Die großen Bäume am Grenzweg, dort wo nun zwei Einfamilienhäuser anstelle eines Mehrfamilienhauses gebaut werden, sollen erhalten bleiben. Die Bäume sollen verhindern, dass die Fledermäuse auf dem Grenzweg überfahren werden. Die Fledermäuse werden stattdessen im hohen Bogen über die Bäume hinweg ins benachbarte Wurmtal segeln.

15.02.2020 / Geilenkirchener Zeitung / Seite 15 / GEILENKIRCHEN