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„Liebe Anne, du bist eine Inspiration“

Ein bemerkenswertes Projekt: Klasse 9a des Mädchengymasiums gibt ein Buch mit Briefen an Anne Frank heraus.

Jülich „Wir haben im Religionsunterricht den Film ,Das Tagebuch der Anne Frank’ gesehen. Wir fanden, das ist nicht genug und wollten das Thema ausbauen.“ Die 14-jährige Schülerin Inge Pape vom Mädchengymnasum Jülich ergriff als Erste das Wort, um die Hintergründe zur Entstehung des Buches „Briefe an Anne Frank“ zu erklären. Es wurde mit Unterstützung der Deutschen Immobiliengruppe (DI) und dem Team um Geschäftsführer Helmut Jagdfeld publiziert.

„Wir hatten die Idee, uns in ihre Lage hineinzuversetzen“, führte Ella Hertel fort. „Wir haben Briefe geschrieben, und weil es doch nicht genug war, in ein Buch gefasst, um es den Menschen nahe zu bringen“, sagte Vivienne Ibrahimovic. Von der Lehrerin auf ein Vorher und Nachher des Projektes angesprochen, betonte Inge Pape: „Vorher wussten wir, es war ein schlimmes Ereignis, aber wir hatten nicht den richtigen Bezug. Jetzt haben wir uns Etappen ihres Lebens angeschaut, weil sie ja auch so alt war wie wir.“ Ob die 14-Jährige sich auch in der Lage gesehen hätte, so zu handeln wie Anne Frank? „Ja, ich glaub schon...“, sagte die Schülerin.

Weil auf dem Lehrplan der achten Klasse im Religionsunterricht das Thema „verfolgte Christen“ vorgegeben ist, musste Lehrerin Bernadette Mauro „etwas finden, was dem Lebenskontext nahe ist. Wenn wir versuchen, gegen so etwas aufzustehen, dann kann ich das nur, wenn ich weiß, wie es war“, erklärte die Pädagogin die Entstehung des Buches im Unterricht. Das 51-seitige Büchlein enthält 23 Briefe der Schülerinnen, ein Grußwort der Schulleiterin Christiane Clemens und eine Einleitung von Bernadette Mauro. Zu Wort kommen ebenfalls der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer sowie Heinz Spelthahn, Vorsitzender der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“. Die Schülerinnen schmückten das Buch mit handgefertigten Zeichnungen von Anne Frank, ihrem Tagebuch „Kitty“ und einer Rose aus.

Der Brief von Schülerin Carla wurde während der Buchvorstellung verlesen. Sie schreibt: „Liebe Anne, für mich bist du eine Inspiration. Deine Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe meine eigene und die Situation anderer reflektiert und der Wunsch, etwas zu tun, ist in mir gewachsen.“

„Wir hatten die Idee, uns in ihre Lage
hineinzuversetzen.“

Schülerin Ella Hertel

Paula Jagdfeld, Tochter von Helmut Jagdfeld, der mit seiner Familie und seiner Firma etliche Projekte in Jülich unterstützt, besonders gerne mit jüdischer Thematik, sieht die Förderung solcher Projekte als eine „soziale und politische Aufgabe“. Vollen Herzens lobte Jagdfeld die Schülerinnen: „Es ist schon mehr als ein Kerzlein, das brennt. Wir stehen auf, damit so was nie wieder passiert.“ Jagdfeld und sein Team kümmerten sich um Veröffentlichung, Bildrechte, Grafik und Layout. Gedruckt sind 750 Exemplare, Interessierte dürfen den Kaufpreis selbst bestimmen. Das eingenommene Geld wird für eine Fahrt der Schülerinnen ins Anne-Frank-Museum in Amsterdam verwendet. Auch der stellvertretende Bürgermeister Martin Schulz fand es „bemerkenswert, dass sich junge Leute ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen und auch emotional dabei sind“. (ptj)

Das Buch „Briefe an Anne Frank“ kann bestellt werden per E-Mail an:
buchprojekt-anne-frank@di-gruppe.de

03.12.2018 / Jülicher Zeitung / Seite 22 / LOKALES