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Schüler putzen Stolpersteine

Jährliche Aktion zum Gedenktag in verschiedenen Kommunen des Kreises

Vettweiß/Nideggen/Düren Unter dem Motto „Erinnerung aufpolieren – Stolpersteine putzen“ hatte das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt zu einer Gedenkveranstaltung am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eingeladen. In Vettweiß, Nideggen und der Dürener Innenstadt nahmen Bürger daran teil.

In Vettweiß glänzen die Stolpersteine auf dem Gehweg an der Schulstraße vor der Hausnummer 13 nun wieder, und auch die Erinnerungstafel am Gedenkstein wurde gesäubert. An der Aktion hatten sich zahlreiche Vettweißer beteiligt. Sarah Grunenberg von der Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte, und Peter Kirschbaum, Mitarbeiter im Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt, haben gemeinsam mit dem Jugendbeauftragten der Gemeinde Vettweiß, Harald Krug, den Aktionstag in der Gemeinde Vettweiß gestaltet. Einige Jugendliche und Kinder waren ebenfalls vor Ort und haben dazu beigetragen, dass nicht nur die Stolpersteine wieder glänzen, sondern auch die Erinnerungen aufpoliert werden. Über die verfolgten Familien, die damals in Vettweiß lebten, wurden Vorträge gehalten.

Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) sagte: „Solche Aktionen sollten regelmäßig stattfinden. Stolpersteine werden verlegt, und wenig später geraten all die Ereignisse wieder in Vergessenheit. An Tagen wie diesen ruft man doch wieder einiges in Erinnerung.“

Mit einer Schweigeminute gedachten die Anwesenden der Opfer, und Ortsvorsteher Franz Erasmi (CDU) wusste aus Kindertagen noch einiges über die ehemalige Synagoge zu berichten. Da lauschten auch die anwesenden Kinder gespannt. „Dieses Thema darf niemals in Vergessenheit geraten. Wir können unseren Kindern schon früh vermitteln, wie wichtig es ist, zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht“, betonte der Bürgermeister.

„Stolpersteine werden verlegt, und wenig später geraten all die Ereignisse wieder in Vergessenheit. An Tagen wie diesen ruft man doch wieder einiges in Erinnerung.“

Joachim Kunth (CDU),
Bürgermeister von Vettweiß

Trotz des starken Regens und der eisigen Kälte waren auch Bürger in Nideggen der Einladung gefolgt. Der strömende Regen veranlasste einen Teilnehmer zu der Aussage: „Dies sind die Tränen der Ermordeten, die auf uns herabregnen.“

 

Kerze entzündet

 

Jochen Erler, stellvertretender Bürgermeister, erinnerte daran, dass sich ein derartiges Verbrechen nicht wiederholen dürfe. Man müsse unbedingt darüber reden, damit es nicht in Vergessenheit gerate.

Thomas Isecke als Vertreter des Bündnisses fasste den Zweck des Gedenktages so zusammen: „Wir gedenken der Entrechteten, Gequälten und Ermordeten: der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Millionen verschleppter Slawen, der Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Kranken und Behinderten, all derer, die die nationalsozialistische Ideologie für nicht lebenswert hielt, zu Feinden erklärt und verfolgt hatte.“

Poliert wurden die Stolpersteine in der Zülpicher Straße, im Altwerk und im Bewersgraben. Franz-Josef Brandenburg zählte derweil Stationen aus dem Leben der früher in der Altstadt lebenden Juden auf. Zur Erinnerung an sie wurden eine Kerze entzündet und für jedes Opfer eine weiße Rose niedergelegt.

30.01.2019 / Dürener Zeitung / Seite 18 / LOKALES