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„Wir setzen heute auf den Breitensport“

Der Golfclub Düren sieht sich schon lange nicht mehr als elitär an. Auf bestimmte Regeln achten die Verantwortlichen dennoch.

Düren. Wenn Katrin Peiffer-Schlenger früher den Clubraum des Golfclubs Düren hätte betreten wollen, wäre sie vor verschlossene Türen gelaufen. Obwohl sie die beste Spielerin des Vereins war, durfte sie nicht in den Raum, in dem gegessen, getrunken, gefeiert und geklönt wurde. Katrin Peiffer-Schlenger war zu jung. Jugendliche hatten im Clubraum nichts zu suchen.

Das ist lange her. 80er Jahre. Drei Jahrzehnte also.

Heute ist für Katrin Peiffer-Schlenger im Golfclub Düren kein Raum mehr tabu. Sie ist Spielführerin und damit in der sportlichen Leitung des Vereins. „Wir setzen auf den Breitensport“, sagt sie gleich zu Beginn des Gesprächs. Dass jugendliche Golfer nicht am vollen Clubleben teilnehmen durften, weil es die Etikette des Vereins so vorsah, ist heute in Düren „nicht mehr vorstellbar“, sagt sie.

Die Anekdote stammt aus einer Zeit, als sich viele Golfclubs bewusst elitär gaben. Mitglieder brauchten nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch zwei Bürgen. Gespielt wurde nur in feinen langen Hosen, man siezte sich, allenfalls gab es ein sogenanntes „Tages-Du“, das nur beim Spiel galt. Wenn Katrin Peiffer-Schlenger in die Umkleidekabine wollte, musste sie vorher anklopfen. Vergangenheit.

Der Golfclub Düren liegt am Rand von Gürzenich und hat 18 Löcher. Die Anlage wird von sechs hauptamtlichen Greenkeepern gepflegt. Die Herren-Runde ist sechs Kilometer lang, die der Damen 5,2 Kilometer. Vier bis fünf Stunden dauert ein „Flight“, wenn man alle 18 Löcher spielt. Das Ganze – natürlich – an der frischen Luft, bei fast jedem Wetter. Das ist nur ein Kriterium für Katrin Peiffer-Schlenger, warum sie den Golfsport vor allem auch Jugendlichen an Herz legen möchte. Golfer seien in der Regel gute Schüler, weil sie sich – auch über einen längeren Zeitraum – konzentrieren könnten. Sie müssen überdies in der Lage sein, ihre Gefühle zu kontrollieren. Denn auch heute ist nicht alles egal. Wer seinen Schläger auf den Boden schmeißt, wird ermahnt. Golf sei wie das Leben: Mal läuft es wie geschmiert, und manchmal denkt man, die ganze Welt hätte sich gegen einen verschworen. So steht es auf einem Blatt, dass Katrin Peiffer-Schlenger aus der Tasche zieht, um zu zeigen, wie sich der Golfsport auf die Persönlichkeit auswirken kann.

In Düren spielen 64 Jugendliche, 13 sind im Alter von 18 bis 28 Jahre. Der Verein hat insgesamt 776 Mitglieder, das Durchschnittsalter beträgt 55 Jahre. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahren konstant, sagt Gerd Braatz. Das führt der Vize-Präsident auch auf die „moderaten Preise“ für Jugendliche zurück. Der Jahresbeitrag liegt bei 175 Euro, Training eingeschlossen. Erwachsene zahlen 1320 Euro pro Jahr, Ehepaare 2410 Euro.

Katrin Peiffer-Schlenger sagt, sie habe eine „schöne, intensive Jugend im Golfclub“ gehabt. Sie war schon als Jugendliche Clubmeisterin bei den Damen, Mitte der 80er Jahre spielte sie bei den deutschen Meisterschaften. Später legte sie eine Pause ein. Sie studierte Elektrotechnik und leitet heute mit ihrem Mann ein Unternehmen in Düren. Ihr Sohn ist 16, er spielt auch. Dass die heute 48-Jährige damals nicht den Clubraum betreten durfte, hat nicht dazu geführt, dass sie heute alle Regeln verteufeln würde, im Gegenteil. Nach Turnieren sollte der jugendliche Gewinner eine kurze Dankes-Rede mit Blick auf die Sponsoren halten. „Das schult für das ganze Leben“, sagt Peiffer-Schlenger, „wenn man vor hundert Leuten aufstehen muss, um zu sprechen.“ Dass man sich auf der Anlage und später auf der Terrasse oder im Clubhaus „nicht übertrieben, aber angemessen kleidet“, ist für sie nichts Unnormales. „Das hat auch mit Erziehung zu tun“, sagt sie. Normal sei, dass es gesellig zugehe, dass man weitgehend per Du sei, dass man miteinander im Gespräch sei und zusammen feiere. Vereinsleben eben.

Der Jahreskalender weist eine Menge Turniere aus. Wenn es keine Wettkämpfe gibt, kann in Düren gespielt werden. Anders als in anderen Clubs seien keine vorherigen Anmeldungen nötig, sagt Vize-Präsident Braatz. Die Anlage gilt als anspruchsvoll, zunächst hatte sie neun, seit 1994 18 Löcher. Der 1979 gegründete Verein ist ein kleines Unternehmen. Immerhin liegt das jährliche Budget bei rund einer Million Euro. „Vor allem die Platzpflege kostet viel Geld“, sagt Gerd Braatz.

Auch der Unterhalt des Clubhauses mit Shop, Umkleiden und Jugendraum wird den einen oder anderen Euro kosten. Vor allem die Mitglieder bringen das Geld mit ihren Beiträgen auf, alle Mitglieder.

Dass heute auch alle Mitglieder in den Clubraum dürfen, ist selbstverständlich. Katrin Peiffer-Schlenger hat erlebt, dass es einmal anders war. Aber das spielt schon lange keine Rolle mehr.

Golf-Erlebnistag
am 1. Mai

Der Golfclub Düren bietet am Sonntag, 1. Mai, einen Golf-Erlebnistag an. Beginn ist 11 Uhr. Es gibt Informationen rund um den (Familien-)Sport, Interessierte haben die Gelegenheit, selbst ein paar Schläge zu machen (Am Golfplatz 2, Gürzenich). Die Trainer des Vereins bieten Hilfestellung. Bequeme Freizeitkleidung und Sportschuhe reichen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

„Vor allem die Platzpflege kostet viel Geld.“

Vize-Präsident Gerd Braatz über das Budget des Golfclubs Düren, das bei einer Million Euro liegt

22.04.2016 / Dürener Nachrichten / Seite 17 / Lokales Düren