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Das umstrittene Denkmal bleibt vorerst stehen

Masterarbeit soll klären, ob sich die „falsche und irreführende“ Aufschrift in Schmidt historisch einordnen lässt

Nideggen Eine Ehrenrunde um das umstrittene Denkmal in Schmidt drehte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Tourismus am Dienstagabend. Denn im Gegensatz zur Erörterung unter Beteiligung von Historikern Anfang Dezember wurden im nächsten Beratungsdurchgang keine wirklich neuen Argumente mehr ausgetauscht, die Diskussion drehte sich viel mehr im Kreis. Am Ende fielen wenigstens Zwischenentscheidungen über das weitere Vorgehen. Ein Antrag der Fraktion Menschen für Nideggen (MfN), das Denkmal sofort zu entfernen und für einen historisch korrekten Ersatz zu sorgen, scheiterte knapp bei 3:4 Stimmen und zwei Enthaltungen. MfN und Grüne waren dafür, CDU und SPD dagegen.

Dieser Antrag stützte sich auf die Empfehlungen der externen Historiker, die im Dezember einmütig die Meinung vertraten, dass das Denkmal in dieser Form nicht in den öffentlichen Raum gehöre und sich gleichzeitig nicht historisch einordnen lasse. Das erklärten übereinstimmend Dr. Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Vertreter von Vogelsang IP und des Landschaftsverbands Rheinland sowie des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge NRW. Dessen Repräsentanten Peter Bülter und Stefan Schmidt waren auch am Dienstag wieder an der Beratung in Nideggen beteiligt und untermauerten ihre Haltung.

Die Experten kritisieren die Aufschrift des Steins, der zudem Symbole der Einheiten von Wehrmacht und US Army trägt, die sich im Zweiten Weltkrieg gegenüberstanden: „Sie starben nicht vergeblich, denn sie gewannen den Frieden zwischen unseren Völkern.“ Darunter befinden sich zwei Hände, die sich versöhnend ergreifen. Nach Ansicht der Historiker ist dieser Zusammenhang schlicht irreführend und falsch. Peter Bülter sagte nun in Nideggen: „1999, als der Stein aufgestellt wurde, war die Rolle der Wehrmacht bekannt, man wusste von den Verbrechen.“ Und laut Inschrift dienten beide Seiten „auf einmal nur noch der Gewinnung des Friedens“.

Gudrun Zentis (Grüne) war wie die MfN-Fraktion der Meinung, das Denkmal entfernen zu lassen. Sie verwies auch auf die Dimension der Angelegenheit, die inzwischen weit über die Grenzen der Stadt hinausgehe.

Eduard Müllejans (SPD), der als einziger heute noch aktiver Politiker die Einweihung der Gedenkstätte in Schmidt miterlebte, hat eigene Recherchen angestellt. Er habe herausgefunden: „Die Amerikaner haben den Text entworfen.“ Die „gereichten Hände“ seien Zeichen der „Vergebung, Versöhnung und Völkerverständigung“. Wenn jetzt etwas geändert werden sollte, „müssen wir die Amerikaner einbinden“. Die Bevölkerung in Schmidt ist laut Müllejans mehrheitlich dagegen, das Denkmal zu entfernen. Gleichwohl sehe man die dringende Notwendigkeit, den missverständlichen Text einzuordnen und geradezurücken. Sein Vorschlag lautet daher, einen zweiten gestifteten Stein neben das vorhandene Denkmal zu stellen und hier eindeutig die historische Sachlage zu erklären. Ähnlich argumentierte Bert van Londen (CDU): „Wir sind dagegen, das Denkmal kommentarlos verschwinden zu lassen. Der Stein ist auch ein Zeitdokument“, das aber „dringendst kommentiert werden muss“. Udo Hensch (FDP) bewegte sich zwischen den Polen: „Die Inschrift ist nicht tragbar.“ Er sprach sich dafür aus, „den Stein abzudecken“ oder die Texttafeln entfernen zu lassen und dann eine Masterarbeit zu beauftragen, die klärt, ob und wie das Denkmal historisiert – also geschichtlich eingeordnet – werden kann. Das entsprach dem Vorschlag der Nideggener Verwaltung, der am Ende mehrheitlich beschlossen wurde.

06.02.2020 / Dürener Nachrichten / Seite 15 / DÜREN