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Lagerstraße: Einmal wörtlich genommen

„Ampel“ übt scharfe Kritik an Missständen im und um den Güterschuppen. Stadt nimmt Eigentümer in die Pflicht.

Düren Im Rahmen des Masterplans hat die Stadt nicht nur für das Bahnhofsquartier zwischen Josef-Schregel-Straße und dem südlichen Bahnhofseingang ambitionierte Pläne. Auch zwischen Lagerstraße und Schoellerstraße soll sich in den kommenden drei bis fünf Jahren einiges bewegen. Von einem „Innovationsband“ ist die Rede, in dem Projekte zu den Leitthemen Arbeiten und Lernen der Zukunft, Klimaneutralität, nachhaltiges Bauen, Digitalisierung und innovative Mobilität umgesetzt werden sollen. Beispielsweise plant der Kreis Düren bekanntlich direkt an der Lagerstraße den Neubau des Nelly-Pütz-Berufskollegs. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik.

Derzeit ist ein Großteil des Geländes ein privat bewirtschafteter Schotterparkplatz, der im Bereich des früheren Güterschuppens einer wilden Müllkippe gleicht, wie die „Ampel“-Koalition zu Recht anprangert. „Das Gelände wurde von der Deutschen Bahn bereits vor längerer Zeit an einen privaten Investor verkauft“, betont Georg Schmitz, stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Stadtrat. „Obwohl dieser regelmäßig auf bestehende Probleme hingewiesen wurde, kommt er seinen Pflichten als Grundstückseigentümer nicht nach.“

Wilder Müll im Gebüsch, der durchaus geeignet ist, Ratten anzulocken, ist dabei nur ein Ärgernis. Am Dienstag lag ein zerborstener Kühlschrank vor dem baufälligen Güterschuppen, der seit Wochen offen steht und immer wieder Tummelplatz unterschiedlichster Gruppen ist. „In und an der Halle werden Drogen konsumiert und gehandelt“, hat Georg Schmitz festgestellt, auch Kinder und Jugendliche hielten sich immer wieder in dem baufälligen Gebäude auf. Zudem habe es bereits des Öfteren in der Halle gebrannt.

Ein Dorn im Auge sind der „Ampel“ auch die vor dem Güterschuppen abgestellten Lkw-Trailer. Dem Vernehmen nach hat der private Parkplatzbetreiber, der das Areal vom dem Investor gepachtet hat, einen Teil der Fläche an einen Spediteur weitervermietet.

„In und an der Halle werden Drogen konsumiert und gehandelt.“

Georg Schmitz, Grüne, über den
Güterschuppen an der Lagerstraße

Am Dienstag standen acht Trailer vor dem Güterschuppen, einer mit offenen Ladetüren. Gurte zur Sicherung der Ladung lagen verstreut auf dem Boden. Kein Einzelfall, wie die Grünen betonen. Zudem würden dort immer wieder massiv beschädigte Fahrzeuge ohne Nummernschild abgestellt, die eine zusätzliche Gefahr für Mensch und Natur darstellten. Wie ein Mitarbeiter des Parkplatzbetreibers am Dienstag erklärte, sei der Investor bereits mehrfach auch von seiner Firma auf die Missstände aufmerksam gemacht worden, ohne dass etwas geschehen sei.

Nun eine Ordnungsverfügung

Mittlerweile hat die Stadt reagiert. Weil Gefahr im Verzug sei, wie Rechtsdezernentin Christine Käuffer auf Anfrage mitteilte, werde der Grundstückeigentümer nun per Ordnungsverfügung aufgefordert, die Missstände umgehend zu beheben, andernfalls werde die Stadt tätig und ihm die Kosten in Rechnung stellen.

Dem Vernehmen nach hatte der Investor bereits im vergangenen August gegenüber der Stadt angekündigt, den baufälligen Güterschuppen abzureißen, nur geschehen ist seitdem nichts.

Am besten wäre es aus Sicht von Georg Schmitz, wenn sich Stadt und Kreis, die das Areal gemeinsam in den kommenden Jahren als „Innovationsband“ entwickeln wollen, sich mit dem aktuellen Eigentümer über einen Kauf des Grundstückes einigen könnten, zumal die Vorstellungen von Stadt und Investor für das Gelände ohnehin weit auseinanderliegen.

05.02.2020 / Dürener Zeitung / Seite 15 / DÜREN