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Dialog mit Menschen anderer Länder

Das Mädchengymnasium Jülich ist seit 2008 zertifizierte Europaschule. Auslandskontakte und Austauschprogramme.

Jülich Europa bedeutet für Fatima Daher Gemeinschaft und gegenseitiger Respekt. Diese Werte erfährt die Achtklässlerin auch innerhalb ihrer Schule – dem Mädchengymnasium Jülich (MGJ). Egal wie alt oder in welcher Stufe die Schülerinnen sind – „wir helfen uns gegenseitig und tauschen uns aus“, sagt Daher.

Das Mädchengymnasium Jülich ist seit 2008 zertifizierte Europaschule. Das bedeutet nicht nur Begegnung und Dialog mit Menschen anderer Länder und Kulturen, sondern auch eine europaorientierte und interkulturelle Erziehung junger Menschen. „Wir haben viele Auslandskontakte, bieten Austauschprogramme für jede Sprache und Auslandspraktika an“, erklärt Martina Kwirant, die als Europa-Koordinatorin am MGJ fungiert. Zusätzlich bietet das Mädchengymnasium bilingualen Unterricht an – also zum Beispiel Biologie auf Englisch.

Über Grenzen hinaus

„Wir sprechen über viele europäische Themen und blicken über die Grenzen hinaus“, beschreibt auch Stefanie Klein den Unterricht des Mädchengymnasiums. Sie besucht die elfte Klasse. Ihre Eltern stammen aus Rumänien. Klein ist mit zwei Kulturen aufgewachsen. „Ich bin mit Rumänien aber auch mit Deutschland tief verbunden“, sagt die Schülerin.

„Es ist wichtig, dass wir eine Kultur mit anderen Ländern teilen und zusammenhalten.“

Lea-Marie Kupczyk,
Schülerin am MGJ

Im vergangenen Jahr machte sie ein Praktikum in Rumänien. Zu ihren Aufgaben gehörten auch unterschiedliche Jugend- und Kinderprojekte. „Ich möchte mich auch in meiner Zukunft mit dem Austausch zwischen Rumänien und Deutschland beschäftigen.“

Auch für Lena Strick heißt Europa Zusammenarbeit und Zusammenhalt. „Auch die zahlreichen Flaggen im PZ erinnern uns immer wieder an Europa“, erzählt sie. Und in Zeiten, in denen auch in Europa und auch in Deutschland immer weiter nach rechts gerückt wird, sei es wichtig, dass es solche Europaschulen gibt.

Bedauerliche Vorurteile

Fatima Daher beschäftigt vor allem das Thema Migration. „Ich finde es sehr schade, dass es so viele Vorurteile gegenüber Flüchtlingen gibt“, erklärt sie. Nebenbei engagiert sie sich beim Jugendparlament der Stadt. „Wir machen viele soziale Projekte, arbeiten mit Altenheimen oder dem Kulturbahnhof zusammen“, erläutert sie.

Im Zuge des Patronatsfestes, das jedes Jahr am Mädchengymnasium stattfindet, hatte sich Anne-Sophie Thouet für das Wandern in der Euregio entschieden. Die Schülerin wanderte mit anderen von Moresnet zum Dreiländereck. „Ich finde es wichtig, nicht nur mit der eigenen Klasse zusammen zu sein, sondern auch mit anderen Schülerinnen.“

Jedes Jahr wird im Mädchengymnasium das Europafest gefeiert. Dieses Mal steht Kroatien im Mittelpunkt. Die Sechstklässlerin Manuela Kempf freut sich: „Man lernt ganz viel über andere Länder. Und an manchen Ständen gibt es auch kulinarische Spezialitäten“, sagt sie.

„Wir müssen uns als Europaschule alle fünf Jahre rezertifizieren“, sagt Kwirant. Dabei müsse sich die Schule immer weiterentwickeln und den Schülerinnen neue Möglichkeiten anbieten. Durch die Zertifizierung zur Europaschule setze man ein deutliches Signal in Zeiten antieuropäischer Stimmung. „Das ist eine Säule, auf die wir stolz sein können. Durch Austauschprojekte wollen wir das bewusst nach außen tragen. Und hoffen natürlich, dass unser Einsatz gesehen wird“, sagt Andreas Wergen, Englisch- und Geschichtslehrer.

Bei den Schülerinnen kommt dieses Engagement auf jeden Fall an. „Viele von uns haben Wurzeln aus anderen Ländern. Und hier wird man respektiert, egal woher man kommt“, sagt Lea-Marie Kupczyk. Dass Deutschland die EU verlassen oder Europa irgendwann zerbrechen könnte, will sich die Achtklässlerin gar nicht vorstellen. „Es ist wichtig, dass wir eine Kultur mit anderen Ländern teilen und zusammenhalten.“

Europa-Serie

Wie profitieren
wir von Europa?

Am 26. Mai findet die Europawahl statt. Was denken Erstwähler über Europa? Wie profitieren wir im Alltag von Europa? Was bedeutet der Brexit für uns? Wie erleben binationale Paare Europa? Wie abhängig sind Unternehmen aus dem Kreis Düren von einem vereinten Europa? Diese und weitere Fragen wollen wir bis Ende Mai in unserer Serie zur Europawahl auf den Grund gehen.

15.04.2019 / Jülicher Zeitung / Seite 23 / JÜLICH