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„China-Germany-Story“ : Der chinesische Fotograf Steve Zhao stellt im Museum Zitadelle seine Sicht auf zwei Länder aus. Einblicke in Gemeinsamkeiten.

Jülich. Mit großem Bahnhof feierten Abordnungen aus Jülich und Taicang im Museum Zitadelle gleichzeitig eine Reihe bedeutender Ereignisse: Das 45. Jahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Deutschland, das 25. Jahr seit Beginn der Zusammenarbeit der Stadt Taicang und Deutschland und die noch sehr junge Städtepartnerschaft zwischen Taicang und ihrer „ersten deutschen Freundschaftsstadt“, nämlich Jülich.

Zusammenarbeit vertiefen

Die längste Rede, aus unterschiedlichen Facetten betrachtet, hielt Taicangs Vize-Bürgermeister Wei Guoling, der den Wunsch der Stadt Taicang betonte, die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen Jülich und Taicang zu vertiefen. Ein Projekt im Rahmen besagter Kulturaktivitäten ist die Ausstellung „China-German-Story – Start from Taicang“ im Schlosskeller.

Nichts zu beanstanden

„Germany is a wonderful country. You have nothing to complain.“ (Deutschland ist ein wundervolles Land. Sie haben nichts zu beanstanden). Das betonte der chinesische Fotograf Steve Zhao, der mit seinem Fotoprojekt „China Story“ bereits internationale Anerkennung erlangte. Aus Anlass der entstehenden Städtepartnerschaft Jülich – Taicang erweiterte Zhao seine unvoreingenommene Gegenüberstellung chinesischer und deutscher Aspekte aus der Innen- und Außenansicht eines Chinesen, der in Amerika studiert hat, um den Teilbereich „Start from Taicang“.

Die sehenswerte Ausstellung zeigt zunächst 16 Fotopaare im Situationsvergleich, wobei der Blick auf die Gemeinsamkeiten betont wird, wie Museumsdirektor Marcell Perse herausstellte. Motivbeispiele sind politische Empfänge, Architektur, Denkmäler, Brauchtum und Kultur. Als erstes Foto fällt eine Aufnahme der Zitadelle aus der Vogelperspektive in den Blick, darunter der Ausfahrtsort für den berühmten altchinesischen Seefahrer Zheng He in den westlichen Ozean. Im Gespräch stellte der Künstler des Weiteren ein Bildpaar heraus, das einen chinesischen Schüler einer Gruppe deutscher Schüler auf dem Schulweg gegenüberstellt, beide in Rückenansicht aufgenommen. Der direkte Vergleich zeigt kaum einen Unterschied. Alle Schüler tragen schwere Schulranzen auf dem Rücken, bei beiden lautet die mit Blick auf die Zukunft ausgerichtete Botschaft: „They are working hard“ (Sie arbeiten hart).

Ein weiterer Bildvergleich zeigt deutsche und chinesische Straßenkehrer in ihrer jeweils typischen Arbeitskleidung. Während der deutsche Straßenkehrer einen Rollwagen mit Besensammlung schiebt, zieht der Chinese neben einer großen Handschaufel einen dicht gebundenen Reisigfeger hinter sich her.

Interessant ist auch ein sogenannter „offener Bücherschrank“ in einer ausgedienten Telefonzelle in Schramberg und eine Bibliothek mit Selbstbedienung in einem Kiosk in China.

15 Aufnahmen porträtieren die Hafenstadt Taicang mit ihren modernen Residenzen. 13 Fotos nehmen Deutsche in den Blick, die in der „Goldenen Kornkammer Südchinas“ (nahe Shanghai) leben, dem Ort in China mit der größten Konzentration mittelständischer deutscher Unternehmen. Erster deutscher Unternehmer in Taicang war 1993 Kern Liebers. Fotobeispiele sind die typisch deutsche Bäckerei „Brotecke“ oder das „German Schindler Restaurant“.

Dialog der Kulturen

Die auf einen Dialog der Kulturen abzielende Herangehensweise Zhaos ist der des deutsch-chinesischen Künstlers Ren Rong ähnlich, den das Museum Zitadelle in seinem thematischen Rahmen der interkulturellen Verständigung zeitgleich zeigt. Chinesische Musikbeiträge und der Austausch wertvoller Geschenke zwischen Wei Guoling und seinem deutschen Amtskollegen Martin Schulz bereicherten die Vernissage. (ptj)

31.07.2017 / Jülicher Zeitung / Seite 13 / Lokales Jülich