Lesen. Suchen. Sammeln

Frank Kozian hält bei den Grünen alle Fäden in der Hand

Der Vorsitzende des Übach-Palenberger Ortsverbandes und ehemalige Bürgermeisterkandidat hat nun auch in der Fraktion das Sagen

Übach-Palenberg. Es gibt nicht viele bekannte Gesichter in Übach-Palenberg, die für grüne Politik stehen. Und als Rainer Rißmayer Ende des vergangenen Jahres bekanntgab, in Zukunft auf den Fraktionsvorsitz verzichten zu wollen, war die Auswahl an möglichen Nachfolgern entsprechend klein. Die große Überraschung blieb dann bei der Mitgliederversammlung vergangene Woche auch aus: Neuer Fraktionsvorsitzender ist Frank Kozian, und zwar mit Wirkung zum 1. Februar. Seinen Verbandsvorsitz behält Kozian, womit er spätestens ab Donnerstag die entscheidende Figur ist, wenn es in Übach-Palenberg grün zugeht.

Schnellschüsse statt Maßarbeit

Der Grund für Rißmayers Amtsniederlegung ist schnell zusammengefasst: Es fehlt die Zeit, was zunächst an beruflicher Veränderung liegt. Oft hält der Diplom-Sozialpädagoge sich mittlerweile im Ausland auf, was für eine gute Erreichbarkeit und schnelles Reagieren nicht gerade ein Vorteil ist. Auf der anderen Seite sei der notwendige Zeitaufwand gestiegen, sagt er, und schlägt damit den Bogen zur aktuellen Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und die immer lauter werdende Kritik an deren Gebaren, wenn es um Informationen gibt. „Unter Paul Schmitz-Kröll konnte man dem, was die Verwaltung ausgearbeitet hat, einfach glauben. Heute ist das nicht mehr gegeben. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass gelogen wird, aber damit, dass oft Schnellschüsse abgegeben werden und Verwaltungsvorlagen schlecht ausgearbeitet sind“, kritisiert er.

Rißmayers Nachfolger Frank Kozian sieht sich zeitlich eher in der Lage, diesen Anforderungen gerecht zu werden. In der Vergangenheit seien viele Dinge, die eigentlich in Rißmayers Zuständigkeit gefallen wären, ohnehin schon bei ihm gelandet. Umgekehrt gilt, dass Kozian weiterhin auf Rißmayers Knowhow zurückgreifen kann und wird. Rißmayer ist der deutlich erfahrenere Stadtverordnete, 1999 zog er als völlig Unbekannter in den Rat ein. „Ich war erst ein paar Monate zuvor nach Übach-Palenberg gezogen und kannte nicht einmal die Stadtteile“, sagt er. Doch er nahm sein Mandat ernst, kniete sich in die Themen rein und kann heute fundierte Kenntnisse über die Vorgänge und Entwicklungen der vergangenen knapp 20 Jahre vorweisen. Frank Kozian hingegen ist seit der Kommunalwahl im Jahr 2014 in Übach-Palenberg stadtbekannt, damals kandidierte der Soldat und Flugsicherheitsexperte für die Grünen als Bürgermeister. Erwartungsgemäß landete er bei der Stimmenauszählung hinter Amtsinhaber Wolfgang Jungnitsch (CDU) und dem SPD-Kandidaten Ralf Kouchen. Es blieb das Ratsmandat.

Platanen und Outbaix-Ruine

Kozian macht ebenfalls deutlich, wie genau man als Oppositionspolitiker in Übach-Palenberg hinsehen muss. Als Beispiel nennt er die Platanenfällung an der Roermonder Straße im vergangenen Herbst, über die Rat und Öffentlichkeit erst auf den letzten Drücker informiert wurden, obgleich in der Verwaltung seit langem bekannt war, dass Dutzende Bäume gefällt werden müssen. Und dann ist da ja noch der schon etwas länger zurückliegende Erwerb der Outbaix-Immobilie durch die Stadt bei einer Zwangsversteigerung. „Es hieß: Wir müssen heute noch bieten, sonst kaufen die Hells Angels die Immobilie. Es gab keine vernünftige Planung und keinen Kostenvoranschlag, nichts“, erinnert er sich. Die Politik jedoch winkte die Eilentscheidung durch, seitdem verfällt das Gebäude. Dabei wissen Rißmayer und Kozian, dass es Interessenten gibt, die gerne wieder eine Kulturstätte aus dem Outbaix machen würden. Die Hells Angels sind nicht gemeint.

Immerhin: Die beiden Grünen sehen erste Anzeichen, dass Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) seiner zum Jahreswechsel geäußerte Ankündigung, die Verwaltung aus der Kritik zu holen, Taten folgen lässt. Die politischen Gremien tagen in Übach-Palenberg dieses Jahr erst in der zweiten Februarhälfte erstmals, was sehr spät ist. Dennoch seien schon jetzt zahlreiche Informationen zu anstehenden Themen an die Ratsleute gegangen. „Die Stadt gibt sich im Moment wirklich Mühe“, sagt Kozian.

Dennoch gilt bis auf Weiteres, dass Vertrauen gut sein mag, aber Kontrolle besser ist.

„Brauchen jemanden, der Gräbenzuschüttet

Es ziehen noch mehr als zwei Jahre ins Land, bis wieder Kommunalwahlen sind. Dass das in politischen Maßstäben nicht allzu viel ist, wird im Gespräch mit Kommunalpolitikern deutlich, die sich zunehmend mit dem Thema beschäftigen. Das gilt auch für Frank Kozian und Rainer Rißmayer. Sie können sich vorstellen, zusammen mit anderen Fraktionen, und zwar explizit auch der CDU, einen gemeinsamen Kandidaten zu unterstützen. „Im Rat sehe ich den aber nicht“, sagt Frank Kozian. „Übach-Palenberg braucht jemanden, der die Gräben zuschüttet.“

30.01.2018 / Geilenkirchener Zeitung / Seite 15 / LOKALES GEILENKIRCHEN