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Besucher stoßen auf Freundschaft an

Empfang im Foyer des alten Rathauses anlässlich der Unterzeichnung des Aachener Vertrages ist voller Erfolg

Stolberg Bei gutem Wein und französischer Musik in Gespräche vertieft den Abend genießen: So könnte man den Empfang im Foyer des alten Rathauses beschreiben, der anlässlich der Unterzeichnung des Aachener Vertrages organisiert wurde. Über 100 Besucher feierten die deutsch-französische Freundschaft gemeinsam, unter ihnen Politiker und Mitglieder der Partnerschaftskomitees, aber auch gebürtige Franzosen, die mittlerweile in Stolberg leben.

Die stellvertretende Bürgermeistern der Stadt, Karina Wahlen, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter, machte anschließend auf die Bedeutung der engen Verbundenheit beider Länder aufmerksam. Er freute sich über ein „Bekenntnis zu ihrer gemeinsamen Zukunft“ und ein deutliches Zeichen für Europa, für den Frieden und für die Freiheit.

Der ungezwungene Austausch im alten Rathaus, das mit Deutschland-, Frankreich- und Europafahnen geschmückt war, setze ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung der Freundschaft über die großen politischen Gipfel hinaus. „Diesen wichtigen Tag wollten wir deshalb im Kleinen mit den Menschen vor Ort feiern, um die Relevanz auch von unserer Seite aus zu bezeugen“, betonte Voigtsberger. Unter den Gästen befanden sich auch der Franzose Alexandre Moreau, der für die kulinarischen Spezialitäten sorgte, und der Europaabgeordnete Arndt Kohn, der in Anspielung auf den französischen Präsidenten Macrönchen beisteuerte.

  Dass so viele Leute der Einladung gefolgt waren, bestätigte ihn und die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen. „Rechnen konnte man damit nicht, aber umso glücklicher sind wir, weil es zeigt, dass wir mit dieser Idee richtig lagen“, sagte Voigtsberger. Wahlen machte ausdrücklich auch die Partnerschaftskomitees für den Erfolg mit verantwortlich: „Die Partnerschaften zeichnet aus, dass man Seite an Seite steht und gemeinsam in die Zukunft geht.“ Wichtig sei dabei vor allem, die Jugend zu sensibilisieren, in den Komitees aktiv zu werden. „Wir müssen ihnen klar machen, dass das, was wir heute haben, nicht selbstverständlich ist“, unterstrich Voigtsberger.

 

Stolberg in französischer Zeit

 

Um die Geschichte der beiden Länder greifbarer zu machen, war auch Christian Altena vor Ort. Der Stadtarchivar präsentierte unter anderem Zeugnisse aus der französischen Zeit Stolbergs. Ein Personenstandsregister aus dem Jahre 1800 in Originalzustand und in französischer Sprache war ein besonderer Blickfang. „Unsere Verwaltung fußt im Wesentlichen auf der von Franzosen eingeführten Verwaltung“, erklärte Altena. Auch Akten, Urkunden und Geschenke, die aus den Städtepartnerschaften hervorgegangen sind, verbergen sich in den Räumen unter dem Foyer.

Ereignisse wie dieses sind für Altena eine schöne Möglichkeit, seine Arbeit zu präsentieren. „Es ist immer meine Maxime, dass es ein Archiv zum Anfassen ist“, sagte er. Dieser französische Empfang sei eine gute Gelegenheit, die Breite des Archivs zu präsentieren. Ob auch der Aachener Vertrag in die Geschichtsbücher eingeht? „Das ist ein ganz großartiger Tag und ich hoffe, dass er sich als Meilenstein entwickelt“, stellt Altena fest. Die Besiegelung der Freundschaft sei die richtige Sache zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Dass so viele Besucher im alten Rathaus erscheinen, hatte Altena erwartet: „Ich schätze die Stolberger so ein, dass sie da große Lust drauf haben.“

Etwas überraschend fand Stefan Schmitz den Zulauf – vor allem bei dem verschneiten Wetter. Der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Valognes war bereits zum Schulaustausch in Frankreich und hat während seines Studiums ein Semester in Grenoble verbracht. „Seither habe ich den Kontakt zu Frankreich immer gehalten“, erzählt Schmitz. Der Aachener Vertrag habe eine besondere Bedeutung und tue vor allem symbolisch gut. „Meine Eltern sind die Generation des Élysée-Vertrages“, berichtet er. Der Aachener Vertrag könne ebenfalls über Jahre hinaus wirken und den 23. Januar möglicherweise als regelmäßigen „Feiertag“ etablieren.

Auch Gisela Kopp, Vorsitzende des Komitees Faches-Thumesnil, ist begeistert von der neuerlichen Bekundung der Freundschaft. Mit der Partnerstadt verbinde die Stolberger nach wie vor ein reger Austausch. „Es sind viele Freundschaften entstanden, das ist ja der Sinn der Sache“, erzählt sie glücklich. In 30 Jahren habe man schon viele tolle Dinge gemeinsam erlebt. Die Unterzeichnung des Aachener Vertrages durch Merkel und Macron dürfte Deutsche und Franzosen nun noch näher zusammenbringen.

25.01.2019 / Stolberger Nachrichten / Seite 15 / LOKALES