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Namensgeberin und großartiges Vorbild

Gesamtschule Kohlscheid nach der berühmten Naturalistin Maria Sibylla Merian benannt. Tag der offenen Tür.

Herzogenrath Sie war eine Pionierin ihrer Zeit: Maria Sibylla Merian, Tochter des berühmten Frankfurter Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian dem Älteren. Jetzt ist die Naturforscherin auch Namensgeberin der Gesamtschule in Kohlscheid, die so ihr Profil unterstreichen möchte. Maria Sibylla Merian, die „Schmetterlingsfrau“, steht für die Ausrichtungen der Kohlscheider Gesamtschule, die zwar als MINT-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) firmiert, sich aber gleichfalls auch der Vermittlung künstlerischer und gesellschaftlicher Aspekte verpflichtet sieht. „Merian bietet da als Vorbild einiges“, sagt Gesamtschuldirektorin Barbara Onkels: „Sie hat nicht nur zur Entwicklung der Schmetterlinge geforscht, sondern war auch eine hervorragende Kupferstecherin und Zeichnerin. Und sie hat sich als Geschäftsfrau selbstständig gemacht.“ Wobei sie es schon als junges Mädchen verstand, trotz aller Einschränkungen, denen Frauen im 17. Jahrhundert unterlagen, und einer schweren Kindheit nach dem frühen Tod des Vaters in einem an den Folgen des 30-jährigen Kriegs leidenden Land ihren Weg zu gehen. In einer Zeit, in der Insekten für „Teufelsgetier“ gehalten wurden, beschäftigte sie sich mit Spinnen und Würmern, züchtete Seidenraupen und entdeckte, dass aus anderen Raupen noch viel schönere Schmetterlinge als der Seidenspinner hervorgehen. Metamorphosen, wie sie zu Merians Zeit nahezu unbekannt waren. Minutiös hielt die talentierte Künstlerin die Entwicklungsstadien auch zeichnerisch fest, was in diverse Buchveröffentlichungen mündete. „Maria Sibylla Merian war auch Schulgründerin für junge Mädchen“, berichtet Onkels. Wobei sie durchaus Raffinesse entwickeln musste: Da es Frauen zu jener Zeit nicht erlaubt war, in Öl zu malen, verwies Merian darauf, mit Blüten- und Insektendarstellungen Stickvorlagen für ihre Schülerinnen zu schaffen.

Demokratischer Prozess

Ein „hochdemokratischer Prozess“ sei die Schulnamensgebung gewesen, sagt Onkels: Mehrere Umfragen habe es bei Schülern, Eltern und Lehrern gegeben. In der Schulkonferenz sei die letzte Abstimmung erfolgt, Schulträger und -ministerium gaben grünes Licht. Persönlichkeiten wie Moritz Honigmann (der in Düren gebürtige Unternehmer, der eine Laboranlage für Ammoniaksoda und eine feuerlose Natron-Lokomotive entwickelte und sich später der Leitung des Merksteiner Steinkohlenbergwerks Nordstern widmete), Luftfahrtpionier Otto von Lilienthal und Cäcilie Fröhlich (Elektroingenieurin und Mathematikerin, die 1937 als Jüdin aus Deutschland flüchtete und in den USA Hochschuldozentin wurde) waren dabei.

Den Zuschlag erhielt die Schmetterlingsfrau. „Mit dieser Entscheidung sind alle zufrieden“, sagt Onkels. Ein Logo und eine Flagge mit einem Porträt Merians sind in Arbeit. Bücher über ihr Leben und Wirken stehen neu angeschafft in der Präsenzbibliothek, Zeichenvorlagen ihrer Werke gibt es für künstlerische Projekte in der Oberstufe. Das offizielle Namensgebungsfest hat sich die Schule für den 2. April aufgehoben, den 371. Geburtstag der Maria Sibylla Merian, deren Konterfei einst auch den 500-Mark-Schein zierte.

Aber auch schon der am Samstag, 1. Dezember, anstehende Tag der offenen Tür steht mottomäßig im Zeichen der berühmten Naturalistin: „Verwandlung zur bunten Vielfalt“ – die „Metamorphose“ von Fünftklässlern zu hoffnungsfroh ins Leben gehenden Abiturienten versinnbildlichend. 776 Schüler und 64 Lehrer zählt die Kohlscheider Gesamtschule mittlerweile, die 2012 an der Kircheichstraße gegründet wurde und als zweiten Standort das Schulgebäude an der Pestalozzistraße bezogen hatte. „Beide Gebäude sind mittlerweile voll“, sagt Direktorin Onkels. Der nächste Oberstufenjahrgang sei noch zu verkraften, „danach wird es sehr eng“.

Erster Oberstufenjahrgang

Der erste Oberstufenjahrgang indes ist gut gestartet, berichtet die im Sommer eingestellte Oberstufenkoordinatorin Dr. Sabine Arlt, die sich über ein innovationsbereites Kollegium freut. Und über die gute Unterstützung seitens der Stadt, ergänzt sie mit Blick auf jetzt zugesagte technische Ausrüstung durch WLAN, Touchscreens und Tablets. Die Diplom-Biologin, die zum Thema Blut promovierte und zunächst am Aachener Uniklinikum in der Lehre tätig war, sich dann für einen Wechsel entschied, hat an der Gesamtschule Laurensberg bereits drei Jahrgänge zum Abitur geführt. Ein Schwerpunkt der Gesamtschule ist ihr besonders wichtig: auch Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien Chancen auf Abitur und Studium zu bieten. Ein neuer Flyer informiert über die besondere Unterstützung von Schülern in der dreijährigen gymnasialen Oberstufe der Gesamtschule mit Einführungs- und Qualifikationsphasen, für die ab 12. Februar Anmeldungen möglich sind. Das gute Angebot im Ausbildungs- und Lehrbereich in der Region goutiert Arlt als großen Vorteil, um Schülern im Zuge von Firmenpartnerschaften wichtige Einblicke in die Berufswelt bieten zu können.

Generell wird Schülern über den Unterrichtsstoff hinaus eine breite Palette an Infos geboten – von beruflicher Orientierung über gesundheitliche Aspekte bis zu Gefahren von Sucht und im Straßenverkehr. Auch das Thema Schüleraustausch hat an der Kohlscheider Gesamtschule Gewicht bekommen, wie Direktorin Onkels darlegt: „Wir müssen eben auch Angebote machen, wie es sie auf dem Gymnasium gibt.“ So sind jetzt 21 Schüler aus dem australischen Adelaide in Herzogenrath zu Gast gewesen. Der Gegenbesuch mit Schülern der Merian-Gesamtschule steht vor Ostern an, 14 Plätze stehen zur Verfügung, die kein preiswertes Unterfangen darstellen – aber in kürzester Zeit vergeben gewesen seien, wie Onkels und Arlt darlegen. Ein Austausch mit der Partnerstadt Bistritz ist in Planung, das Schülermannschaften zum Eurode-Cup nach Herzogenrath entsendet. Gute Kontakte bestehen zum Grotius College in Heerlen. Und es gibt Wochenendfahrten nach London. So dass für jeden elterlichen Geldbeutel etwas dabei wäre. Normale Klassenfahrten würden über das Bildungs- und Teilhabepaket ohnehin für jeden ermöglicht. > www.maria-sibylla-merian-gesamtschule.de/

Bodensanierung abgeschlossen

Zuversichtliche Prognose: Erweiterungsbau ist bis Sommer 2020 fertig

Ein Blick auf die Gesamtschulerweiterung: Die von der Aachener SST GmbH koordinierte Sanierung des Untergrundes ist mittlerweile beendet. 58 Probebohrungen über insgesamt 2850 Meter wurden vorgenommen, 115 Tonnen Dämmer, ein zähflüssiger Zement, sind in die gefundenen Hohlräume verpresst worden, wie Felix Becker, Rohstoffingenieur bei SST, auf Anfrage mitteilt. Im Schulbereich verlaufen die Schächte Groß-Langenberg, Geelarsch und Meister, die insgesamt fünfmal zutage treten und von denen Letzterer den größten Verfüllungsbedarf hatte. Bezüglich der Kosten rechnet die Stadt mit einer wesentlichen Rückerstattung durch die Bezirksregierung Dortmund/Arnsberg.

Was die Erweiterung selbst angeht, so erläutert der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, ist das Bieterverfahren abgeschlossen, seien „sehr positive“ Bewerbungen eingegangen mit unterschiedlichen Planungsansätzen. Intensive Bietergespräche sollen zum Jahreswechsel geführt werden. „Nach aktuellem Stand“, so Migenda, könne man davon ausgehen, dass die „ehrgeizig avisierte“ Zeitschiene mit Schulfertigstellung im Sommer 2020 eingehalten werde.

Tag der offenen Tür an der Kircheichstraße ist am Samstag, 1. Dezember, 9 bis 13 Uhr. Viertklässler und Eltern sind eingeladen. Ebenso Schüler, die an der Oberstufe interessiert sind. Für sie findet am 15. Januar, 19.30 Uhr, ein Infoabend am Standort Pestalozzistraße statt.

28.11.2018 / Aachener Zeitung - Nordkreis / Seite 13 / NORDKREIS