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Auseinandersetzung von zwei gegen 30 Personen

Polizei Aachen ermittelt nach Streit am Elisengarten zwischen Rechten und Linken in alle Richtungen

Aachen Einen Tag nach der körperlichen Auseinandersetzung am Elisengarten zwischen Angehörigen der rechten und linken Szene werden mehr Details bekannt. Nach Zeugenaussagen und ersten Ermittlungen der Polizei handelte es sich dabei um einen Streit zwischen zwei als rechtsextrem bekannten Männern und einer Gruppe von rund 30 zum Teil vermummten Personen.

Gegen 14.30 Uhr war die Polizei zu der Schlägerei in der Ursulinerstraße gerufen worden (wir berichteten). Beim Eintreffen der Streifenwagen befanden sich nach Mitteilung der Polizeipressestelle von Montag nur noch zwei verletzte Personen aus dem rechten Spektrum und unabhängige Zeugen vor Ort. Die Verletzten mussten ärztlich behandelt werden. Einer befindet sich aktuell noch im Krankenhaus.

Nach den bisherigen Ermittlungen des Aachener Staatsschutzes seien an der Schlägerei eine Gruppe von etwa bis zu 30, teils mit Schals und Mützen vermummten Personen auf der einen und die beiden Verletzten, die der neonazistischen Organisation „Syndicat 52“ angehören, auf der anderen Seite beteiligt gewesen, teilt Sandra Schmitz von der Polizeipressestelle mit. Zumindest einer aus der Gruppe solle mit einer Flasche zugeschlagen haben. Anschließend seien die Personen in Richtung Markt geflüchtet. Die Zeugen beobachteten, dass einer der Verletzten während der Schlägerei ein Messer in der Hand hielt. Bei seiner Durchsuchung fanden die Beamten ein Taschenmesser sowie Pfefferspray. Der zweite Verletzte trug Quarzsandhandschuhe. Alle Gegenstände wurden zur Gefahrenabwehr sichergestellt. Von wem die ursprüngliche Aggression ausging, sei noch unklar, erklärt Polizeisprecherin Schmitz.

Anzeigen gegen unbekannt

„Die beiden Verletzten geben natürlich an, dass sie angegriffen worden seien“, berichtet Polizeisprecherin Sandra Schmitz auf Nachfrage unserer Zeitung. Personen aus der anderen Gruppe hätten nicht mehr befragt werden können, so Schmitz, da sie sich nicht mehr am Tatort befanden. Das Entfernen vom Tatort und auch das Größenverhältnis von zwei gegen 30 Personen werteten die Ermittler derzeit als Indizien für einen Angriff seitens der größeren Gruppe aus dem linken Spektrum. „Ihre eigene Bewaffnung erklärten die Verletzten bei der Vernehmung als Mittel zur Selbstverteidigung“, berichtet Schmitz weiter. Ermittelt werde aber in alle Richtungen. „Die Strafanzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs laufen gegen unbekannt.“

Denn eine Pressemitteilung der Antifaschistischen Information Aachen stellt den Sachverhalt anders dar. In der Mitteilung heißt es, die beiden Rechtsextremen hätten eine Gruppe vermeintlicher Demonstrationsteilnehmer der zeitgleich stattfindenden Kundgebung unter dem Motto „Frauenkampftag“ angegriffen. Einer habe dabei versucht, mit einem Messer zuzustechen, der andere habe mit Faustschlägen Menschen verletzen wollen. „Nur durch couragiertes Einschreiten der Umstehenden konnten schwere Verletzungen verhindert werden“, heißt es in der Mitteilung, in der als Motiv der beiden Angreifer „offensichtlich ihr Hass auf Linke und Andersdenkende“ angegeben wird.

Zur Aufklärung des Geschehens bittet die Polizei nun Zeugen um Mithilfe. Wer sachdienliche Hinweise zu dem Sachverhalt geben kann, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0241/9577-35101 bei den Ermittlern oder außerhalb der Bürozeiten unter 0241/9577-34210 bei der Kriminalwache zu melden. (hr)

10.03.2020 / Aachener Nachrichten - Stadt / Seite 15 / LOKALES