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„Wir müssen reden“, sagt Bischof Dieser

„ Meet & Eat-Tour “ des Oberhirten macht Station im „Glashaus“ des Brückenkopf-Parks. Mit möglichst vielen Menschen sprechen.

Jülich. „Der Bischof ist recht offen, auch kritisch. Er ist von seiner Meinung überzeugt, geht aber auch auf Kritik von uns ein. Ich finde ihn sehr sympathisch.“ So resümierte Sebastian Linner, einer von 100 Gästen der vierten Auflage der Veranstaltungsreihe „Meet & Eat“, den kurzen Austausch mit dem Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser beim Abendessen im Glashaus des Brückenkopf-Parks. „Zehn Minuten sind erschreckend kurz“, fügte Linners Frau Annkathrin hinzu, die den Kirchenmann auf die Schließung von Gotteshäusern angesprochen hatte. „Nicht nur für die Älteren ist es wichtig, dass die Kirche im Dorf ist“, ist ihre Meinung.

Bunte Themenmischung

Zu weiteren Themen an den festlich gedeckten Tischen zählte unter anderem die richtige Art, die christliche Glaubensüberzeugung auch nach außen zu tragen, und sie nicht vor Nicht- oder Andersgläubigen zu verstecken. Auch die „Verballhornung“ des Glaubens, etwa im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung von Kindern aus kirchenfernen Familien, wurde besprochen. „Das ist auch eine Chance“ entgegnete der Bischof. „Wir nutzen diese Bereitschaft (der Erstkommunion), einen Weg zu finden, der die Familien selber in Bewegung und zu Gott bringt“, fügte er hinzu.

Nicht zuletzt wurde in allen bisherigen Treffen „vermehrt Transparenz eingefordert. Wir stehen unter Handlungsdruck, bald zu liefern“, weiß Dieser. Stichtag ist der 18. Mai. „Vorher gibt es keine Veröffentlichung in Salamitechnik. Das muss Hand und Fuß haben“, betonte er.

Der Kirchenmann rotierte im Zehn-Minuten-Takt an den zwölf Tischen im Glashaus, um im Rahmen des laufenden synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozesses „Heute bei dir“ mit so vielen Menschen wie möglich „quer zu den bisherigen Echokammern ins Gespräch zu kommen“. Zum willkürlichen Tischwechsel spielte das Aachener „Klazz Duo“ die jazzige Erkennungsmelodie.

Kurz und knapp lautet die bischöfliche Aufforderung: „Wir müssen reden“. Warum beim Essen? Die Auswertung einer repräsentativen Studie des Bistums Aachen hatte ergeben, dass gemeinsames Essen für fast hundert Prozent der Befragten gleichbedeutend mit Austausch und Kommunikation ist und als Ritual verstanden wird. So begab sich der Bischof mit Generalvikar Dr. Andreas Frick und dem Leitungsteam, bestehend aus Sabine Kock und Karl Kampermann, auf Wanderschaft, um an insgesamt sieben ungewöhnlichen Orten im Bistum den Menschen zu begegnen. Jülich lag zeitlich genau in der Mitte des Veranstaltungsmarathons.

Neben der „Meet & Eat“-Tour bieten sich Teilprozessgruppen und Themenforen zur Mitgestaltung an. Ferner besteht die seltene Möglichkeit, den Bischof, die Weihbischöfe oder den Generalvikar an den eigenen Küchentisch einzuladen. „Ich find“ das schön hier“ und „Ich bin hier der Privilegierteste“, betonte Dieser wiederholt „dieses wunderbare Format“. Auch die Gäste aus allen kirchlichen Bereichen, darunter Bibelkreise, Gottesdienstleiter, Lektoren, Messdiener oder Kathecheten, zeigten ihre Wertschätzung der Veranstaltung. Zu einem dreigängigen Menü – mit Rinderbraten mit dunkler Bratenjus, Kartoffelkressecreme, Brokkoli und Paprika mit Sesambröseln als Hauptgericht – unterhielten sie sich auch angeregt untereinander oder mit dem Generalvikar, wenn der Bischof nicht an ihrem Tisch saß.

Die Anliegen der „Meet & Eat“-Mitstreiter wurden stichwortartig mitgeschrieben. Sie fließen in den Neugestaltungsprozess der Kirche im Bistum Aachen ein. Mit seiner Leitfigur, dem biblischen Zöllner Zacharias, zielt der Prozess auf eine zuversichtlichere und zukunftsfähigere Kirche ab. (ptj)

27.04.2018 / Jülicher Zeitung / Seite 14 / Lokales