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„Schutzstreifen sind nicht das Richtige für Radler“

Am Jahrestag des tödlich verlaufenen Pedelec-Unfalls an der Aachener Straße in Düren weist die Arbeitsgemeinschaft Pro Rad noch einmal auf die Gefahren hin. Sonder-Webseite statt Mahnwache.

Düren Es ist jetzt ein Jahr her. Am 21. März 2019 ist ein junger Pedelecfahrer auf der Aachener Straße in Düren tödlich verunglückt. Der junge Mann war auf dem Fahrradschutzstreifen in Richtung Innenstadt unterwegs, als neben ihm ein Lastwagen fuhr. Der 43-jährige Lkw-Fahrer aus dem Kreis Breitscheid geriet aus noch nicht abschließend geklärten Gründen auf den Fahrradschutzstreifen und erfasste den Pedelecfahrer, der nicht mehr ausweichen konnte und noch an der Unfallstelle verstarb. Seitdem erinnert ein an weiß lackiertes Fahrrad an der Aachener Straße unweit des Annakirmesplatzes an den tragischen Unfall.

Den Jahrestag hat die Arbeitsgemeinschaft Pro Rad Düren zum Anlass genommen, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass Radfahrerschutzstreifen aus ihrer Sicht ihrem Namen nicht gerecht werden und deshalb insbesondere an viel befahrenen mehrspurigen oder überbreiten Straßen nicht das Mittel der Wahl sein dürfen. „Auch wenn uns die genaue Unfallursache nicht bekannt ist, zeigt der tödliche Unfall deutlich, dass Radfahrer auf Schutzstreifen nicht sicher unterwegs sind“, erklärt Tanja Malchow von Pro Rad. Ihr Mitstreiter Jens Veith ergänzt: „Auf Schutzstreifen besteht nicht nur eine große Gefahr von sogenannten Dooring-Unfällen, wenn unvermittelt Autotüren geöffnet werden, sondern es wird von Autofahrern beim Überholen auch häufig nicht der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten, was für den Radfahrer nicht nur subjektiv sehr unangenehm ist, sondern auch zu einer erheblichen Gefährdung führt.“

„Es geht kein Weg daran vorbei: Es wird mehr Platz fürs Rad gebraucht und vor allem ein Zwischenraum, der Fahrbahnen und Radstreifen effektiv trennt“, steht daher für AG-Mitglied Rob Maris fest. Wie das geht, wollte Pro Rad eigentlich am Samstag im Rahmen einer Mahnwache am Unfallort mit einem vorübergehenden „Umbau“ der Aachener Straße zeigen. „Wir wollten zeigen, wie ein guter, komfortabler und sicherer Radstreifen aussieht. Aufgrund der Corona-Krise haben wir uns nun aber entschieden, die Mahnwache vor Ort nicht durchzuführen,“ erklärt Tanja Malchow.

Trotzdem möchten die Mitglieder von Pro Rad des Unfallopfers gedenken und ihr Mitgefühl mit dessen Angehörigen zum Ausdruck bringen. „Wir haben eine Sonderseite auf unserer Webseite gestaltet“, erklärt Rob Maris. Dort gibt es Bilder, auch vom Blumenschmuck aus der Zeit nach dem Unfall. Außerdem finden Interessierte eine ausführliche Stellungnahme und Anregungen für eine sichere Radverkehrsführung an der Aachener Straße. (ja)

„Es geht kein Weg daran vorbei: Es wird mehr Platz fürs Rad gebraucht und vor allem ein Zwischenraum, der Fahrbahnen und Radstreifen effektiv trennt.“

Rob Maris, Pro Rad

www.prorad-dn.de

23.03.2020 / Dürener Nachrichten / Seite 12 / LOKALES