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Neue Kita soll in Heinsberg prekäre Betreuungslage entschärfen

Neubau für fünf Gruppen an der Schafhausener Straße geplant. Freie Wähler halten vorgesehene Ausführung nicht für zeitgemäß und stimmen dagegen.

Heinsberg Erst vor wenigen Wochen hatte sich im Jugendhilfeausschuss der Stadt erneut gezeigt, dass die Betreuung der noch nicht schulpflichtigen Kinder in Heinsberg schon seit einigen Jahren nur zum Teil auf der Basis von regulären Gruppen in Kindertagesstätten erfolgt. Der Rest wird durch überbelegte Gruppen, eingerichtete Notgruppen und verpflichtete Tagesmüttern gewuppt. Ein Zustand, der vielen längst ein Dorn im Auge ist und dem nun durch den Bau einer neuen Kindertagesstätte begegnet werden soll. Allein die Baukosten werden 2,75 Millionen Euro betragen.

„Es liegt in den nächsten Jahren ein Betreuungsbedarf von 90 Kindern vor, dem derzeit nur mit Notgruppen begegnet werden könnte“, erläuterte Karsten Knoben, der Leiter des Amtes für Gebäudewirtschaft in der Kreisstadt, die Notwendigkeit der Baumaßnahme. Das hierzu vorgesehene Grundstück liege an der Schafhausener Straße, direkt gegenüber dem Amtsgericht und seitlich neben dem Seniorenzentrum der Heinrichsgruppe. Damit befinde es sich im Umkreis der Kitas Lieck, Magdeburger Straße, Buschheide, Sittarder Straße und Schafhausen. Ein Winkelbau für fünf Gruppen soll entstehen, zudem unter anderem ein Mehrzweckraum, ein Speiseraum, eine Küche und Personalräume.

Die Kita in Kempen sei, obwohl nur als viergruppige Kita angelegt, hiefür quasi „die Blaupause“, meinte Knoben. Das Außengelände beträgt etwa 1200 Quadratmeter, wobei die Spielflächen auf der von der Schafhausener Straße abgewandten Seite liegen sollen und der Baumbestand weitgehend erhalten bleiben soll. Rund 400.000 Euro muss die Stadt aus eigenen Mitteln dazu beitragen, der Rest ergebe sich aller Wahrscheinlichkeit nach durch Fördergelder. Dass die Stadt sich bei der Planung am Kindergarten in Kempen orientierte, hatte einen recht simplen Grund, wie Bürgermeister Wolfgang Dieder erklärte: „Wir haben in Kempen gute Erfahrung gemacht mit der Föderfähigkeit.“

Das allein überzeugte Walter Leo Schreinemacher von den Freien Wählern allerdings nicht. Die Planung sei einfach nicht mehr zeitgemäß, monierte er. Sie erinnere ihn an die 1960er Jahre. „Viel Dach, viel Luft, wo nichts hinter ist.“ Er favorisierte eher ein begrüntes Dach und zudem eine zwei- statt eingeschossige Bauweise. „Wir machen uns auch Gedanken über die Ökologie“, meinte er, und sein Parteifreund Stefan Knauer fand es schade, „dass man sich die Ökologie immer auf die Fahne schreibt, sie aber erst jetzt diskutiert“.

Hans Josef Voßenkaul (SPD) regte denn auch gleich an zu prüfen, ob das Dach nicht ausgewechselt werden könne. Bezeichnenderweise war es gerade Willi Mispelbaum, der Sprecher der grünen Fraktion, dem die Ausführung nach eigenem Bekunden „egal“ sei. „Da können sich die Architekten dran abarbeiten, wir sehen die Notwendigkeit“, meinte er.

SPD-Fraktionschef Jochen Lintzen entwickelte im Hinblick auf die Dachfrage ebenfalls keine kreative Ader. Er lobte vielmehr die Verwaltung, dass sie „schnell und zielführend gearbeitet“ habe. „Wir finden den Kindergarten gut!“

Letztlich stimmten denn auch nur die beiden Vertreter der Freien Wähler gegen das Bauvorhaben, das im nächsten Jahr beginnen und endlich die Situation in der Betreuung der Vorschulkinder in Heinsberg entschärfen könnte.

26.06.2020 / Heinsberger Zeitung / Seite 11 / HEINSBERG ERKELENZ