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Anzeigen auch am Schlachthof Eschweiler

Eher zufällig landet ein Mitarbeiter der „Soko Tierschutz“ auf dem kleinen Betrieb und macht heimlich Aufnahmen. Einstellung zum Jahresende?

Eschweiler. Und wieder gerät ein Schlachthof in die Kritik. Die „Soko Tierschutz“ hatte vergangene Woche die Zustände im Dürener Betrieb Frenken öffentlich gemacht. Aus Sicht der Tierschützer gibt es auf dem größten Schlachthof der Region zahlreiche Verstöße. Nach ihren Anzeigen hat inzwischen die Staatsanwaltschaft Aachen die Ermittlungen aufgenommen.

Die Tierschützer haben auch einen anderen Schlachtbetrieb in der Region heimlich untersucht. Eher zufällig wurde einer der in Düren eingeschleusten Soko-Mitarbeiter für ein paar Stunden mit seiner Kolonne zum Schlachthof in Eschweiler abkommandiert, der sich derzeit im Insolvenzverfahren befindet. Immer freitags werden dort ein paar Dutzend Tiere geschlachtet. Am 20. Oktober war dann auch Soko-Mitarbeiter Philipp Hörmann vor Ort, auch, um heimlich Aufnahmen zu machen. Darauf werden nach Ansicht der Aktivisten viele Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzschlachtverordnung festgehalten. Die Soko zeigte deswegen gestern den Betreiber des Hofes und den Subunternehmer an, der mit seiner Kolonne für die Schlachtung zuständig war. Der Mann war bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe auch in Düren mit seiner Firma aktiv.

Folgt man der Soko, dann werden die Rinder auch in Eschweiler nicht ausreichend betäubt. Die Folge: Die Tiere bekämen den todbringenden Messerstich mit. „Ein Tier, das panisch der Betäubungsbox zu entkommen versucht und zusammensackte, wurde mehr als zehn Mal schnell hintereinander mit dem Elektroschocker traktiert, um es damit wieder auf die Beine zu bekommen“, sagt Hörmann.

Der Sprecher der Städteregion, Detlev Funken, teilte gestern mit, dass die Vorkommnisse vom 20. Oktober dem Veterinäramt nicht bekannt seien. Der videoüberwachte Schlachthof werde engmaschig kontrolliert. Bei jeder Schlachtung sei ein Tierarzt vor Ort. Nach Auskunft der Behörde hat der Betrieb keine Zukunft. „Nach unseren Erkenntnissen wird der Schlachtbetrieb mangels Wirtschaftlichkeit zum Jahresende eingestellt“, sagt Funken.  ▶ Seite 9

14.12.2017 / Heinsberger Zeitung / Seite 1 / Titel Heinsberg