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Als Botschafterin für den Kreis ein Jahr in den USA

Kim Tangerdings Zuhause war nicht Tetz, sondern New Braunfels in Texas. Nun ist die Schülerin des Mädchengymnasiums zurück.

Linnich Kim Tangerding hat den Kreis Düren in den USA als Junior-Botschafterin vertreten, im Zuge des PPP. Das steht für „Parlamentarisches Patenschafts-Programm“, das Stipendien für einen Austausch in die USA an ausgewählte Schüler in Deutschland vergibt und ihnen Paten zur Seite stellt. Da Kim als Mitglied des Kreisvorstands der Jungen Union sich sehr für Politik und kulturellen Austausch interessiert, war der Plan der Schülerin des Jülicher Mädchengymnasiums, als sie sich bewarb: das PPP oder nichts.

Und es klappte. Zum Schuljahr 2017/2018 reiste sie nach Texas zu ihrer Gastfamilie. Die musste sie jedoch aus persönlichen Gründen wechseln und zog kurz darauf bei der Familie Long ein, bei der sie das Jahr über blieb. „Es ist wie ein neues Leben, nur auf der anderen Seite der Welt“ sagt Tangerding. Dort hatte sie Tom und Kelly, ihre Gasteltern und zwei Gastschwestern und gewöhnte sich an den Familienalltag. Dass ihre Gasteltern Republikaner waren und ihr Gastvater zum Beispiel beim Thema Waffengesetze eine ganz andere Einstellung hatte als sie, machte ihr nichts aus. „Meine Gasteltern sind tolle Menschen“. Ihre politischen Einstellungen würden das nicht ändern. Auch Diskussionen mit ihrem Gastvater über Waffen in den USA waren möglich, verstanden hätten sie sich dabei trotzdem immer gut.

In Washington diskutiert

Als Juniorbotschafterin hatte Tangerding neben dem Austausch an sich auch andere Dinge zu tun. 50 Stunden half sie bei einer Einrichtung ähnlich der Tafel mit. Für eine Woche durfte sie zusammen mit den anderen „PPPlern“ nach Washington D.C. reisen, Kongressmitglieder interviewen, diskutieren und Fragen stellen. Auch einen Vortrag über Deutschland hielt sie im Laufe des Austauschjahres. Doch auch im Kleinen versuchte Tangerding, ihre besondere Aufgabe als Botschafterin umzusetzen. Sie erzählte über Deutschland, Traditionen wie das Schützenfest und tauchte umgekehrt auch in die amerikanische Kultur ein, die ihr eine andere Perspektive gegeben hat. Thomas Rachel stimmt zu: „Es [der kulturelle Austausch] öffnet einem die Augen!“

Kritik am Schulsystem

Der amerikanische Schulalltag unterscheide sich deutlich vom deutschen, so berichtet Kim. Das sei ihr nicht unbedingt positiv aufgefallen. Besonders das Schulsystem und die Unterteilung der Schulformen ziehe sie der High School vor, die immer eine Gesamtschule ist. In ihrer High School war die technische Revolution schon weit fortgeschritten: Alle Schüler waren für den Unterricht mit einem iPad ausgestattet. „Erst habe ich mich total gefreut“, sagt sie, „aber ich steige jetzt sehr gerne wieder auf Tafeln und Papier um“. Das System sei noch nicht bereit gewesen für eine derartige technische Ausstattung.

Im überwiegend republikanischen Bundesstaat Texas sei das Thema Politik in der Schule in großen Teilen vermieden worden. Der Amoklauf in Parkland vom 14. Februar 2018 hätte zwar Schüler dazu bewegt, zu protestieren, aber diesen sei vorgeworfen worden, sich nur vor der Schule drücken zu wollen. Im Unterricht sei der Amoklauf nicht besprochen worden.

Rückkehr im Sommer

Insgesamt erzählt Kim Tangerding, dass sie jetzt nach ihrer Rückkehr Dinge wie Meinungsfreiheit und die Diskussionskultur an deutschen Schulen um einiges mehr wertschätzt. Sie besucht aktuell die Jahrgangsstufe Q1.

Trotzdem zieht sie viele positive Erfahrungen aus ihrem Auslandsjahr, hätte sich ohne zu zögern noch einmal dafür entschieden und besucht ihre Gastfamilie und Freunde dort nächstes Jahr. „Die Tickets für nächsten Sommer sind schon gebucht!“

Zum Abschluss die Frage: Würde Tangerding jedem empfehlen, ins Ausland zu gehen?

So schön es für Kim war: „Ein Austausch ist nicht für jeden was“. Es gebe neben den Höhen eben auch Tiefen, die man trotz der Unterstützung durch Freunde und Gastfamilie vor Ort im Grunde alleine bewältigen müsse. „Dabei kann man mental an seine Grenzen kommen“. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er sich ein Auslandsjahr zutraue.

23.10.2018 / Jülicher Zeitung / Seite 13 / JüLICH