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Kunstprojekt: Jung, europäisch, digital

Schülerinnen des Mädchengymnasiums Jülich und einer Spanischen Partnerschule lassen Kirchen verschmelzen

Jülich Der Kölner Dom und die Sagrada Familia haben einige Gemeinsamkeiten: Beides sind große und großartige Kirchen, die eine in Köln und die andere in Barcelona, die eine über Jahrhunderte erbaut, die andere im Bau noch immer nicht abgeschlossen. Beide sind als Weltkulturerbe berühmt und ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Herren Länder. Aber das ist noch nicht alles: In Jülich wurden die Bauwerke näher untersucht und teilweise „verschmolzen“, und zwar am Mädchengymnasium Jülich (MGJ) und der Partnerschule LaVall in Bellaterra (Barcelona).

Europa nicht nur im Namen

Was auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheint, ist schnell aufgeklärt. Das MGJ ist eine sogenannte „Europaschule“. Mit Stolz blicken die Verantwortlichen des Gymnasiums auf diesen Titel, der schon 2008 verliehen wurde, aber auch in einem auf katholischem Fundament stehendem Gymnasium nicht vom Himmel fällt: Es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, so zum Beispiel ein erweitertes Fremdsprachenangebot, bilinguale Zweige und internationale Projekte, Partnerschaften und Austauschprogramme. Die deutliche Ausrichtung des Schulprogramms schließt auch die Teilnahme an europäischen Projekten und Wettbewerben mit ein. Und damit kommen jetzt der Dom in Köln und die Sagrada Familia in Barcelona ins Spiel. Denn innerhalb eines von der EU geförderten Programms (ERASMUS+) bewarb sich das MGJ um das Projekt „Kunst und kulturelles Erbe – real und digital“. In den Bereichen Kunst und Spanisch arbeiteten Oberstufenschülerinnen des Jülicher Gymnasiums und der spanischen Partnerschule mit der Projektleiterin Teresa Canovas intensiv daran, die beiden Kirchen miteinander zu vergleichen, ihre Architektur, ihre Kunst und ihre Geschichte, und das alles real durch Austausch vor Ort in Jülich und Barcelona, vor allem aber auch digital. Die laufenden Arbeitsergebnisse wie Fotos, Videos, Referate, Texte, Erläuterungen, Analysen – all das wurde in Chatrooms diskutiert, wohlgemerkt jeweils in der Sprache des Partnerlandes und auf eine allen zugängliche Plattform hochgeladen, teilweise aber auch auf Youtube, Facebook und Instagram veröffentlicht.

„Es war ein nicht ganz leichtes Unterfangen“, bilanziert Dr. Barbara Schellenberger als Vertreterin der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft, des Trägervereins des MGJ. „Allein der Antrag für das Projekt hatte es in sich, diese erste Hürde haben wir seinerzeit so gerade eben geschafft.“ Das Ergebnis der Arbeit aber konnte sich dann mehr als sehen lassen: mit 87 von 100 möglichen Punkten war das ein „sehr gut bis exzellent“, so die Bewertung der Gutachter aus dem Kultusministerium. Christiane Clemens, die Leiterin des MGJ ergänzt: „Das ist eine ‚Best Practice’ – Note, die uns natürlich zur Weiterarbeit am Europaprofil ermutigt hat.“ Und genau diese Weiterarbeit, wieder durch die Europäische Union gefördert, ist jetzt im Gange, diesmal in den Fächern Naturwissenschaft und Technik. „Mobilität und Energiegewinnung im Großraum Jülich“ ist das Thema, an dem die Jülicher Mädchen seit einiger Zeit wieder gemeinsam mit der spanischen Partnerschule arbeiten. „Die spanischen Schülerinnen waren schon hier“, berichtet Dr. Schellenberger, „und ganz aus dem Häuschen, was hier in Jülich auf diesem Gebiet möglich ist. Sowas ist in Spanien gänzlich unbekannt.“ Damit meint sie vor allem die Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich. Im dortigen JuLab können die Mädchen experimentieren, Versuchsreihen durchführen, um so den im Projekt definierten Zielen näherzukommen: Wie kann der öffentlichen Verkehr umweltfreundlicher gestaltet, wie können Fahrzeuge alternativ angetrieben, wie das Verkehrsaufkommen reduziert oder auch fließender gestaltet werden? Welche alternativen Energiequellen oder Form der Energiespeicherung gibt es? Selbstverständlich werden die deutschen und spanischen Arbeitsergebnisse wieder über die digitale Plattform ausgetauscht. Insofern sind alle zuversichtlich, dass auch dieses Projekt erfolgreich sein wird und auch wieder ein „Best-Practice-Prädikat“ bekommen könnte.

Den Weg konsequent fortsetzen

Und was folgt dann? „Wir bleiben am Ball“, sagt Dr. Schellenberger. „Wenn auch nicht innerhalb dieses europäischen Förderprogramms.“ Das laufe jetzt aus. „Aber die beiden Projekte haben uns Mut gemacht und inspiriert, unseren Weg als Europaschule konsequent fortzusetzen.“ Dieser soll gestärkt werden mit Arbeiten an einer Kunstausstellung „Europa-Einheit in Vielfalt“ und mit den Themen „Frauenbilder in Europa“ und „Europa und der Stier“, in dem es natürlich nicht nur im die mythologische Gründung des Kontinents geht. All das, so Dr. Schellenberger, trage zur Stärkung und zum Image der Schule bei. Gerade in Zeiten von Ausstiegsszenarien wie der des Brexit und zunehmenden Nationalismus seien internationale Projekte eine immense Bereicherung, und zwar für alle; Lehrer, Schülerinnen und Verantwortliche im Bildungswesen. „Und letztlich profitiert auch Europa selbst davon, weil Schülerinnen zusammenkommen, sich vernetzen und über die gemeinsame Arbeit auch Freundschaften entstehen, die die Projektzeit durchaus überdauern.“

10.02.2020 / Jülicher Zeitung / Seite 13 / JÜLICH