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Massig Scherben und ein Funke Hoffnung

In vier Wochen trifft sich der Runde Tisch zum Thema Bibliothek. Momentan aber überwiegt noch der Ärger über den Ablauf.

Übach-Palenberg. In knapp vier Wochen will der sogenannte Runde Tisch sich treffen, und nach dem 4. April wird man dann vielleicht erahnen können, ob es in Übach-Palenberg in Zukunft etwas geben wird, das einer Bücherei ähnelt. Die klassische Bücherei existiert ja bekanntlich seit einer guten Woche nicht mehr, und die Teilnehmer des Runden Tisches, die sich wohl primär aus Vertretern der Kommunalpolitik und des Fördervereins zusammensetzen dürften, wollen über „alternative Verleihmöglichkeiten“ nachdenken. Wahrscheinlich ist es im Sinne der Sache, dass bis dahin noch einige Zeit vergehen wird. Denn in dieser Zeit können sich die Gemüter der Beteiligten beruhigen.

Keinerlei Auskunft

Die Stadtverwaltung trägt dazu bislang wenig bei, sie weigert sich hartnäckig, offene Fragen zum Zustandekommen der Schließung zu beantworten. Vergangene Woche hatte Maria Röhlen, die Vorsitzende des Fördervereins, der Stadt vorgeworfen, sie erst hingehalten und dann vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. Und auch unserer Redaktion gegenüber hatte man in den vergangenen Monaten behauptet, dass Gespräche geführt würden, die womöglich doch noch zur Rettung der Bücherei führen könnten. Leider wird keinerlei Auskunft zu diesen angeblichen Gesprächen gegeben.

Diese Woche schickte unsere Zeitung erneut eine Anfrage an das Rathaus, die Fragen in voller Länge waren diese:

Welche Anstrengungen hat die Stadtverwaltung Übach-Palenberg unternommen, um die Stadtbücherei zu erhalten, und woran ist dies – abgesehen vom finanziellen Aspekt – letztlich gescheitert? Was war im Einzelnen Gegenstand der „Gespräche“, die u. A. laut Ihrer Mail vom 1. Dezember 2016 mit dem Ziel des Erhalts der Stadtbücherei geführt worden sein sollen, und wer waren die Gesprächspartner? Wie viele dieser Gespräche haben stattgefunden?

Als Antwort wird ein Redemanuskript aus der Ratssitzung vom 14. Februar geschickt, das aber keine Antwort liefert. Darin ist von der Idee die Rede, sich der Bibliothek zu entledigen, indem man sie dem Förderverein überschreibt, was sich aber bereits Mitte September erledigt hatte (siehe Text unten). Außerdem werden „kommunale Kooperationen genannt“, was immer das heißen soll.

Der Verdacht erhärtet sich: Jede Form öffentlicher Diskussion, die den Ratsbeschluss hätte gefährden können, sollte vermieden werden. Dieser Eindruck wird auch unterstützt durch eine ausführliche Stellungnahme der SPD zu den Vorgängen (siehe Zusatzbox links). Im Grundsatz haben Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) und die Verwaltungsspitze erreicht, was sie wollten, die Bücherei ist seit Aschermittwoch geschlossen. Ob das Vorgehen sehr weitsichtig war, ist eine andere Frage.

Kein weiterer Mehrwert

Immerhin: Andere Fragen unserer Redaktion zum Thema hat das Rathaus zwischenzeitlich ausführlich beantwortet. So räumt es ein, dass das Gehalt der Angestellten „den überwiegenden Teil“ der Gesamtkosten der Bücherei ausmache. Da die Beschäftigten in anderen Bereichen der Stadtverwaltung untergebracht werden müssen, also weiterhin auf der Gehaltsliste stehen werden, stellt sich die Frage, ob die Bücherei nicht wenigsten zwei weitere Jahre – dann geht Leiter Peter Berghoff in Pension – hätte erhalten werden können. Eine neue Nutzung der Räume sei indes nicht vorgesehen, teilt das Rathaus weiter mit. Auch hier entsteht also kein neuer Mehrwert. Und die Bücher? Hier verweist die Stadt auf den Runden Tisch.

Zum Teil hat diese Frage sich allerdings erledigt. Am Tag vor Aschermittwoch, also dem offiziell letzten Tag Übach-Palenbergs als Stadt mit Bücherei, war vor Ort zu beobachten, dass Bücher und andere Medien quasi im Dutzend verschachert wurden. Das wirft natürlich die Frage auf, worüber der Runde Tisch noch beraten soll. Den inneren Widerspruch erkannte man leicht verzögert offensichtlich auch im Rathaus, vergangene Woche Donnerstag wurde der weitere Verkauf dann unterbunden. Wie viele Medien in etwa nun schon verloren sind, war im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel nicht in Erfahrung zu bringen, der Erlös jedenfalls soll bei circa 2000 Euro gelegen haben.

Selbst wenn man die Büchereischließung als ein leider Gottes notwendiges Übel betrachtet, lässt sich sicherlich dies feststellen: Ein durchdachtes und planvolles Vorgehen bei der Abwicklung hätte anders ausgesehen.  ▶ Leserbriefe Seite 16

„Dringend klärungsbedürftig“: Die SPD-Fraktion fühlt sich hinters Licht geführt

Die SPD-Fraktion hat diese Woche eine ausführliche Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Schließung der Bücherei veröffentlicht. Sie macht deutlich, sich ebenso wie die Vorsitzende des Fördervereins, Maria Röhlen, getäuscht zu fühlen.

Die SPD muss sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Schließung seit Jahren angekündigt gewesen ist, ohne dass sie nennenswerte Gegenmaßnahmen ergriffen hätte. Vor allem hat sie Ende vergangenen Jahres dem Haushalt zugestimmt, der die Schließung vorsah. Sie verweist nun aber darauf, dass Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in seiner Haushaltsrede gesagt hatte, die Bücherei werde nur dann geschlossen, „wenn sich keine alternativen Lösungen auftun“.

Der Knackpunkt aus Sicht der SPD ist, dass sie über die Entwicklung hinsichtlich der „alternativen Lösungen“ zu keinem Zeitpunkt informiert worden sei. „Wochenlang gab es keinerlei Hinweise der Stadtverwaltung auf ein solches Bemühen.“

Anfang Februar habe man sich diesbezüglich im Rathaus erkundigt, woraufhin eine Stellungnahme für die Ratssitzung am 14. Februar angekündigt worden sei. Dies aber war bekanntlich die Sitzung, in der die Schließung dann endgültig beschlossen wurde. Der eilends erarbeitete Antrag der SPD, die Schließung zurückzustellen, kam nicht zum Tragen.

„Erst nach dieser Ratssitzung kamen schlagartig von verschiedenen Seiten und vor allem durch Recherchen der Presse bedenkliche Einzelheiten über die Art und Weise ans Licht, mit der sich die Stadtverwaltung um eine ‚alternative Lösung‘ bemüht haben soll“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Dies und das „anschließend eingelegte Tempo der Abwicklung“ halte man für „dringend klärungsbedürftig“. (jpm)

10.03.2017 / Geilenkirchener Zeitung / Seite 13 / Lokaltitel Geilenkirche