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Erasmus-Projekt: Forschung international

Schülerinnen aus Deutschland und Spanien widmen sich gemeinsam den Themen Energie und Klimaschutz

Jülich Die Schullandschaft verändert sich. Wo früher Kreidetafeln und Frontalunterricht die Klassenzimmer prägten, arbeitet man heute an digitalen Lernkonzepten und praxisorientierten Kursen. Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Projektklassen zu aktuellen Themen und Auslandsaufenthalte stehen vielerorts auf dem Stundenplan. Am Mädchengymnasium Jülich (MGJ) hat man ein Großprojekt in Angriff genommen, das gleich alle der oben genannten Aspekte beinhaltet.

Aufwendige Bewerbung

Mit dem Thema „Energie und Klimawandel“ und der spanischen Partnerschule „La Vall“ aus der Nähe von Barcelona hat sich das Gymnasium um eine Erasmus-Plus-Förderung beworben. Das Programm der Europäischen Union ist vor allem für seine Unterstützung von Studenten und der Vermittlung von Auslandssemestern bekannt, unterstützt aber auch regelmäßig Schulprojekte. Das Bewerbungsverfahren ist aufwendig, der Antrag allein umfasst 80 Seiten. Ist dieser dann eingereicht, werde die Schule „auf Herz und Nieren geprüft“, wie Dr. Barbara Schellenberger von der Fördergemeinschaft des MGJs, die für die organisatorischen Aspekte verantwortlich ist, sagt. Inzwischen allerdings haben die Verantwortlichen schon Übung, denn es ist das zweite Erasmus-Projekt der Schule.

Mit ihrem Konzept konnte das Mädchengymnasium überzeugen, die EU fördert das Projekt mit insgesamt 40.299 Euro, von denen 19.723 Euro direkt in Jülich ankommen. Geholfen hat, neben der aktuellen Relevanz der Themen Energie und Klimawandel, wohl auch die Beteiligung des Forschungszentrums Jülich, das in seinem JuLab praktische Experimente für die Oberstufenschülerinnen anbietet. Für Karl Sobotta, Leiter des Schülerlabors, ist es nicht nur wichtig vor allem Mädchen früh für die Naturwissenschaften zu begeistern, ihn überzeugt auch die internationale Komponente: „Wir müssen uns über die Grenzen hinweg mit diesen Themen beschäftigen“, sagt er. Wie erfolgreich man sich beim Thema Klimaschutz international zusammentun könne, hätten schließlich Jugendliche selbst bereits bewiesen.

Selber Lösungen finden

Das Projekt soll die Schülerinnen motivieren, die Missstände in Sachen Klima nicht nur anzusprechen, sondern selber an Lösungen zu arbeiten. An den drei Tagen im Jülicher Labor experimentierten die 13 deutschen und 15 spanischen Mädchen mit Brennstoffzellen und Wasserstoff, mit Photosynthese und Solarzellen und mit Energietransport und Supraleitern. Die Kommunikation lief dabei fast ausschließlich auf Englisch. Das bedeute auch ein stückweit Berufsalltag kennenzulernen, betont Sobotta, denn in einem international geprägten Umfeld mit Wissenschaftlern aus aller Welt, sei die englische Sprache nicht wegzudenken.

Dass die Schülerinnen sich auch berufliche Perspektiven im Naturwissenschaftlichen Bereich vorstellen können, wurde Dr. Birgit Fuchs, Lehrerin am MGJ, schnell klar. „Es wurden sehr viele interessierte Fragen gestellt“, berichtet sie vom ersten Projekttag im Schülerlabor. „Und einige Mädchen wollten sich auch schon über Praktikumsmöglichen informieren.“ Ganz nebenbei wird auch noch Völkerverständigung betrieben, denn auch außerhalb der Schulzeit haben sich die Schülerinnen verabredet.

Der Besuch in Spanien ist für nächstes Jahr im April geplant. Hier steht unter anderem Wasseraufbereitung auf dem Stundenplan. Bis es soweit ist, ruht das Projekt aber keineswegs.

Kontinuierliche Kommunikation

Eine detaillierte und vor allem kontinuierliche Dokumentation im gesamten Projektzeitraum wird bei Erasmus Plus vorausgesetzt. Und dieser Zeitraum beschränkt sich nicht auf die insgesamt sechs Tage, die die Schülerinnen gemeinsam verbringen. Das Projekt, das unter der sogenannten „Leitaktion 2: Geförderte Partnerschaften“ läuft, dauert noch bis Januar 2021. In dieser Zeit kommunizieren die beiden Gruppen digital und lernen gemeinsam im Zuge des Projektkurses, der wie jedes andere Fach auch in den Unterrichtsalltag integriert ist.

12.10.2019 / Jülicher Zeitung / Seite 13 / JÜLICH