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Der Tod ist immer noch ein Tabuthema

Der Kabarettist und überzeugte Wahl-Rheinländer Konrad Beikircher begeistert beim Hospiztag das Dürener Publikum

Düren. Kann man sich einem im Wortsinne todernsten Thema mit Humor nähern ohne in Klamauk abzudriften? Konrad Beikircher kann es – und wie! Der beliebte Kabarettist, Autor und Sänger, bewies das beim 19. Hospiztag im voll besetzten großen Saal des Hauses der Stadt in Düren.

Auf Einladung der Hospizbewegung Düren-Jülich sprach Beikircher unter dem Titel „Dat mit dem Sterben werd‘ ich auch noch überleben“ über das Sterben und den Tod – immer noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft, obwohl sie buchstäblich jeden Menschen angehen. Eigens für den Abend hatte der überzeugte Wahl-Rheinländer neue Texte verfasst und einige passende Passagen aus seinen vielen bisherigen Programmen zusammengestellt. Beikircher sagte, er habe die Einladung der Hospizbewegung sehr gerne angenommen, weil er die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter außerordentlich schätze. In beeindruckender Weise schaffte er den Spagat zwischen anspruchsvoller humorvoller Unterhaltung und Nachdenklichem spielend.

Zum Einstieg schilderte Beikircher eine Begebenheit aus seiner Zeit als Student in Bonn. Seine Vermieterin erzählte ihm eher beiläufig, dass jemand im Haus gestorben sei und jetzt halt beigesetzt werden müsse. Sie werde gleich zum Begräbnis gehen. Beikircher: „Ich war absolut schockiert. Da stirbt jemand im Haus und keiner bekommt etwas mit? Das hat mir schmerzlich bewusst gemacht, dass unsere moderne Gesellschaft eine anonyme geworden ist. Damit kann und will ich mich nicht abfinden – nie und nimmer. Das ist die schlimmste Geißel unserer ach so fortschrittlichen Welt.“ Beikircher ist froh, schon als Kind einen ganz anderen Umgang mit Verstorbenen kennengelernt zu haben. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Ort in Südtirol. Und wenn da jemand sterbenskrank war und schließlich starb, nahmen viele Menschen Anteil daran, spendeten den nächsten Angehörigen Trost und nahmen von dem aufgebahrten Toten würdevoll Abschied. Beikircher: „Als Kind habe ich dadurch die Angst vor dem Tod weitgehend verloren.“

Der Kabarettist erfreute das Publikum mit vielen lustigen Begebenheiten nach plötzlichen Todesfällen (im Ausflugslokal zum Beispiel) und bei Begräbnissen.

Beikircher beschäftigte sich auch mit dem Jüngsten Gericht, wo nach seiner Lesart auch die Wahl des Sarges eine wichtige Rolle spielen kann. Da wartet jemand mit viel Geduld, bis es er endlich an der Reihe ist und dann kriegt er den Sarg eines großen schwedischen Möbelhauses einfach nicht auf. In seiner Not ruft er schließlich: „Hat jemand einen Inbusschlüssel?“

Der Programmtitel geht auf ein Erlebnis bei einem Begräbnis in Langerwehe zurück. Der langgediente Totengräber wird gefragt, wie er das mit dem Tod selbst sieht. Seine Antwort: „Dat met dem Sterve werd‘ isch och noch överläve.“ Beikircher: „Dieser Satz drückt die wundervolle rheinische Zuversicht, dass mit dem Tod eben nicht alles zu Ende ist, perfekt aus.“ Das Publikum bedankte sich nach den Schlussworten bei Konrad Beikircher mit einem wahren Beifallssturm.

Der erste große Applaus des Abends würdigte allerdings die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hospizbewegung, die sich auf Wunsch der zweiten Vorsitzenden Gerda Graf kurz von ihren Plätzen erhoben. Anerkennende Grußworte richteten auch der Ehrenvorsitzende Dr. Hans-Heinrich Krause, der Vorsitzende Dr. Martin Franke und Dürens Bürgermeister Paul Larue an die Ehrenamtler.

Über 100 ehrenamtliche Helfer arbeiten mit

Die Hospizbewegung Düren-Jülich besteht seit über 20 Jahren. Sie versteht sich als Gegenbewegung zu dem „modernen“ Trend, den Umgang mit Tod und Sterben aus der Geborgenheit des früher zuständigen Familienverbandes auszugliedern und in die Anonymität professioneller Dienste in Krankenhäusern und Altenheimen zu delegieren.

Ihr Projekt „Hospiz macht Schule“ hat bundesweit Beachtung gefunden und wird vom Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Senioren im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Generationsübergreifende Freiwilligendienste“ gefördert. Der Grundgedanke dabei: Kinder in Grundschulen sollen mit dem Thema „Tod und Sterben“ nicht allein gelassen werden, sondern in geschütztem Rahmen die Möglichkeit erhalten, alle Fragen, die sie bewegen, zu stellen und beantwortet zu bekommen.

Über 500 fördernde Mitglieder hat der Verein inzwischen. Sie unterstützen die Arbeit von rund 100 ehrenamtlichen Helfern, die umfassend geschult worden sind. Die Vorbereitungskurse umfassen um die 120 Stunden Ausbildung.

Wer mitmachen möchte, kann sich an die Hospizbewegung in Düren, Roonstraße 30, ☏ 02421/393220, wenden.

Mehr Infos im Netz:

www.hospizbewegung-dueren.de

26.09.2016 / Dürener Nachrichten / Seite 25 / Lokales