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Weit und breit keine Spur von Besinnlichkeit

Die Hospizbewegung Düren-Jülich präsentiert Konrad Beikircher als „würdigen Höhepunkt“ des Jubiläumsjahres

Jülich „Wer am ersten Advent Besinnlichkeit erwartet, der wird enttäuscht und hat jetzt noch die Möglichkeit zu gehen“, scherzte Dr. Martin Franke, Vorsitzender der Hospizbewegung Düren-Jülich – völlig zu recht. Als „würdigen Höhepunkt“ der Veranstaltungsreihe im Jahr ihres Silberjubiläums, wie Vorstandsmitglied Hartmuss Prüss es ausdrückte, präsentierte die Hospizbewegung den beliebten Kabarettisten Konrad Beikircher mit seinem Programm „Sternstunde“ im PZ der Zitadelle Jülich. Das Pädagogische Zentrum war laut Pfarrer Toni Straten voller „hospizbewegter Menschen“.

Der Kabarettist, Autor und Musiker Beikircher, der aus Südtirol stammt und sich im Rheinland heimisch fühlt, zollte sogleich der Hospizbewegung seinen Respekt. „Das Zurückkommen zur Natürlichkeit“ liegt dem 73-Jährigen am Herzen, der in seiner Kindheit am Sterbebett von 200 bis 300 Menschen war – damals völlig normal. Das anonyme Sterben hingegen findet er grauenhaft. „Ooch, dat mit dem Sterben werd ich auch überleben“, hatte ihm einst ein rheinischer Totengräber gesagt. „Das hat Zuversicht. Wer so was sagt, geht auch mit dem Sterbenden nicht mehr anonym um“, findet Beikircher.

In gewohnt komisch-ironischer Manier stieg er nun anhand vieler Texte in Form von Gedichten und Prosa mit großer Bandbreite ins Thema Advent ein. Den Anfang machte „Loriots Adventsgedicht“, wo es etwa heißt: „Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer die Försterin im Herrenzimmer. In dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster umgebracht“. Ferner präsentierte der Kabarettist „Das kleine Weihnachtsbuch“ von Hanns Dieter Hüsch, in dem dieser mal nachdenklich, dann wieder schmunzelnd seine Weihnachtsgeschichten beschreibt, darunter „Feiertage“.

Zwischen den Lesungen betrieb der südtirolische Rheinländer augenzwinkernd Aufklärung, etwa über Unterschiede zwischen einem Comedian und einem Kabarettisten: „Der Comedian macht’s wegen dem Geld. Der Kabarettist macht’s wegen des Geldes“. Ferner „weiß jeder, dass Gott vom Niederrhein kommt. Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären ...“

Zum Nachdenken regten etwa das zeitlose Gedicht „Am zweiten Feiertag“ von Heinz Erhardt an, vorgetragen mit der näselnden Stimme des Schauspielers, oder die Geschichte „Felix holt Senf“ von Erich Kästner. Lustige Episoden aus dem Leben der Beikirchers, seiner Frau, die er stets „Festkomitee“ nennt, und seiner Kinder bereicherten das Bühnenprogramm, genau wie die Charakteristik des Rheinländers. Als eine der allerschönsten Wortverkürzungen nannte Beikircher „die Art, wie man in Jülich sagt, wo jemand arbeitet: ,Om Atom’.“ Dies sei eine herrliche Verkürzung für die ehemalige Kernforschungsanlage.

Als gelungenes Intermezzo warf der Kleinkünstler auch mal Deutungen des verstorbenen Schriftstellers und Kabarettisten Joachim Ringelnatz ein. Letzterer beobachtete eine Elster, die über einen Platz läuft, und kommentierte: „Kleine Strecken laufen auch Vögel zu Fuß.“ Darüber zeigte sich Beikircher begeistert: „Das ist Poesie.“ Die „Behmische Weihnachtsgeschicht“ von Michael Haas klärte schließlich darüber auf, dass „drei Heilige Könige eine historischen Lüge“ seien: „Ich fircht‘, man kennt mich nur sehr wenig: ich bin der vierte Heilige-Drei-Kenig“, las Beikircher, der sich als genialer Stimmenimitator erwies.

Der Solo-Entertainer beendete sein Programm heiter, mit einer Geschichte über eine Gruppe norddeutscher Senioren, die auf dem Christkindlesmarkt in Nürnberg schlüpfrige Weihnachtslieder singen – sehr zur Freude des großen Publikums. Donnernder Applaus eines begeisterten Publikums belohnte den findigen Kabarettisten und die veranstaltende Hospizbewegung. (ptj)

03.12.2018 / Jülicher Zeitung / Seite 21 / JÜLICH